19. Mai
Rating:4

»Nirgendwo ist man in Sicherheit. Du bist paranoid. Nein, du bist nicht paranoid, du kennst die Zahlen, das ist schlimmer.« Im Großen und Ganzen wird hier eindeutig: Reue empfinden diese Männer nicht. Und wenn, bereuen sie es nur, erwischt worden zu sein. Als normale Person weiß man ganz intrinsisch: Es ist falsch, Tiere zu quälen oder jemanden zu töten oder grundsätzlich jemandem Schmerzen zu bereiten. Der Schmerz einer anderen Person löst bei mir Schmerz aus. Diese ganz grundlegende Empathie (die Soziopathen häufig gänzlich fehlt) ist meiner Meinung nach nichts, was man jemandem beibringen kann, egal wie aufgeklärt Eltern und Bildungssystem sein mögen, selbst in einer utopischen Welt. Fakt ist: Etwas stimmt mit einem nicht unbedeutenden Teil der männlichen Bevölkerung nicht und darauf können wir kaum Einfluss nehmen. Dafür gibt es im Buch auch keine Lösung, ehrlich gesagt - vielleicht, wahrscheinlich gibt es grundsätzlich keine andere Lösung dafür, als solche Männer gänzlich auszusortieren. Manon Garcia macht vieles richtig in diesem Buch, aber mir haben nicht alle ihrer Takes gefallen. An erster Stelle war ich sehr enttäuscht darüber, dass hier nicht darüber geschrieben wurde, dass Pornographie zu Gewalt führen kann, dass Prostitution ebenfalls nichts anderes als Vergewaltigung ist, ja dass grundsätzlich käuflicher Konsens nicht existieren kann, ohne dass man dem Körper einen festgelegten Wert zuschreibt. Das ist für mich ein wirklich wichtiger und zentraler Aspekt des Prozesses, wenn man bedenkt, dass die Taten von Dominique Pelicot durch die Videoaufnahmen ans Licht kamen. Die Einordnung von Pornographie und Prostitution in einer hierarchischen Gesellschaftsstruktur wäre eigentlich ein MUSS gewesen. Stattdessen vertritt Frau Garcia scheinbar die Ansicht, Sexualität würde dadurch zu restriktiv… Weitere Kritikpunkte: - Am Ende stellt sich die versöhnliche Frage, wie man Männer trotz allem lieben kann. Warum ist das überhaupt wichtig? Ich… will Männer überhaupt nicht lieben. Das Problem ist ein ganz anderes. Welche Veränderungen können denn herbeigeführt werden, auf gesellschaftlicher Ebene, rein theoretisch, um Männer sozial verträglich oder gar liebenswert zu machen? - Es wird diskutiert, welches Verständnis der Zustimmung die Angeklagten Männer hatten. Dieser Punkt ist für mich absolut irrelevant, es ist für mich keine Bildungsfrage (und wenn dann nur zweitrangig) sondern eine Frage der Moral und der Art und Weise, wie Frauen von diesen Männern gesehen werden - und zwar wie Tiere. Empathie kann man nicht herbeizaubern wenn sie nicht existiert. - Sie vergleicht den Prozess mit dem Eichmann Prozess und zieht Hannah Arendts Analysen heran. Für mich sind die Täter aber nicht, wie soll ich sagen, böse weil sie dumm sind und nicht denken, sondern für mich sind das echte Soziopathen, die keine Empathie kennen, keine Moral kennen, sich nicht im Unrecht sehen wollen oder können. Dies mit mangelnder Intelligenz zu verwechseln finde ich gefährlich und schlicht falsch. - Laut Autorin ist die Gesellschaft NICHT danach organisiert, dass Männer über Frauen herrschen, die gender roles wären an allem Schuld. Das sehe ich offensichtlich ganz anders, schließlich ergibt sich das Eine aus dem Anderen. Dennoch habe ich neue Denkanstöße und Informationen bekommen und empfinde das Buch als absolut lesenswert - vor allem für Männer.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
15. Mai
Rating:5

„Ich dachte, dass es zum Teil an uns ist, uns zu fragen, ob wir die Männer wirklich so lieben sollten, wie wir sie lieben, aber ich fange an zu denken, dass sie die Frauen ein wenig lieben sollten. Ein wenig, nur ein wenig. Dass sie uns ein wenig lieben, damit wir sie weiter lieben können.“

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
13. Mai
Rating:5

Das Buch hat mich vor allem durch seine Wucht und die Themen sehr schockiert und nachhaltig beschäftigt. Als Ergänzung zur Biografie von Gisèle Pelicot fand ich es sehr gelungen. Zwischendurch gibt es kleine Momente von Hoffnung, ohne die Realität zu beschönigen, was ich gut umgesetzt fand. Der neue Blickwinkel hat mich überzeugt und es arbeitet immer noch in mir nach.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
6. Mai
Rating:5

"Es ist der Prozess, der zeigt, dass Prozesse niemals ausreichen werden: Wenn es einem einzelnen Mann in einem kleinen Flecken wie Mazan gelingt, mindestens siebzig verschiedene Männer, die in einem Umkreis von weniger als 50 Kilometer wohnen, zu sich nach Hause zu holen (..), wie viele Männer gibt es dann in Frankreich, die bereit sind, eine bewusstlose Frau zu vergewaltigen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet?" Manon Garcia ist Professorin für Praktische Philosophie und hat bereits zwei Bücher geschrieben, in denen patriarchale Gewalt und Gendergerechtigkeit im Fokus stehen. In ihrem Buch “Mit Männern leben” analysiert sie den Gerichtsprozess des Pelicot-Falls philosophisch und gesellschaftskritisch. Dazu beobachtet Manon Garcia auch sich selbst während des Prozesses, z.B. ihr Unbehagen in Bezug auf die Angeklagten und deren Angehörige, ihren Frust, als sie mit männlichen Journalisten spricht, die sich selbst vom Prozess gar nicht berührt, gar nicht betroffen fühlten. Kritisch stellt sie die Frage, was der Prozess tatsächlich verändert hat - welchen Einfluss haben die vergebenen Strafen, wenn die meisten Männer so schnell Ausreden und Entschuldigungen für ihr eigenes Handeln gefunden haben? Was ist nötig, damit Männer tatsächlich aufhören, Frauen zu vergewaltigen? Die Folgefrage daraus: ist es für uns Frauen weiterhin möglich, mit Männern zu leben? Zu welchem Preis? Garcia zieht immer wieder eine Verbindung zu Hannah Arendts “Eichmann in Jerusalem”, da die dort festgestellt Banalität des Bösen auch auf die Täter im Pelicot-Prozess zutrifft - es geht weder darum, dass alle Täter Monster sind, noch, dass Dominique Pelicot als einzelnes Monster alle anderen Täter gezwungen hat - nein, die Entscheidung, die bewusstlose Gisèle Pelicot zu vergewaltigen, hat jeder dieser Täter selbst getroffen, und jeder dieser Täter steht exemplarisch für unendlich viele andere Männer, die das gleiche tun würden, wenn sie die Gelegenheit dazu hätten. Ein weiteres Schwerpunkt-Thema des Buchs ist Inzest und damit verbunden Pädokriminalität, da dies im Prozess auch eine Rolle, wenn auch eine weniger beachtete gespielt hat. Garcia zeigt mit erschreckenden Zahlen auf, wie weit verbreitet inzestuöse Missbrauchsfälle sind, auch unter den Mitangeklagten, und welche Faktoren dazu führen, dass es den Tätern besonders leicht gemacht wird. “Mit Männern leben” ist ein unfassbar starkes Buch, das mich extrem aufgerieben hat. Wir sagen so oft, dass “alle dieses Buch lesen sollten” - hier stimmt es auf jeden Fall, denn es betrifft uns alle als Teil einer Gesellschaft, in der solche Taten passieren - und zwar immer wieder. Ein Buch, das insbesondere Männer nicht ignorieren können, wenn sie auch nur den Hauch eines Interesses daran haben, die Betroffenheit der Frauen über diesen Prozess zu verstehen. Zum Abschluss noch das vermutlich stärkste Zitat aus dem Buch: “Nein, du bist nicht paranoid, du kennst die Zahlen, das ist schlimmer.” Übersetzt von Andrea Hemminger. CN: Verg3waltigung, Gaslighting, Kindesm1ssbrauch

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
26. Apr.
Rating:5

Sind Frauen zu paranoid? Ganz klar NEIN

Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven. Ich musste es selbst in mehreren Etappen lesen und immer wieder bei Seite legen weil ich erschüttert war. Jeder der sich bereits mit dem Thema Feminismus und auch mit Kriminalität auseinander gesetzt hat, kennt diese Fakten und weis das es keine Einzeltaten sind. Es ist kein Buch gegen Männer! Die Autorin stellt sich immer wieder die Frage: „könnten alle Männer so sein?“. Sehr interessant sind die verschiedenen Einbezüge von dem Strafrecht in Frankreich, das Thema Maskulinität und ganz besonders toll fand ich das man richtig nachempfinden konnte wie die Autorin sich gefühlt hat.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
23. Apr.
Rating:5

Dieses Buch ist unglaublich!

Auch wenn man sich für gut informiert hält über den Pelicoat-Prozess, bringt dieses Buch nochmal viel Neues auf. Es hat an einer Stelle zentral mein Denken über Sexualität und Gewalt verändert. Also auf einer soziologischen Ebene. Dieses Buch ist so bewegend und macht unglaublich betroffen, ohne dabei auf eine Gefühligkeit zu setzen. Am Patriarcht ist so vieles schlimm, aber was hier aufgezeigt wird, ist das absolut schlimmste. Jeder sollte dieses Buch lesen.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
21. Apr.
Rating:4

Das war heftig. Keine leichte Lektüre - sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Es würden so viele gute Argumentationen und erschütterne Einblicke zum Pelicot-Prozess gegeben. Auch wenn ich es nicht immer sprachlich so leicht zugänglich fand, finde ich das Buch sehr wichtig und habe vieles gelernt. Zurück bleibt ein Gefühl von Ernüchterung und der Frage, wieso sich nicht endlich etwas ändert?

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
18. Apr.
Rating:4.5

Bitte lest dieses Buch!

Dies ist kein Buch, dass zum „Männerhass“ aufruft und so hoffe ich, dass auch gerade Männer dieses Buch lesen. Es lässt einen erschüttert und betroffen zurück - ich konnte es kaum aus der Hand legen. Die Autorin bettet den Pelicot-Prozess sehr spannend in Forschung und Lebensrealität aller ein. Dabei ist ihre Sprache allerdings sehr von Fachbegriffen gespickt und etwas zu akademisch, um die breite Masse anzusprechen, obwohl dies in jedem Fall notwendig wäre.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
12. Apr.
Rating:5

Beeindruckend - im Positiven, wie im Negativen

Der Inhalt wird mich noch eine Weile beschäftigen und ich denke, das eine oder andere Kapitel werde ich nochmal lesen. Ich finde das Buch sehr gut aufgebaut und verständlich geschrieben, obwohl es so gut wissenschaftlich untermauert ist. Große Empfehlung für alle, die tiefer eintauchen wollen.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
11. Apr.
Rating:5

Erschreckend und erschütternd

Ich glaube die allermeisten können sich schon aufgrund des Themas über den vielleicht bekanntesten Prozess der letzten Jahre vorstellen wieso dieses Buch niederschmetternd war. Trotz allem war die Mischung aus Erzählung im Bewusstseinsstrom gemischt mit Zitaten aus der Philosophie und harten Fakten aus der Wissenschaft fesselnd. Ich halte dieses Buch für Pflichtlektüre, auch wenn es kein einfaches Thema ist.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
7. Apr.
Rating:5

Erschütternd!

Dieses Buch muss gut dosiert gelesen werden, da jeder Satz von Manon Garcia auf den Punkt ist und viel beinhaltet. Die Autorin dokumentiert den Prozess über den sexuellen Missbrauch an Madame Gisèle Pelicot durch ihren Ehemann und über 50 weiteren Männern und analysiert diesen aus einer philosophischer Betrachtung. Sie geht zum Beispiele u.a. auf den Begriff der Zustimmung ein und wirft die Frage auf, was diese unauffällig wirkenden Männer dazu getrieben hat, so abscheuliche Taten zu begehen. Dabei blickt sie auf das Patriarchat und die Vorstellungen von Männlichkeit. Sie schildert den Prozessablauf, der unter großem öffentlichen Interesse verfolgt wurde, erläutert das französische Rechtssystem und die Rechtsprechung im Strafprozess sowie dessen Hürden und Grenzen. Dieser tiefe Einblick in den Missbrauchsprozess sprengt manchmal die Grenze des Vorstellbaren. Hier tun sich menschliche Abgründe auf. Ich bin angewidert und frage mich ebenso wie die  Autorin "Kann das jedem passieren?". Die Zahlen sprechen leider Bände. Das Buch zeigt außerdem auf, dass die Gesellschaft ein größeres Bewusstsein für den Umgang mit Opfern braucht, denen oft nicht geglaubt wird, bei denen perfide eine Täter-Opfer-Umkehr begangen wird oder die stigmatisiert werden und darum oft aus Scham die Vergewaltigung nicht zur Anzeige bringen. Außerdem wirft der Fall Pelicot erneut die Frage auf, wie die Gesellschaft insgesamt mit Frauen umgeht und wie Männer in einer patriachalen Welt zu Frauen stehen, wenn sie glauben, ein Recht auf ihre Körper zu haben. Wie gehen wir mit solchen Männern um und was tun die Männer, die auf unserer Seite stehen? Ein sehr lesenswertes Buch mit interessanten Gedanken der Autorin. Erschütternd und wichtig zugleich.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
23. März
Rating:5

Soo gut (und grauenhaft)! Manon Garcia ist so klug und analysiert die Strukturen so präzise und fässt ihre Erkenntnisse immer wieder in so prägnanten Sätzen zusammen, dass ich mehrmals mindblown war. Obwohl ich behaupten würde, mich schon recht intensiv mit den Thematiken beschäftigt zu haben, habe ich vieles gelernt. Ich fand vor allem die juristische/rechtliche Betrachtung spannend, mit der ich normalerweise nicht in Kontakt komme. Es fühlt sich fast merkwürdig an, begeistert von einem Buch zu sein, das so schreckliche Inhalte verhandelt, aber ich finde die Autorin hat gute Worte gefunden und es bleibt nunmal sehr wichtig, immer wieder die Stimme zu erheben. Ich kann nur hoffen, Männer würden dieses Buch lesen, das wäre vielleicht ein Anfang.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
20. März
Rating:5

Spiegelt mehr Wahrheit wieder als manch einer zu Glauben vermag

„Mit Männern leben“ ist ein kluges, eindringliches und sehr wichtiges Buch. Manon Garcia schafft es, philosophische Theorie mit realen gesellschaftlichen Ereignissen zu verbinden und dadurch deutlich zu machen, wie tief Machtstrukturen zwischen Männern und Frauen noch immer wirken. Besonders die Auseinandersetzung mit Fällen wie dem von Dominique Pelicot zeigt, warum es so wichtig ist, Gewalt nicht zu verschweigen oder still zu ertragen. Das Buch macht deutlich, dass Betroffene nicht die Last der Scham tragen sollten. Das Beispiel von Gisèle Pelicot zeigt vielmehr, wie wichtig es ist, solche Verbrechen sichtbar zu machen und die Verantwortung dorthin zu verschieben, wo sie hingehört: zu den Tätern. Ein sehr starkes, aufrüttelndes und hochrelevantes Buch, das zum Nachdenken zwingt und lange nachwirkt.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
15. März
Rating:5

Ich hab verhältnismäßig lange gebraucht, um dieses Buch zu lesen, weil mir alle paar Seiten wirklich schlecht wurde. Etwas demotivierend (aber auch motivierend im weiteren Kampf gegen das Patriarchat) lässt es sich mit folgendem Zitat zusammenfassen: „Kein Strafwesen wird umfassend, mächtig und effizient genug sein, damit Männer aufhören zu vergewaltigen.“

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
14. März
Rating:5

"[I]ch fange an zu denken, dass sie [die Männer] die Frauen ein wenig lieben sollten. Ein wenig, nur ein wenig. Dass sie uns ein wenig lieben, damit wir sie weiter lieben können." - Manon Garcia

Überlegungen / Essays zum Pelicot-Prozess. Absolut empfehlenswert und m. E. eine gute Ergänzung zu Gisèle Pelicots "Eine Hymne an das Leben". Garcias Texte liefern Hintergründe und erschreckende Zahlen. Aber auch philosophische Betrachtungen, eine feministische Sichtweise und die Wut, die ich in Gisèle Pelicots Buch etwas vermisst hatte. [Was keine Kritik an Gisèle Pelicot sein soll - jeder geht anders mit Trauma um und damit wie viel man teilt]. Die Zahlen sind wirklich schrecklich, aber nötig. Garcia wirft z. B. die Frage auf, wie viele Männer in Frankreich denn bereit sind eine bewusstlose Frau zu vergewaltigen, wenn sich dazu die Gelegenheit bietet, da die mind. 70 verschiedenen Männer, die Gisèle Pelicot vergewaltigt haben, alle in einem Umkreis von 50 Kilometern [!!!!] zu ihr wohnten. Solche Fakten machen fast sprachlos. Garcia erläutert auch Hintergründe über das französische Recht, z. B. warum Consent (zum Glück) in den Gerichtsverhandlungen eine so zentrale Rolle spielte, obwohl die Nicht-Zustimmung des Opfers in der Definition von Vergewaltigung im entsprechenden Artikel des französischen Strafgesetzbuches nicht explizit genannt wird. Fand ich sehr spannend. Insgesamt betrachtet Garcia hier sehr viele Aspekte und Facetten des Prozesses und unserer Gesellschaft und denkt vieles tiefer. Eine klare Empfehlung, aber definitiv schwere Kost.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
12. März
Rating:4.5

Hm. Das ist hier ein sehr subjektiver Review. Ich bin ein grosser Fan von Manon Garcia - Ihr erstes Buch, “On ne naît pas soumise, on le devient” war das erste Philosophiebuch, das ich gelesen habe und es hat damals meinen Blick auf die Welt geschärft - Ich fand ihre Analysen und Begründungen absolut wasserdicht ( und habe dadurch die Philosophie als Werkzeug, die Welt zu verstehen, entdeckt. Ich dachte eigentlich, ich müsste Vivre avec les hommes nicht lesen, da ich einige Podcasts von ihr zu dem Thema gehört hatte und dachte ich weiss Bescheid, aber nachdem die Epstein Files jetzt so in den Medien sind und das Buch auf Bookstagram dauernd aufgetaucht ist, habe ich mir es dann doch geholt. In “mit Männern leben” sagt Manon Garcia auch selbst, sie hätte sich erlaubt, ein “livre non purement philosophique” zu schreiben und ich kann 100% verstehen, dass man, wenn man sich so einen Horror wie den Pelicot-Prozess angeschaut hat, auch seine persönlichen Gedanken und seine Ratlosigkeit niederschreiben zu wollen - aber das hat mich auch beim Lesen deprimiert - wie schlimm muss die Erfahrung gewesen sein, wenn selbst Manon Garcia nicht die Fäden zusammenführen kann? Ich glaube, das ging vielen anderen Leser:innen auch so. Nichtsdestotrotz sind in dem Buch auch viele neue Denkanstösse drin - zum Beispiel das “Cultural scaffolding of rape” habe ich jetzt endlich verstanden…. Nunja… Es bleibt zu hoffen, dass sich das düstere politische und soziale Klima irgendwann wieder zum besseren wendet und vielleicht hat Manon Garcia ja dann mit ein paar Jahren Abstand die Muse, noch ein “livre purement philosophique” über das Thema zu schreiben…

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
9. März
Rating:5

Ein so wichtiges Buch 📕

Zugegeben, ich hatte etwas Angst davor, dieses Buch zu lesen. Machte mir doch dieses abscheuliche Verbrechen, das Grundlage dieses Buches ist, eine Heidenangst. Und dann stellt die Autorin auch noch die vernichtende Frage: Wie können wir mit Männern überhaupt zusammenleben angesichts der allgegenwärtigen Gewalt von Männern gegenüber Frauen. Meine Befürchtungen haben sich in Teilen nicht bewahrheitet. Es ist trotz des schweren Themas ein lesbares Buch. Die Autorin wirft anhand des Prozesses im Fall Pelicot grundlegende gesellschaftliche Fragen auf und gibt zum Glück keinen voyeuristischen Blick auf das Verbrechen. Dennoch ist das Buch an vielen Stellen kaum zu ertragen und du solltest es echt nur lesen, wenn du mental gut drauf bist. Ebenso eignet es sich nicht als schnelle „Zwischendurch-Lektüre“. Der philosophische Ansatz schlägt sich in einem teils eher anspruchsvollen Schreibstil nieder. Nimm dir also Zeit. Die Autorin bietet letztlich keine Lösung auf ihre eigene Frage, aber ihren Lösungsansatz finde ich gut: Männer sollten anfangen, Frauen ein bisschen mehr zu lieben, damit die Gewalt abnimmt.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
5. März
Rating:5

"Ich dachte, dass es zum Teil an uns ist, uns zu fragen, ob wir Männer wirklich so lieben sollten, wie wir sie lieben, aber ich fange an zu denken, dass sie die Frauen ein wenig lieben sollten. Ein wenig, nur ein wenig. Dass sie uns ein wenig lieben, damit wir sie weiter lieben können." Bitte lesen! Eine ganz große Empfehlung und ich glaube dass es auch für Männer echt interessant sein könnte.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
2. März
Rating:5

Erschütternd Und unversöhnlich. Sachlich und dabei menschlich. Ich kann niemandem eine Empfehlung aussprechen, weil nachdem man das Buch gelesen hat, stimmt das Rückseitenzitat umso mehr: "Du bist nicht paranoid. Du kennst die Zahlen. Das ist schlimmer."

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
29. Jan.
Rating:5

Als männlicher Leser und damit als Teil einer unfreiwilligen Komplizenschaft mit Dominique Pelicot und allen anderen im Buch genannten Täter hinterlässt das Buch eine bittere Klarheit darüber, was wir qua Privileg eigentlich anrichten (können) und wie sehr uns Gesellschaft, Justiz und Staat das auch noch verzeihen. Gerade deswegen eine absolute Leseempfehlung.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
24. Jan.
Rating:5

Ganz harte Kost, aber ganz, ganz wichtig zu lesen!

Die Thematik setze ich als bekannt voraus und eine Trigger-Warnung ist angesichts dessen natürlich dringend zu beachten. Ich empfehle dieses Buch in Gemeinschaft zu lesen, in einem möglichst geschütztem Rahmen. Um das Gelesene zu verarbeiten, zu begreifen und im Austausch der gegenseitigen Verbundenheit gewiss zu sein. Garcia Manon stellt die Frage: Wie kann man angesichts der von Männern praktizierten systematischen Entmenschlichung von Frauen* weiterhin mit Männern leben? Wie sie lieben? Angesichts der Tatsache, dass Frauen* sich jederzeit als vergewaltigbar wissen und wahrnehmen. Ich habe das Buch gelesen und nach und nach durchgearbeitet. Dafür braucht es Zeit und abgesehen von dem Austausch, den Willen, sich mit den Erkenntnissen die Garcia Manon aus dem „Fall Pelicot“ gezogen hat, auseinanderzusetzen. Denn es ist ein naiver Trugschluss zu denken, dass es sich um eine Ausnahme, einen außergewöhnlich schrecklichen Fall von Vergewaltigung handelt. Im Gegenteil: Unsere Strukturen, Denkmuster und Männlichkeitsbilder ermöglichen solche Fälle geradezu. Es betrifft uns ausnahmslos alle und wir, Männer und Frauen* müssen gemeinsam dagegen vorgehen. Frauen* = alle die sich selbst als Frau definieren, sowie alle ebenfalls strukturell benachteiligten und sexualisierter Gewalt ausgesetzten Menschen jeglichen Geschlechts.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
22. Jan.
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Rating:3

Mit Männern leben von Manon Garcia ist ein Buch, das mich mit einer tiefen Beklemmung zurückgelassen hat. Die Philosophin nimmt den grausamen Pelicot-Prozess zum Anlass, um über die Abgründe männlicher Gewalt und die erschreckende „Normalität“ der Täter nachzudenken. Es ist kein Buch, das man mal eben wegliest; es ist eine knallharte Analyse einer Gesellschaft, in der über 80 Männer - Väter, Ehemänner, ganz normale Nachbarn - bereit waren, an einem Verbrechen teilzunehmen, ohne ihre eigene Schuld überhaupt zu erkennen. Garcia stellt die schmerzhafte Frage, wie wir nach solchen Enthüllungen überhaupt noch ein vertrauensvolles Miteinander zwischen den Geschlechtern führen können. Was mich an dem Text beeindruckt hat, ist Garcias Mut, die philosophische Brille (inspiriert von Hannah Arendts Banalität des Bösen) auf einen so aktuellen und rohen Fall anzuwenden. Sie zeigt präzise auf, wie tief patriarchale Denkmuster verankert sind, wenn Männer glauben, ein Ehemann könne über den Körper seiner Frau verfügen wie über eine Ware. Die Schilderungen des Prozesses in Avignon und ihre persönlichen Reflexionen dazu sind intensiv und ziehen einen in eine Spirale aus Wut und Fassungslosigkeit. Man merkt dem Buch an, dass es aus einer unmittelbaren Erschütterung heraus geschrieben wurde. Dass ich letztlich bei drei Sternen gelandet bin, liegt vor allem an der beinahe hoffnungslosen Schwere des Werks. Garcia seziert das „Trümmerfeld der männlichen Sexualität“ so gnadenlos, dass man sich als Leser am Ende fast schon gelähmt fühlt. Während die Analyse brillant ist, bleibt der Ausblick auf ein tatsächliches „Mit Männern leben“ sehr vage und hinterlässt mehr Fragen als Antworten. Für mich war die Lektüre zwar intellektuell wichtig, aber emotional so fordernd und stellenweise so pessimistisch, dass der Funke einer möglichen Veränderung oder Heilung kaum spürbar war. Es ist ein wichtiges Dokument unserer Zeit und ein notwendiger Weckruf, der uns alle in die Pflicht nimmt. Wer sich der harten Realität des Pelicot-Falls und seinen gesellschaftlichen Folgen stellen will, findet hier eine scharfsinnige Begleitung, muss aber auch die Kraft aufbringen, diese düstere Bestandsaufnahme auszuhalten. ★★★☆☆ (3 von 5 Sternen)

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
8. Jan.
Rating:5

„Ich dachte, dass es zum Teil an uns ist, uns zu fragen, ob wir die Männer wirklich so lieben sollten, wie wir sie lieben, aber ich fange an zu denken, dass sie die Frauen ein wenig lieben sollten. Ein wenig, nur ein wenig. Dass sie uns ein wenig lieben, damit wir sie weiter lieben können.“ Selten hat mich ein Buch so erschüttert und zum Nachdenken gebracht. Eine wichtige Einordnung des Prozesses, die sichtbar macht, dass das ganze eben nicht nur „ein schrecklicher Einzelfall“ ist.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
2. Jan.
Rating:5

Eine sehr lesenswerte Auseinandersetzung mit dem Pelicot-Prozess, verbunden mit der großen Frage inwieweit die Gesellschaft sexuelle Gewalt akzeptiert, fördert und milde straft gepaart mit eigenen Beobachtungen der Autorin aus ihrem Alltag.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
16. Dez.
Rating:5

Was wäre, wenn es die Männer wären, die Frauen nicht mögen?

Dieses Buch werde ich erstmal verarbeiten müssen. Trotzdem möchte ich es sehr empfehlen. Garcia ist es gelungen, auf menschliche und nicht voyeuristische Weise über einen Prozess zu schreiben, der das Potenzial hat vieles zu verändern. Auch wenn es brutal ist und weh tut über das Geschehene zu lesen, sind die Gedanken und Schlüsse, die sie macht, es wert, sich damit zu beschäftigen.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
10. Nov.
Rating:5

Ein eindrückliches Buch über den Prozess gegen die Vergewaltiger von Gisele Pelicot und die dahinterliegenden gesellschaftlichen, patriarchalen Strukturen und Denkmuster. Jemand von Suhrkamp hat es auf LinkedIn verschenkt, weil es ihm wichtig ist, dass dieses Buch gelesen wird. Ich kann ihm nur zustimmen Man kann gar nicht alles in Worte fassen, was dieses Buch so wichtig macht. Absolute Leseempfehlung!

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
1. Nov.
Rating:5

Wichtiges Buch

Auch wenn der Hintergrund des Buches unglaublich schwer und belastend ist, sollte meines Erachtens jeder sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Gewalt gegen Frauen ist einfach zu präsent, zu häufig um es zu ignorieren. Ich finde Manon Garcia schreibt auf eine sehr treffende und nicht zu aggressive Art. Sie erklärt, begründet stichhaltig sowie mit Herz und Empathie.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
19. Okt.
Rating:5

„Man muss die Männer sehr lieben. Sehr, sehr. Sehr lieben, um sie lieben zu können. Sonst ist es nicht möglich, sonst kann man sie nicht ertragen.“ Marguerite Duras, Das tägliche Leben „Kann das jedem passieren? Kann jeder Mann, der in den Augen seiner Frau als „netter Kerl“ gilt, sie vergewaltigen und online damit prahlen? Ich beobachte sie, die Männer, auf der Straße, in der U-Bahn. Der da, glaubst du, dass ihn tote Frauen anmachen? Und der? Nirgendwo ist man in Sicherheit. Du bist paranoid. Nein, du bist nicht paranoid, du kennst die Zahlen, das ist schlimmer.“ (S. 102) „Ich dachte, dass es zum Teil an uns ist, uns zu fragen, ob wir die Männer wirklich so lieben sollten, wie wir sie lieben, aber ich fange an zu denken, dass sie die Frauen ein wenig lieben sollten. Ein wenig, nur ein wenig. Dass sie uns ein wenig lieben, damit wir sie weiter lieben können.“ (S. 188) Wow, was für ein kluges Buch. Ich muss unbedingt mehr von Manon Garcia lesen.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
11. Okt.
Rating:5

Gutes Buch, krasses Buch, viele Fakten, viel Markiert. Gut geschrieben, war leicht es durchzulesen trotz der Thematik.

«[...] eines Tages sollte man den kollektiven Reflex hinterfragen, Frauen stets für die Verbrechen der Männer verantwortlich machen zu wollen." "[...] und das man aufhört, vergewaltigte Menschen als Personen zu betrachten, die befleckt sind und eigentlich doch mehr getan haben müssen, um die Befleckung zu vermeiden. " "Wie soll man sich lieben, wenn Männer den Prozess aus der Ferne verfolgen, wie ein unbedeutendes Ereignis, das sie nicht betrifft, und wenn Frauen darin Spuren ihres Alltags sehen?"

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp
8. Okt.
Rating:5

„Wie soll man sich lieben, wenn Männer den Prozess aus der Ferne verfolgen, wie ein unbedeutendes Ereignis, das sie nicht betrifft, und wenn Frauen darin Spuren ihres Alltags sehen?“

Dieses Buch lässt mich sprachlos, wütend, wachsam zurück. Ich möchte es allen heterosexuellen Männern in die Hand drücken, möchte sagen: das geht auch, ja vor allem, euch an. Wie der Untertitel schon sagt, dreht sich dieses Buch um den Pelicot Prozess, aber es geht auch um nichts geringeres als das Zusammenleben und den aufrichtigen Dialog zwischen Mann und Frau. Dominique Pelicot wurde 2024 in Avignon angeklagt. Der Familienvater und Großvater hat seine Frau Gisèle über 10 Jahre hinweg regelmäßig mithilfe chemischer Substanzen in einen komaähnlichen Schlaf versetzt, sie anschließend vergewaltigt oder fremden Männern zur Vergewaltigung angeboten und gefilmt. 50 sind angeklagt, alle weiteren konnten nicht identifiziert werden, sie verschwimmen in der Grauzone und wandern auf freiem Fuß durch Südfrankreich. Es ist beeindruckend, wie feinfühlig und scharfsinnig Autorin Manon Garcia es schafft, den richtigen Ton für diese dreimonatige Gerichtsverhandlung zu finden. Sie dokumentiert sachlich die juristischen Prozesse und zeigt sich dennoch empathisch gegenüber der Thematik, beweist, dass sich Emotion und Intellekt nicht ausklammern, dass sie sich sogar den Rücken stärken können. Es erscheint mir vielmehr unmöglich, über diesen Vorfall zu schreiben, der so sehr mit dem Privaten und Intimen verknüpft ist, ohne sich zugleich mitfühlend und verletzlich zu zeigen. Denn darüber hinaus wird „Mit Männern leben“ zu einer philosophischen Untersuchung einer patriarchalen Gesellschaft, die Geschichten wie diese erst möglich machen. Es seziert die Beziehung zwischen Mann und Frau auf sämtlichen Ebenen (nicht nur die Hetero-Paarbeziehung) und schaut genau hin, wo Unterwerfung und Objektifizierung sich im Wolfspelz der Sozialisierung einschleichen und so ein wertschätzendes, friedliches - im Sinne von ungefährliches - Miteinander auf Augenhöhe sabotieren.

Mit Männern leben
Mit Männern lebenby Manon GarciaSuhrkamp