Ekelhaft
Wahrscheinlich der widerlichste Schund den ich je gelesen habe. Bzw, die Stellen die ich gelesen habe. Hier geht's um Inzest (mit verbundener Pädophilie), Sadomie, Vergewaltigung und andere Perversionen. Spart euch das Geld.
Ekelhaft
Wahrscheinlich der widerlichste Schund den ich je gelesen habe. Bzw, die Stellen die ich gelesen habe. Hier geht's um Inzest (mit verbundener Pädophilie), Sadomie, Vergewaltigung und andere Perversionen. Spart euch das Geld.
Der Text selbst ist eher weniger interessant (es handelt sich hier schließlich ,,nur" um eine Aneinanderreihung pornographischer Kurzgeschichten, narrativ eher lose verbunden). Stattdessen ist das Interessante, dass ,,Opus Pistorum" von seinen Leser*innen konsequent fordert, eine Haltung zu ihm einzunehmen. An der vulgären, ordinären, eindeutig vom männlichen Blick geprägten Sprache, stößt man sich natürlich, wenn Henry Miller später lustvoll Sex mit Tieren und Minderjährigen beschreibt, wird man jedoch auch in seiner Moral erschüttert. Das ,,Opus Pistorum" testet mit solchen Beschreibungen Grenzen aus, man spürt förmlich wie Miller sich bei gewissen Provokationen ins Fäustchen lacht. Zudem wird in einem Epilog bzw. gar auf der Rückseite des Buches (zumindest bei dem mir vorliegenden Exemplar) nicht grundlos auf die Umstände verwiesen, unter denen Millers Werk entstanden ist. Schließlich erlaubt erst die Information, dass der Text/ die Texte aus Geldnot Millers entstanden und explizit zum Verkauf an eine klare Zielgruppe gedacht sind und weniger als Kunstobjekt, weitere Lesarten. Hat Miller durch Übertreibungen, durch die bewusst einfache, auf Triebbefriedigung ausgerichtete Sprache nicht vielleicht auch eine Parodie seiner Leserschaft angestrebt? Oder liegt hier ein so konsequent nihilistisches Menschenbild zugrunde, dass Miller wirklich vermutet, dass sein Zielpublikum genau das will, was er ihnen gibt? Misogynie Grenzüberschreitungen, aber ja keine Beschreibungen schwulen Sex'! Seinen Humor kann man dem ,,Opus Pistorum" nämlich tatsächlich nicht absprechen. Dieser zeigt sich in einem absurden, stilistischen Selbstbewusstsein und der wahrhaft lachhaften Tatsache, dass die Hauptfigur am Ende vor einem Übermaß an Sex fliehen muss. Großes Vergnügen beim Lesen empfindet man aber keinesfalls, die Reflexion darüber (wie in dieser Review stattgefunden) ist ergiebiger als den atemlosen Beschreibungen der Geschlechtsakte zu folgen und dazwischen über ein paar humoristische Einsprengsel zu lachen.