Ich konnte dieses Buch wirklich nicht mehr aus der Hand legen
This Story Might Save Your Life von Tiffany Crum war für mich einer dieser Thriller, bei denen man eigentlich nur „noch ein Kapitel“ lesen will und plötzlich feststellt, dass mitten in der Nacht mehrere Stunden vergangen sind. Ich konnte dieses Buch wirklich kaum aus der Hand legen. Im Mittelpunkt stehen Joy und Benny, die gemeinsam einen extrem erfolgreichen Survival-Comedy-Podcast führen und seit Jahren beste Freunde sind. Als Joy und ihr Ehemann plötzlich verschwinden und das gemeinsame Haus verwüstet zurückbleibt, beginnt nicht nur die Suche nach ihnen, sondern gleichzeitig auch Stück für Stück die Enthüllung dessen, was hinter Joys Ehe wirklich passiert ist. Besonders spannend fand ich die Struktur des Buches. Wir haben einmal die Gegenwart rund um Bennys Suche nach Joy und parallel dazu Joys Manuskript beziehungsweise ihre Memoiren, die nach und nach offenbaren, wie manipulativ und zerstörerisch ihre Ehe tatsächlich war. Und holy shit, ich habe ihren Ehemann wirklich gehasst. Dieses Buch zeigt unglaublich intensiv, wie Narzissten ihre Opfer emotional abhängig machen, isolieren und langsam immer weiter kontrollieren, bis diese irgendwann ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen kaum noch wahrnehmen. Vor allen Dingen der Aspekt, dass Joy und ihr Mann beruflich und privat komplett miteinander verflochten sind und sie praktisch nie alleine ist, hat bei mir teilweise richtig Beklemmung ausgelöst. Besonders krass fand ich außerdem, dass Joy Narkolepsie hat. Ich habe tatsächlich noch nie einen Hauptcharakter mit Narkolepsie gelesen und fand es unglaublich spannend, wie ihre Erkrankung hier dargestellt wurde — gerade auch im Zusammenhang mit ihrer Ehe, den Medikamenten und dem Thema Schwangerschaft. Und genau da wird dieses Buch teilweise wirklich schwer zu lesen. Nicht im Sinne von schlecht geschrieben, sondern im Gegenteil: viel zu gut geschrieben. Vor allen Dingen die Themen rund um emotionale und physische Gewalt, Manipulation, Kontrollverlust und die Schwangerschaft haben mich teilweise richtig belastet, weil sich vieles so real angefühlt hat. Was ich gleichzeitig unglaublich stark fand, war die Freundschaft zwischen Joy und Benny. Dieses Buch zeigt nicht nur toxische Beziehungen, sondern eben auch, wie tief Freundschaft sein kann und wie wichtig Menschen sind, die einen wirklich sehen. Und dann dieses Ende. Die Plottwists waren wirklich grossartig. Ich hatte irgendwann zwar das Gefühl, gewisse Dinge zu ahnen, aber das Buch schafft es trotzdem nochmal komplett nachzulegen. Und ich liebe das Ende wirklich sehr, weil es trotz all der schweren Themen am Schluss so ein starkes Gefühl von Frauenpower, Selbstermächtigung und Befreiung hinterlässt. Was mich allerdings wirklich überrascht hat: Dieses Buch hat keinerlei Triggerwarnungen. Und ehrlich gesagt finde ich, dass es definitiv welche haben sollte. Gerade für Leserinnen, die sensibel auf Themen wie häusliche Gewalt, emotionalen Missbrauch oder Fehlgeburten reagieren, könnte dieses Buch sehr belastend sein. Für mich persönlich war das okay, aber ich war trotzdem überrascht, dass der Verlag darauf komplett verzichtet hat.


































































