Das Dorf in mir … .
Norbert Gstreins Einer hat mich auf eine stille, fast schmerzlich vertraute Weise berührt. Die Geschichte aus dem höchsten Bergdorf Österreichs zeigt, wie schwer es damals wie heute bleibt, in einer kleinen, eng verwobenen Gemeinschaft anders zu sein. Beim Lesen musste ich immer wieder an den Satz denken: „Man kann den Baum aus dem Dorf holen, aber das Dorf aus dem Bauern nicht.“ Genau dieses Gefühl trägt der Roman in sich – die Herkunft, die man nie ganz abstreifen kann, selbst wenn man sich innerlich längst entfernt hat. Gstrein beschreibt diese Spannung mit einer ruhigen, klaren Sprache, die nicht anklagt, sondern beobachtet. Für mich war es eine sehr persönliche Lektüre, weil sie das leise Ringen zwischen Zugehörigkeit und Eigenständigkeit so treffend einfängt.
