21. Apr.
Rating:4.5

Pippi trifft Zazie: Kinderanarchie zwischen Villa Kunterbunt und Pariser Ausnahmezustand

Diese Rezension beschäftigt sich mit dem Roman „Zazie in der Metro“ von Raymond Queneau und vergleicht ihn dabei bewusst mit „Pippi Langstrumpf“ von Astrid Lindgren. Denn selten macht ein literarischer Vergleich so schnell klar, wie unterschiedlich (und gleichzeitig ähnlich) radikale Kindheit erzählt werden kann. Im Zentrum steht Zazie, eine Protagonistin, die mit rotziger Direktheit durch Paris streift, Autoritäten ignoriert und sich von niemandem sagen lässt, wie die Welt zu funktionieren hat. Genau hier liegt ihre Nähe zu Pippi: Beide verweigern sich konsequent den Regeln der Erwachsenen, folgen ihrer eigenen Logik und entlarven dabei die Absurditäten von Ordnung, Moral und „Vernunft“. Doch während Pippi mit entwaffnender Wärme, Fantasie und einer fast tröstlichen Utopie von Selbstbestimmung auftritt, ist Zazie schärfer, widerspenstiger und deutlich weniger versöhnlich. Ihre Welt ist kein sicherer Gegenentwurf, sondern ein ohnehin schon schiefes System, das sie mit Sprache, Witz und Trotz weiter aus dem Gleichgewicht bringt. Wo Pippi die Welt freundlicher macht, zeigt Zazie, dass sie vielleicht nie besonders sinnvoll war. Gerade dieser Kontrast macht das Buch so reizvoll: Es ist weniger ein Kinderbuch als ein sprachspielerischer, manchmal chaotischer, oft sehr komischer Angriff auf Konventionen. Und doch blitzt in Zazies Unabhängigkeit genau jene anarchische Freiheit auf, die man auch bei Pippi so liebt – nur eben ohne Sicherheitsnetz. Fazit: „Zazie in der Metro“ ist eine klare Empfehlung für alle, die Lust auf kluge, eigenwillige Literatur haben. Wer Pippi Langstrumpf mochte, bekommt hier keine Kopie, sondern eine radikalere, kantigere Verwandte – und ein ebenso unterhaltsames wie subversives Leseerlebnis.

Zazie in der Metro
Zazie in der Metroby Raymond QueneauSuhrkamp