
Man brauch schon etwas Geduld, aber wird mit einem starken Schlussteil belohnt.
Jonarhan Franzen - ,,Die 27ste Stadt" Übersetzung: Heinz Müller 1988 erschien dieser erste Roman von Franzen. Er spielt in St. Louis einer Stadt im Mittelwesten der USA. Die großen aufstrebenden Zeiten der Stadt liegen schon längst in der Vergangenheit. Eine neue junge Polizeichefin, namens S. Jammu aus Indien, soll frischen Wind in die Stadt bringen. Zunächst scheint sie der Stelle nicht gewachsen zu sein. Eine Reihe von Anschlägen und Gewalttaten erschüttern die Stadt. Auch Martin Probst ein bekannter Bauunternehmer, unter anderem für das berühmte Wahrzeichen ,,The Arch", der Stadt und Vorsitzender des städtischen Wachstumsvereins beobachtet die neuen Entwicklungen kritisch. Während seine Ehe mit seiner Frau Barbara bröckelt, und die Beziehung zu seiner Tochter angespannt ist, gehen auch die Meinungen über die neue Polizeichefin weit auseinander. Kritische und Positive Betrachtungen bestimmen die Debatten. Der Verein wird sich spalten, und über ein neues Gesetz abstimmen lassen. Freundschaften und Ehen werden darunter leiden müssen. Und auch Jammu hat ihre Finger bei der ganzen Sache im Spiel. Dies ist der dritte Roman, den ich vom Autor gelesen habe. Anfangs hatte ich wirklich große Schwierigkeiten in die Geschichte einzutauchen. Zahlreiche Personen und Handlungsstränge haben mich zunächst etwas überfordert. Zudem war mir nicht ganz klar, wohin die Geschichte mich führen möchte. In der zweiten Hälfte bzw. besonders im letzten Drittel ist dann ersichtlich, wer die wahren Hauptakteure sind, und worauf die Geschichte hinarbeiten möchte. Ein wichtiger Protagonist ist die Stadt selbst, über die wir einiges erfahren werden. Hier weiß ich dann die detaillierten Beschreibungen von Franzen zu schätzen. Was Franzen wie kein zweiter beherrscht, sind glaubwürdige und tiefgründige Figuren zu zeichnen. Zudem ist er ein starker Erzäher, wenn es um die Beschreibungen von Orten geht. Auch gesellschaftlich wichtige Themen bearbeitet er quasi nebenbei einfach mit. Kritisch sehe ich in diesem Roman die sehr langsam voranschreitetende Geschichte, die mich erst im letzten Drittel so richtig in den Bann ziehen konnte. Viele kleine Nebenschauplätze haben mich zwischenzeitlich das Buch zur Seite legen lassen. Zum Schluss konnte er einige, aber nicht alle Fäden zu einem runden Ende führen. Also in einigen Punkten waren mir die 670 Seiten dann doch einfach etwas zu lang. Aber irgendetwas gab es da immer, weshalb ich doch wieder zum Buch gegriffen habe, was doch sicher ein positives Zeichen ist. Also mit ein bisschen Geduld und Ausdauer kann man das Buch am Ende doch mit eher positiven Gedanken zuschlagen.
