
War doch gut.
Es war sehr kurzweilig und doch durch die leichte und flüssige Sprache gut zu verstehen. Es war eine kleine Hommage an ihren Vater die ich wirklich sehr gelungen fand. Ich würde gerne mehr von ihr lesen!

War doch gut.
Es war sehr kurzweilig und doch durch die leichte und flüssige Sprache gut zu verstehen. Es war eine kleine Hommage an ihren Vater die ich wirklich sehr gelungen fand. Ich würde gerne mehr von ihr lesen!
„Ein schmaler Text über eine riesige Kluft“
Der Platz von Annie Ernaux ist ein dünnes Buch, das innerlich sehr groß ist. Sie schreibt über ihren Vater – einen einfachen, hart arbeitenden Mann aus der französischen Arbeiterklasse und darüber, wie ihr eigener Bildungsaufstieg sie Stück für Stück von ihm entfernt. Das Beeindruckende ist, wie nüchtern und gleichzeitig liebevoll sie erzählt: keine Sentimentalität, keine großen dramatischen Szenen, sondern kleine Alltagsbeobachtungen, Gesten, Sätze, Schweigen. Man spürt Scham, Zärtlichkeit, Stolz und Fremdheit gleichzeitig. Es ist ein Buch über Klassenschranken, Herkunft und den Schmerz, wenn man merkt: Ich gehöre weder ganz hier noch ganz dort hin. Kurz, leise, präzise – und genau deshalb sehr eindringlich.
Bleibt hängen.
Autobiografisch und doch allgemein
In der Welt von Annie Ernaux Vater bemühte man sich sehr bloß nicht aufzufallen. Immer schön angepasst und dem bürgerlichen Anstand entsprechen. Leicht zu lesen aber nicht sonderlich spannend.
Schöner Schreibstil und gut erläutert :)
Es liest sich sehr schön und die Gedankengänge sind gut zu verstehen.
So nüchtern. So schmerzhaft.
»Ich habe mich dem Willen der Welt, in der ich lebe, gefügt, einer Welt, die einen die Herkunft aus einfachen Verhältnissen vergessen machen will, als wäre sie ein Ausdruck schlechten Geschmacks.«
Sachlich und präzise erzählt Annie Ernaux in „Der Platz“ über das Leben ihres Vaters.
Ich hatte vor "Der Platz" und "Eine Frau" noch nie etwas von Annie Ernaux gelesen und ich weiß inzwischen überhaupt nicht mehr, weshalb eigentlich nicht. Ich muss zugeben, erst durch die Überreichung des Literaturnobelpreises 2022 wurde ich auf sie aufmerksam. Geradezu sträflich, muss ich sagen. Da ich die beiden biographischen Erzählungen sehr schlecht voneinander trennen kann, habe ich beschlossen, sie gemeinsam zu rezensieren. In den beiden Büchlein "Der Platz" und "Eine Frau" schreibt Ernaux über das Leben und den Tod ihres Vaters 1967 bzw. ihrer Mutter 1987. Erschienen ist das Buch über den Vater erst 1983, wohingegen sie ihr Buch über Leben und Tod ihrer Mutter relativ direkt nach deren Tod 1987 geschrieben hat und es dann auch zeitnah erschienen ist. Ich mochte die direkte, schnörkellose und geradezu emotionslose Erzählweise von Annie Ernaux. Ich weiß nicht, ob sie immer so schreibt (ihr aktuellstes Buch "Der junge Mann" liegt schon bereit), aber ich vermute, sie wollte eine gewisse Distanz wahren, um überhaupt über ihre Eltern schreiben zu können. Beide Eltern kamen aus sehr ärmlichen Verhältnissen, waren Zeit ihres Lebens bemüht, ihren gesellschaftlichen Status zu verbessern bzw. zu halten und der Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen. Der Vater, eigentlich aus einem bäuerlichen Niveau stammend, erwirbt irgendwann mit seiner Frau einen kleinen Dorfladen, der der Familie dann zwar keinen Wohlstand aber zumindest gewisse Annehmlichkeiten ermöglicht. Der Vater verzichtete auf jeglichen Luxus, trank z.B. auch nicht, er wollte "seinen Platz" halten, ein Hinweis auf den Titel des Buches, dies wird auch an anderen Stellen in den beiden Büchern erwähnt. Der Vater will seinen Platz halten Der Tochter gelingt der gesellschaftliche Aufstieg dann auch tatsächlich, muss sich allerdings in diesem Zusammenhang ein Stück weit von ihren Eltern distanzieren. Auf dem Einband von "Der Platz" wird dies - für mich nicht ganz nachvollziehbar - als "Verrat der Tochter an ihren Eltern" bezeichnet. Für die Tochter war es immer schwierig, mit den Eltern (vor allem mit dem Vater) z.B. über die Schule oder später über das Studium zu reden. Der Vater konnte mit ihrem Bildungsniveau nichts anfangen (oder er wollte einfach nicht?), hatte immer wieder Bemerkungen für sie übrig ("Du denkst wohl, du bist etwas besseres"), etwas, womit sich viele Kinder mit einem anderen Bildungsniveau als das ihrer Eltern herumschlagen müssen. Auch ich kann mich an einige Auseinandersetzung diesbezüglich mit meinem Vater erinnern, die mich als Kind bzw. Teenager sehr belastet haben. Die Mutter hingegen, war sogar sehr interessiert an Annies Schulbildung, sie wollte gemeinsam mit ihr Lesen und gewöhnte sich bestimmte Begriffe der Tochter an. Bildung war für die Mutter gleichbedeutend mit gesellschaftlichem Aufstieg. Beide Bücher sind sehr schön zu lesen, wenn man sich auf den Schreibstil von Annie Ernaux einlassen kann, ganz wichtig finde ich auch noch, dass beide biographische Erzählungen unbedingt zusammen gehören. Absolute Leseempfehlung meinerseits.
Annie Ernaux, wie immer grandios! Ein literarisches Meisterwerk!

Instagram: lesen_mit_jonas Annie Ernaux - ,,Der Platz" Annie Ernaux - ,,Der Platz" Nach dem Tod ihres Vaters will ,,Ernaux" einen Roman über ihren diesen schreiben. Schnell begreift sie, dass das nicht gelingen wird. So erzählt sie in sachlichem Ton, das Leben ihres Vaters nach. Geboren ist er 1899 in Frankreich. Er kommt aus der unteren Arbeiterschicht. Zwei Kriege musste er miterleben. Schulbildung hat er nur wenig erhalten. Schnell muss er als Bauer arbeiten, wie es sein Vater bereits tut. Einige weitere schwere Jobs soll er im Laufe seines Lebens noch ausführen. Sein großer Traum ist der gesellschaftliche Aufstieg. Dieser soll ihm auch gelingen. Mit seiner Frau, die er bei der Arbeit kennenlernt, kauft er sich eine Kneipe zusammen mit einem Laden für Lebensmittel und einigen Bauernhäusern, die er nach und nach ausbaut. Da die Innenstädte häufig noch vom Krieg zerstört sind, wird das Lebensmittelgeschäft und die Kneipe häufig und gerne genutzt. Nach dem Wiederaufbau der Städte mit neuen Geschäften beginnen die eigenen Geschäftigen weniger Umsatz zu machen. Aber den Aufstieg hat er bis zu seinem Lebensende verfolgt und das Ziel nie aus den Augen verloren. In dieser Zeit wächst ,,Annie Ernaux" auf. Ihr Verhältnis zum Vater ist häufig durch Distanz und Unverständnis geprägt. Er wünscht ihr natürlich ebenso den sozialen Aufstieg. Als ihr dieser gelingt und sie immer höhere Bildung genießt und schließlich Lehrerin wird, zeigt er doch etwas Unverständnis und entfernt sich emotional von seiner Tochter. Trotzdem blickt ,,Ernaux" auch auf einen liebevollen Vater zurück, der durchaus auch Stolz auf seine Tochter ist, zum Beispiel als sie ihren Verlobten vorstellt. Die Kindheit war durchzogen von Ausflügen und Albernheiten, für die sich ihr Papa nicht zu schade war. Er erkennt allerdings, wie sich seine Tochter durch Bildung und Fleiß in eine andere soziale Schicht gekämpft hat. Damit umzugehen, viel ihm zeit seines Lebens offenbar schwer. Er ist im Jahr 1967 verstorben. ,,Ernaux" schreibt hier bewusst sehr sachlich, um nichts zu beschönigen oder ins Positive zu verklären. Dieser Stil gefällt mir persönlich ziemlich gut. So kennt man es auch aus anderen Romanen von ihr, wie zum Beispiel aus ,,Die Jahre". Ein wirklich interessantes Buch. Absolut keine kitschige Erinnerungsprosa, was man durchaus hätte erwarten können. Es ist eher ein spannender Rückblick auf ein ereignisreiches und spannendes Leben, mit vielen Höhen und Tiefen. Nüchtern und ohne große Umschweife auf 95 Seiten erzählt. Übersetzung: Sonja Fink
Schnell gelesen, schnell vergessen
Annie Ernaux rekapituliert nach dem Tod ihres Vater dessen Leben und ihre Beziehung zu ihm. Ihr Vater war ein Arbeiter vom Land, der stets alles gegeben hat, dass es seiner Familie an „nichts“ fehlt, der seiner Tochter stets gewünscht hat, dass sie es mal besser haben solle als er. Als sie dann über die schulische Bildung einen intellektuellen, akademischen Weg, fernab von „ehrlicher Maloche“, einschlägt, sind sie plötzlich Welten voneinander entfernt. Diese familiäre Spaltung bzw. Divergenz aufgrund unterschiedlicher Biografischer Prägung ist ein wichtiges, universelles Sujet. Annie Ernaux blickt so vielfältig auf ihren Vater zurück einerseits liebend, andererseits aber auch distanziert und anklagend. Die Authentizität dieser familiären Darstellung ist der Pluspunkt des Buches. ABER: 20€ für knapp 100 Seiten, auf denen in elliptischem, fast schon stichpunktartigen Stil ohne jeden emotionalen Schlenker ein familiäres Leben referiert wird… So schnell gelesen, so schnell werde ich es wieder vergessen. Dieses Buch hat für mich das Potenzial eines wichtigen Themas liegen lassen. Ich habe verstanden, was Annie Ernaux fühlt, gefühlt habe ich es aber nicht.
Eine sehr sachliche und autobiographische Beschreibung über den Vater der Autorin. Ein präziser und vollkommen schnörkelloser Text einer Nobelpreisträgerin, die in „Der Platz“ mit einer neuen „Schreibe“ experimentiert, die es kaum vermag, eine innerliche emotionale Bindung zum Geschehen herzustellen. Hier lässt sich hauptsächlich etwas in Erfahrung bringen, Gefühle erschließen sich, wenn, nur auf Verstandesebene. Wer mitgerissen werden möchte und Gefühle auch fühlen will, ist mit diesem Büchlein nicht gut beraten.
Kurzweilig, persönlich, tiefgründig.
In diesem Buch beschreibt Ernaux die Beziehung zu ihrem Vater welche von der frühen Kindheit bis zum erwachsenen Alter dargestellt wird. Durchaus können bei nicht einmal 100 Seiten nicht alles erzählt werden. Spannend zu sehen ist wie sie die Gesellschaftlichen Unterschiede zwischen ihr und den Eltern widerspiegelt. Themen wie Krieg, Neubeginn, verschiedene Gesellschaftliche Abdrücke werden Thematisiert. Es ist ein sehr intimer Einblick in ihre Gedanken und dem Verhältnis zu ihrer Familie leider etwas kurzweilig aber alles in allem ein gelungenes Büchlein.

Erinnerungen an ein Leben
Annie Ernaux reflektiert anlässlich des Todes ihres Vaters dessen Leben und, damit in direkter Beziehung, ihre eigene Kindheit und Jugend in der Normandie und ihre Befreiung aus dem Milieu der Arbeiterschaft ins Bürgertum. Sprachlich messerscharf kreiert die Nobelpreisträgerin des Jahres 2022 so ein autofiktionales Essay, das einen tiefen Einblick in ihre Gefühle und ihr Denken eröffnet.
In dem autobiografischen Buch nähert sich die Autorin ihrem 1967 verstorbenen Vater. In meist kurzen Sequenzen beschreibt sie eher nüchtern was sie verband, vor allem aber auch was sie trennte. Beim Lesen fühlte ich mich an eine Schreibdatei erinnert, die ich vor drei Jahren nach dem Tod meines Vaters erstellte und in der ich im Rahmen meiner Trauerarbeit alle Erinnerungen in der Reihenfolge sammelte, wie sie mir in den Sinn kamen, um sie nicht irgendwann auch noch zu verlieren. Auch Annie Ernaux schildert die Erinnerungen an ihren Vater nicht in chronologischer Reihenfolge, doch was bei mir ganz privat und verletzlich bleibt, ist bei der Autorin distanziert. Die Abwesenheit von Gefühlsduselei lässt es dabei zu, dass beim Lesen genug Raum bleibt um sich als Tochter an die eigene Geschichte mit dem Vater zu erinnern, Ähnlichkeiten oder Gegensätze zu der im Buch zu entdecken, die vielleicht gesellschaftlichen Ursprungs sind, oder sich ganz andere Begebenheiten aus der Vergangenheit zu vergegenwärtigen. Die Sprache ist knapp und erzeugt doch Bilder im Kopf des Lesers. Es geht auf den knapp 95 Seiten um Herkunft, Aufstieg in der Gesellschaft, aber auch um Nähe und Distanz, bis hin zur Entfremdung. Annie Ernaux stellt ihren Vater dabei weder auf ein glorifizierendes Podest, noch stellt sie ihn bloß. So erhält man beim Lesen einen sehr persönlichen Einblick in die Vater-Tochter-Beziehung ohne dabei den Eindruck zu haben, dass man die Privatsphäre verletzt. Fazit: Ich möchte mehr von Annie Ernaux lesen.
if you know you know. trifft Unerträglich und fürchterlich dagegen dieser Kritikschnipsel auf der Buchrückseite: "'Der Platz' zeichnet bei aller genauen, harten Beobachtung zärtlich das Porträt eines Typus und einer Schicht, denen die Autorin in deren verzweifelter Stimmlosigkeit eine literarische Stimme verleiht. Leise und wunderbar." - Barbara Vinken, Die Literarische Welt