Ein Meisterwerk! Wie Philip Roth mit Konventionen, Vorurteilen, (vorschnellen) Schlussfolgerungen und Erzählperspektiven spielt, sucht seinesgleichen. Ein halber Stern Abzug wegen einiger kleinerer Längen.
Das war nichts für die schnelle Unterhaltung, sondern literarisch wirklich anspruchsvoll, voller versteckter Bedeutungsebenen und mit einer Tiefe, die einen an vielen Stellen sprachlos und traurig zurücklässt. Im Zentrum steht Coleman Silk, ein angesehener Professor, dessen Karriere durch einen vermeintlichen Rassismus-Skandal zerstört wird. Doch hinter diesem Vorfall verbirgt sich ein Geheimnis, das sein ganzes Leben durchzieht: das radikale Verleugnen der eigenen Identität und Herkunft. Roth zeigt eindringlich, wie hoch der Preis sein kann, wenn man sich selbst aufgibt, um dazuzugehören – und wie brüchig eine Existenz wird, die auf einer Lüge gebaut ist. Starke Punkte: - unglaubliche psychologische und thematische Tiefe - ein Thema, das so ungewöhnlich wie relevant ist - Szenen und Figuren, die berühren und unter die Haut gehen - viele versteckte Botschaften, die sich erst nach und nach erschließen Kleiner Minuspunkt: Die ausführlichen Figurenbeschreibungen haben ihre Längen, und der Sprachstil ist alles andere als leicht zu konsumieren. Aber genau darin liegt die Stärke des Romans. Und wer bis zum Ende durchhält, wird reich belohnt. Für Fans von: - literarisch anspruchsvollen Romanen - Geschichten über Identität und Selbstverleugnung - komplexen Figuren mit viel Innenleben - Büchern, die lange nachhallen Für Fans Selbstverleugnung - komplexen Figuren mit viel Innenleben - Büchern, die lange nachhallen
Kein Mensch ist frei von Vorurteilen, Urteilen, Verfehlungen, kleinen oder großen Geheimnissen. Wir alle sind der menschliche Makel. Leseempfehlung meinerseits.

Ich bin noch etwas benommen, weil gerade erst fertig geworden. Fühl mich ein bisschen wie nach einem ordentlichen Festmahl, schwer und satt, aber glücklich und zufrieden.
Vielleicht bräuchte ich auch noch einen kleinen Verdauungsspaziergang, bevor ich weiß, was ich zum Buch sagen will. Was ich sagen kann: unbedingt lesen. Der Schreibstil herrlich dahin wabbernd, mal fast kochend, dann wieder so kühl, dass einem die Zechen einfrieren. Allein der Schreibstil hat vermutlich schon 3 Sterne ausgemacht. Das Thema, menschliche Fehler, Idiotie und Absurdität von Moral und ganz einfach: Liebe. Viele Stellen, die mich ordentlich berührt haben und herrlich tiefgründig beschriebene Männer (Frauen werden ausschließlich durch die Männer-Brille betrachtet, dementsprechend gefühlt etwas verschwommene Darstellung, aber nicht unangenehm).
Unfassbar, was Roth mit einem Satz ausdrücken kann. Das Thema ist mega.




