"O trübe Zeit, Entzücken für die Augen ..." PUSCHKIN, Zitat Kapitel 45
Laut Vladimir Nabokov (1899 - 1977) ist dieser im Jahre 1930 entstandene Roman etwas Besonderes, "weil der Zweck meines Romans, meines einzigen Romans mit einem Zweck, darin bestand, die Erregung und den Glanz zu betonen, dem mein junger Exilant [Protagonist Martin Edelweiss] in den gewöhnlichsten Freuden wie in den scheinbar sinnlosen Abenteuern eines einsamen Lebens findet." In dem Vorwort zur englischen Ausgabe seines Romans 1971 geht er außerdem auf den dazu gewählten Titel "Glory" ein, ein Titel, der weniger "wörtlich ist, aber den ursprünglichen Titel mit all seinen sich in der Bronzesonne verzweigenden natürlichen Assoziationen viel satter wiedergibt. Es ist die Glorie hochsinnigen Abenteuers und ihres Fleckenparadieses; die Glorie persönlichen Schneids; die Glorie eines strahlenden Märtyrer." Allein, wenn man sich diese Gedanken des Schriftstellers zu seinem Roman, der im deutschen mit "Die Mutprobe" betitelt ist, durch den Kopf gehen lässt, bekommt man eine ungefähre Vorstellung, was für eine Herausforderung, aber auch was für eine Freude man bei dieser Lektüre zu erwarten hat. Nabokov beglückt den Lesenden und fordert ihn gleichermaßen heraus. Und auch er hat schwer mit dem Text gerungen, um einen Protagonisten nach seiner Vorstellung zu schaffen. Wie mit einem Zauberstab habe er ihn kreiert: "Wie leicht wäre es gewesen, ihn zu einem Künstler, einem Schriftsteller zu machen; wie schwer, ihn keiner sein zu lassen, während er doch mit wachen Empfindsamkeit ausgestattet ist, die man allgemein mit einem schöpferischen Wesen assoziiert; wie grausam, ihn daran zu hindern, in der Kunst - nicht eine Fluchtmöglichkeit zu finden ..." Wie ein Schachspieler habe er seinen Roman konzipiert und sich dabei gerne schwierigen bis paradox erscheinenden Aufgaben gestellt. Es ist also kein Wunder, dass "Die Mutprobe" ein komplexes Werk ist, voller Wunder und Abgründe, die nur große Literatur zu fassen vermag! Wer wagt den Sprung? FAZIT "..., so suchte Martin in der Literatur auch nicht den allgemeinen Sinn, sondern die unerwarteten Lichtungen, wo man sich trotz aller Hingerissenheit strecken kann, bis die Gelenke knacken." - Zitat, Kapitel 15 Spätestens nach den eben zitierten Zeilen war ich der Lektüre mit Haut und Haar verfallen. Ich bin durch die Kapitel gerast und fühlte mich zum Schluss seltsam berauscht - und mein Leseherz schlägt jetzt, mit etwas Abstand immer noch schneller, wenn ich an das Gelesene denke. Dem Roman mit einer Rezension wirklich gerecht zu werden, ist schwer. Aber ich hoffe, meine Begeisterung überträgt sich auf weitere mutige Leseherzen. Unbedingt lesenswert.
