17. Mai
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Was, wenn einer seine Erinnerungen verliert, und sie gar nicht wiederhaben möchte?

Samson wird verwirrt in der Wüste gefunden, ein Tumor wird entfernt und mit ihm verschwanden alle Erinnerungen seit seinem zwölften Lebensjahr. An der Unfähigkeit und Unwilligkeit, all den Erwartungen seiner Frau, Freunden, Kollegen sich zu erinnern, zerbricht seine Ehe und er gibt sein bisheriges Leben auf. Seine inneren Konflikte, die Ratlosigkeit und die liebgewordene Leere in seinem Kopf versteht es die Autorin wunderbar einfühlsam nachvollziehbar zu machen. Der anschließende Plot, der in einem Zukunftslabor zur Hirnforschung folgt, scheint für mich irgendwie unpassend, auch in welcher Verwirrung das Ganze endet. Schade, zwei Teile, die nicht zusammenpassen. Die Innenansichten des ersten hätten für mich noch gern weitergeführt oder neu aufgefüllt werden dürfen. "Und irgendwo geschah es, dass ein anderer alles vergaß, was er einmal gewusst hatte, den Geist eines alten Lebens aufgab und eine neue Leere betrat. Ein Mann auf halber Strecke seines Lebens, der sein Buch umgedreht auf den Tisch legte, um eine Ecke ging und in die Zukunft verschwand. Und der Doktor hörte von diesem Mann. Als die Zeit reif war, rief er ihn an. Und der Mann, der alles vergessen hatte, sogar seine eigene Frau, kam zu ihm. Wissen war verführerisch und die Leere vergänglich. Er konnte nicht verhindern, dass sein Geist sich wieder füllte, wie eine draußen stehen gelassene Dose sich mit Regen füllt. Der Mann wollte wieder etwas wert sein, und so ergab er sich, und die übertragene Erinnerung drang in ihn ein und sprengte die Stille für immer. Dann öffnete der Mann die Augen, traumatisiert und verraten."

Kommt ein Mann ins Zimmer
Kommt ein Mann ins Zimmerby Nicole KraussROWOHLT Taschenbuch