Nix für zwischendurch
Mein erstes Werk von Thomas Pynchon war Die Enden der Parabel. Von daher war ich eigentlich darauf vorbereitet, was mich erwarten würde. Ich muss diesmal allerdings sagen, dass ich V. nicht ganz so hoch bewerten kann, obwohl es unverkennbar ein typischer Pynchon ist. Seine Bücher sind ohnehin keine, die man einfach zwischendurch lesen kann. Im Gegenteil, sie erfordern sehr viel Aufmerksamkeit und Hingabe. Man muss fast schon Notizen machen, um bei der schieren Anzahl an Charakteren und Geschehnissen den Überblick zu behalten. Ich hatte teilweise auch große Probleme, überhaupt den Zusammenhang der Handlung zu erkennen. Die Botschaft, die vermittelt werden soll, habe ich eher durch das Verhalten und die Wirkung der Charaktere erschlossen. Auf mich wirken sie dabei irgendwie distanziert und leer, fast wie Werkzeuge, die von einer höheren Macht gesteuert werden. Für mich ergibt sich daraus ein sehr treffendes Gleichnis zu dem, was man heute erlebt, wenn man den Fernseher einschaltet und gewisse Funktionäre beobachtet. Ich würde dieses Buch wirklich nur starken Lesern weiterempfehlen, die mit dieser bruchhaften Erzählweise etwas anfangen können, denn vieles scheint manchmal nicht vollständig erklärt zu werden. Der Schauort ist meiner Meinung nach zwar gut dargestellt. Wir befinden uns in Kapstadt zur Kolonialzeit und springen praktisch zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Aber auch dem zu folgen und dabei nicht den Faden zu verlieren, ist schon eine kleine Herausforderung. Mich konnte Thomas Pynchon mit diesem Buch leider nicht ganz abholen. Aber wie ich immer sage: Das ist natürlich Geschmackssache, und vielleicht hat mir für dieses Werk einfach der literarische Zugang gefehlt.
