2,5 Sterne Für 1-2 Bierlängen ist Krausser durchaus eine anregende Abendbekanntschaft. Danach wird's Zeit weiter zu ziehen. Das Buch startet stark. Der harte, unelegante Stil, mit kurzen Sätzen, die in den Beton drücken, passt hervorragend zum Setting. Ich mochte den Humor und die Tragik. Die Rückblenden in die Kindheit bilden einen wunderbaren sprachlichen und stilistischen Kontrast, zu den abgeranzten, auf Schmutz und Körperlichkeit reduzierten Gegenwartsteil. Nach 50% bricht dieses Konzept für mich völlig in sich zusammen. Krausser strudelt im nihilistischen Dreck vor sich hin. Der Witz wird schal, die Story ist bereits ausgelutscht. In der zweiten Hälfte häufen sich Szenen die nur noch lächerlich und albern wirken. Die literarischen Bezüge und merkwürdigen poetischen Anwandlungen mit Opernallüren funktionieren für mich null. Sie streuen Kultur-/ und Bildungs-Badezusatz in eine vollgeschissene Badewanne. Das Ende bricht mit dem Nihilismus und setzt Hagen in einer neuen elefantösen Identität frei. Man muss wohl die Teile davor gelesen haben, um zu verstehen was damit auf sich hat. Kurzum, das Buch handelt vom Dreck, in dem Subjektivierung nur durch Körperlichkeit, Sexualität erfahren wird. Der Rest der Identität hat sich vor lauter Gestank schon verflüchtigt. Gestalten die keine gesellschaftliche Akzeptanz erfahren. Da wird mal herrlich das "Saubermann-Image" wortwörtlich genommen. Gut dass die Judith nicht so eine ist und den Hagen sauber leckt.
3. Sept.Sep 3, 2024
Fette Weltby Helmut KrausserROWOHLT Taschenbuch
