Locker-flockige Geschichte mit ein paar Längen.
Jack (eigentlich Jakob) Rosenblum, seine Frau Sarah und ihre kleine Tochter Elizabeth flüchten Ende der dreißiger Jahre aus Deutschland nach England. Jacks höchstes Ziel ist: voll und ganz Engländer werden. Dazu nutzt er eine Liste typisch englischer Eigenschaften in einem Ratgeber, die er selbst um zahlreiche Punkte ergänzt. Ein Punkt auf der Liste: Mitglied in einem Golfclub werden. Doch er muss feststellen, dass das auch in England für einen Juden, zudem noch einem deutscher Herkunft, gar nicht einfach ist. Also muss ein eigener Golfplatz her. In einem Dorf in Dorset. Natasha Solomons ist es gelungen, in diesem schönen Roman ein Stück Zeitgeschichte und ein jüdisches Schicksal auf humorvolle Art mit der liebenswürdigen Geschichte einer Ehe zu verbinden. Jack merkt gar nicht, wie er mit seinem krampfhaften Anpassungswillen seiner Frau, die verzweifelt versucht, die Erinnerung an ihre von den Nazis ermordete Familie aufrechtzuerhalten, immer mehr ihrer Identität beraubt. Bis es zu einem dramatischen Ereignis kommt. Jack und Sarah treffen auf Vorurteile und Ablehnung, lassen sich jedoch nicht beirren und werden schließlich auch von den kauzigen Dorfbewohnern ins Herz geschlossen. Und auch eine Aussöhnung mit der Vergangenheit – und ebenso der Zukunft in dem neuen Land – ist möglich. Ich habe mir bei der Lektüre öfters gewünscht, ich hätte mir auch dieses Buch im Original besorgt, ich fürchte, dass da doch einiges an Humor abhanden gekommen ist, da auch die Sprachbarriere eine gewisse Rolle spielt. Ich muss gestehen, dass ich das Buch stellenweise doch etwas behäbig fand, aber die Geschichte ist wirklich schön und in Zeiten der Flüchtlingsdebatte hochaktuell, denn ein zentrales Motiv ist die Vereinbarung von Integration mit der Vermeidung des gleichzeitigen Verlusts der eigenen Geschichte und Identität.

