Vom Mythos des Kreativen. Es ist schick, kreativ zu sein, fast sogar gefordert, findet es sich doch auf fast jeder Stellenanzeige und das Kreative, das beschränkt sich nicht nur auf Malen, Schreiben, Handwerken (die "schönen" Künste), sondern weitet sich auch auf unsere Lebensweise aus. Wie können wir möglichst "kreativ", möglichst "authentisch" leben? Reckwitz erzählt hier von der Idee des Kreativitätsdispositiv (das Dispositiv ganz im Foucault'schen Sinne) und entfaltet gewissermaßen eine Theorie über unsere heutige Gesellschaft, die von der Idee des Ästhetischen und des Neuen geprägt ist. Dass besonders der Begriff "ästhetisch" ziemlich ausgelutscht und durchdiskutiert ist, umgeht er genauso geschickt wie den Kulturbegriff. Seine Argumente sind geschickt formuliert und sinnig, treffen dabei genau den Kern des Selbstverwirklichungsproblem: In einer Welt, in der jeder kreativ und anders ist, wie kann ich noch kreativer und anders sein? Empfehlenswert für alle Kultur- und Geschichtsnerds, Leser, die kleine Anekdotenausflüge nicht scheuen und Kreative.
31. Okt.Oct 31, 2019
Die Erfindung der Kreativitätby Andreas ReckwitzSuhrkamp
