Ein kluger und nachdenklicher Text, der die im Titel aufscheinende Fragestellung in viele Richtungen ausleuchtet.
Norbert Elias soll das letzte Wort haben: „Der Tod ist nichts Schreckliches. Man fällt ins Träumen, und die Welt verschwindet — wenn es gutgeht. Schrecklich können die Schmerzen der Sterbenden sein und der Verlust der Lebenden, wenn ein geliebter oder befreundeter Mensch stirbt. Schrecklich sind oft die kollektiven und individuellen Phantasien, die den Tod umgeben. Sie zu entgiften, ihnen die einfache Realität des endlichen Lebens gegenüberzustellen, ist eine Aufgabe, die noch vor uns liegt. Schrecklich ist es, wenn Menschen jung sterben müssen, ehe sie ihrem Leben einen Sinn geben und von den Freuden des Lebens kosten konnten. Schrecklich ist es auch, wenn Männer, Frauen und Kinder hungernd durch ein leeres Land ziehen, wo der Tod keine Eile hat. Es gibt in der Tat viele Schrecken, die das Sterben umgeben. Was Menschen tun können, um Menschen ein leichtes und friedliches Sterben zu ermöglichen, bleibt noch herauszufinden. Die Freundschaft der Überlebenden, das Gefühl der Sterbenden, daß sie ihnen nicht peinlich sind, gehört sicher dazu. Auch die soziale Verdrängung, der Schleier des Unbehagens, der in unsern Tagen häufig die ganze Lebenssphäre des Sterbens umgibt, ist wenig hilfreich für Menschen. Vielleicht sollte man doch offener und klarer über den Tod sprechen, seiesauch dadurch, daß man aufhört, ihn als Geheimnis hinzustellen. Der Tod verbirgt kein Geheimnis. Er öffnet keine Tür. Er ist das Ende eines Menschen. Was von ihm überlebt, ist das, was er anderen Menschen gegeben hat, was in ihrer Erinnerung bleibt. Das Ethos des »homo clausus«, des sich allein fühlenden Menschen, wird schnell hinfällig, wenn man das Sterben nicht mehr verdrängt, wenn man es als einen integralen Bestandteil des Lebens in das Bild von den Menschen mit einbezieht. Wenn die Menschheit untergeht, wird alles, was je ein Mensch getan, alles, wofür Menschen je miteinander gekämpft haben, werden auch alle weltlichen oder übermenschlichen Glaubenssysteme sinnlos.“
