27. Nov.
Klug, fordernd, weniger gut strukturiert.
Rating:3.5

Klug, fordernd, weniger gut strukturiert.

Fromm liefert ein kluges, forderndes Buch, das das Denken spürbar erweitert, aber nicht ohne Anstrengung. Der Einstieg glänzt: voller Wissen, voller klarer Ideen aber leider auch kaum Struktur und viel Fließtext. Wer Orientierung anhand klarer Überschriften und Kapitel liebt, wird hier ein wenig schwimmen. Die Kapitel über Symbole sind anspruchsvoll und teilweise schwer. Man muss konzentriert bleiben, aber die Einsichten sind es wert. Besonders stark: die Analyse echter Träume, jeweils gedeutet nach Freud, Hofmann und Fromm selbst. Das ist differenziert, intelligent und unglaublich bereichernd. Wichtig ist auch sein Blick auf Mythen. Fromm nimmt klassische Stoffe wie den Ödipus-Mythos – verfasst von Sophokles – und zeigt, wie sehr diese Erzählungen seelische Grundstrukturen spiegeln. Er taucht tief in die antiken Werke ein, beleuchtet ihre psychologischen Kerne und verbindet sie geschickt mit moderner Traumlogik. Das erweitert tatsächlich den literarischen wie psychologischen Horizont. Das Schlusskapitel über Rotkäppchen, Kafka (Der Prozess) etc. bietet Tiefe, verliert aber seinen roten Faden. Der Bezug zur Traumwelt wird undeutlich, und eine klare Schlussfolgerung fehlt. Unterm Strich: ein wertvolles, aber forderndes Buch. Brillant gedacht, weniger brillant strukturiert. Für mich solide 3,5 von 5 Sternen = anspruchsvoll, horizonterweiternd, aber nicht immer auf den Punkt.

Märchen, Mythen, Träume
Märchen, Mythen, Träumeby Erich FrommROWOHLT Taschenbuch