19. Feb.
Rating:3.5

Die rasende Reporterin

"Die Stunde der Reporterin" ist ein Roman von Renée Rosen, der im November 2023 erschienen ist. Es war das erste Buch der Autorin für mich. Die Geschichte spielt im Jahr 1955 und folgt der jungen Journalistin Jordan Walsh, die eine Anstellung bei der renommierten "Chicago Tribune" erhält. Voller Enthusiasmus muss sie jedoch feststellen, dass ihr als Frau lediglich "Frauenthemen" zugewiesen werden und ihre Vorschläge für investigativere Artikel von ihren Vorgesetzten abgelehnt werden. Tatschächlich fand ich den Umgang von Jordans männlichen Kollegen etwas grenzwertig, ließ mich aber über die Rolle der Frau im Jahr 1955 nachdenken. Ich mochte ihre Stärke weiter zu kämpfen und sich nicht entmutigen zu lassen. Für eine Topstory beginnt Jordan eigenständig zu recherchieren und stößt dabei auf die Aufzeichnungen ihres Bruders. Dieser war bis zu seinem Tod einen Korruptionsskandal, der bis in die höchsten politischen Kreise Chicagos reicht, auf der Spur. Während sie die Wahrheit ans Licht bringen will, erkennt sie, dass dies persönliche Opfer und Risiken mit sich bringt. Es ließ sich sehr flüssig lesen, aber Jordan als Protagonistin war mir nicht sonderlich sympathisch und ich hatte immer das Gefühl für eine gute Story, geht sie über Leichen. Auch das Verhalten ihrer Eltern machte mich manchmal echt traurig und war für mich etwas toxisch zu lesen. Was ich absolut nicht mochte, war der Alkohol- und Nikotinkonsum im kompletten Buch. Das muss man meiner Ansicht, nicht so prägnant in Szene setzen. Hat mich auch teilweise gestört, wenn mal wieder ausführlich Alkoholexsesse der Eltern beschrieben wurden oder Jordan von ihren männlichen Kollegen bewundert wurde, wie gut sie trinken kann. So etwas braucht es nicht. Trotz alledem zeichnet der Roman ein lebendiges Bild der Herausforderungen, denen Frauen in der männerdominierten Medienbranche der 1950er Jahre gegenüberstanden, und bietet gleichzeitig einen spannenden Einblick in die Welt des Journalismus.

Die Stunde der Reporterin
Die Stunde der Reporterinby Renée RosenROWOHLT Taschenbuch
22. Jan.
Rating:5

Frauenpower volle Kraft voraus!

Eine starke Protagonistin, die in einer Zeit lebt, wo Frauen nicht so viel wert sind und die trotzdem alles dafür tut, um ihrem großen Traum ein Stück näher zu kommen. Mich hat die Figur beeindruckt, ihre Schlagfertigkeit gegenüber der männerdominierten Gesellschaft und wie sie für ihre Sache gekämpft hat. Beeindruckende Figur und tolles Buch!

Die Stunde der Reporterin
Die Stunde der Reporterinby Renée RosenROWOHLT Taschenbuch
5. Dez.
Post image
Rating:3

Karrierefrau „… die Pflicht einer Reporterin ist es, über interessante Neuigkeiten zu berichten.“ (S. 374) Aber wie weit Jordan Walsh eines Tages dafür gehen würde, ist ihr selbst nicht klar, als sie 1955 bei der Chicago Tribune anfängt. Zumal sie, obwohl sie Journalismus studiert hat und aus einer bedeutenden Familie kommt (ihre Mutter ist eine berühmte Dichterin, ihr Vater und ihr Bruder waren bekannte Journalisten), zunächst nur über Klatsch und Trasch berichten darf, über Mode und Rezepte und wie man sich als perfekte Ehefrau / Sekretärin verhält. Doch Jordan will mehr. Sie will in die Nachrichtenredaktion und setzt sich dafür über die Anweisungen ihrer Vorgesetzten hinweg, knüpft wichtige Kontakte und versucht stets dort zu sein, wo was los ist. Als hilfreich erweist sich dabei ein Tippgeber aus dem Büro des Bürgermeisters, der eines Tages auf sie zukommt und ihr eine große Story verspricht, wenn sie ihn als Quelle geheim hält. Das kann sich Jordan nicht entgehen lassen, aber trotzdem startet ihre Karriere nicht so durch, wie erhofft … Nach „Cosmopolitain – Die Zeit der Frauen“ waren meine Erwartungen an den neuen Roman von Renée Rosen ziemlich hoch, wurden aber leider nicht ganz erfüllt. Ich hatte das Gefühl, dass sich die Autorin nicht entscheiden konnte, ob sie einen Roman über die stark von der Mafia beeinflussten politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Chicago und der USA in den 50ern schreiben wollte oder über eine junge Frau, die ihren Weg in einer Männerdomäne sucht. Zudem ist Jordan nicht besonders sympathisch und dass liegt nicht daran, dass sie mehr will als ihre weiblichen Kolleginnen, die anscheinend nicht mit ihrer Stellung in der Gesellschaft und Redaktion hadern, sondern weil sie sich über sie erhebt, sich mit ihren männlichen Kollegen verbrüdert, mit ihnen raucht und sie unter den Tisch säuft und dabei abfällig über die Kolleginne redet – und das auch wirklich so meint. Dabei hat sie einen sehr spannenden Hintergrund. Ihr Bruder war einige Jahre älter als sie und ebenfalls Journalist. Er wurde bei einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht getötet, der nie aufgeklärt werden konnte. Daran ist die Familie zerbrochen. Ihre Mutter schreibt keine Gedichte mehr und unterrichtet nicht mehr, lässt den Garten verwildern und das Haus verkommen, ihr Vater hat seinen Job bei der Zeitung hingeworfen und schließt sich saufend in seinem Arbeitszimmer ein, um DEN großen Roman zu schreiben. Für Jordan und ihre Erfolge interessieren sie sich überhaupt nicht mehr. Die hofft, dass sie als Journalistin nicht nur ihre Eltern stolz machen, sondern auch den Tod ihres Bruders aufklären kann. Dabei ist extrem ehrgeizig und schießt manchmal eben auch über das Ziel hinaus. Mein Fazit: Interessante Details zur Chicagoer Politik und Wirtschaft Ende der 1950er aus dem Blickwinkel einer jungen Journalistin, die für ihre Karriere über Leichen geht.

Die Stunde der Reporterin
Die Stunde der Reporterinby Renée RosenROWOHLT Taschenbuch
23. Nov.
⭐️⭐️⭐️(⭐️) Liest sich super schnell weg, konnte mich aber leider nicht ganz so überzeugen wie "Cosmopolitan".
Rating:3.5

⭐️⭐️⭐️(⭐️) Liest sich super schnell weg, konnte mich aber leider nicht ganz so überzeugen wie "Cosmopolitan".

Die rasende Reporterin… Jordan Walsh stammt aus einer Familie von Zeitungsmenschen. Mutter, Vater, Bruder – alle haben den Weg zur schreibenden Zunft gewählt. Doch als Jordans Bruder Eliot einem Verkehrsunfall zum Opfer fällt, wird die Familie in ihren Grundfesten erschüttert. Die Eltern sprechen dem Alkohol zu, insbesondere der Vater vergräbt sich in seinem Arbeitszimmer und nimmt seine Tochter kaum noch wahr. Und was tut Jordan? Sie meint umso mehr, dass sie ihre Familie nur retten kann, indem sie den Bruder „ersetzt“. Indem sie genau so erfolgreich bei einer Zeitung wird, wie ihr Bruder es war. Oder noch erfolgreicher. Und das als Frau in der Zeitungsbranche der 1950er… Sie arbeitet hart daran und versucht bei der „Chicago Tribune“ groß rauszukommen – aber sie darf (zunächst) nur über „Frauenthemen“ schreiben. Mehr traut ihr niemand zu. Die Leser verfolgen also Jordans Weg vom Neuling (um nicht zu sagen Fußabtreter) bis… nun ja, das wird noch nicht verraten, das muss jede/r selbst lesen. Aber Jordan ist nicht immer ein einfacher Charakter. Anfangs konnte ich noch mit ihr mitfühlen und mitfiebern, aber zwischendurch wurde sie mir mehr und mehr unsympathisch. Ich weiß nicht, ob die Autorin damit betonen wollte, wie sehr Jordan sich wünscht in die Fußstapfen ihres Bruders zu treten. Aber sie wirkt an vielen Stellen nicht nur zielstrebig, sondern vielmehr verbissen und ihr Urteilsvermögen habe ich leider auch an der einen oder anderen Stelle in Frage stellen müssen. Mitunter macht sie tatsächlich den Eindruck, sie würde über die sprichwörtlichen Leichen gehen, um voranzukommen. Da es mir so schwer fiel Jordan zu mögen, hat sich das leider auch auf meinen Gesamteindruck von diesem Buch ausgewirkt. Ich konnte viele ihrer Entscheidungen nicht nachvollziehen, sie hat so einige Leute vor den Kopf gestoßen (auch wenn sie es vielleicht nicht bewusst getan hat). Dazu kam noch, dass im gesamten Buch ständig Alkohol präsent war. Nicht nur bei den Eltern, die damit versuchten ihren Kummer zu betäuben – nein, auch in sämtlichen anderen passenden und unpassenden Situationen wurden Cocktails und Shots gekippt. Ist das so ein Amerika-Ding? Gehört es in amerikanischen Romanen zum guten Ton, dass der Alkohol in Strömen fließt? Mir hat das leider eher ein negatives Bild vermittelt… Und so muss ich sagen, dass ich ein klein wenig enttäuscht war von „Die Stunde der Reporterin“ – denn der Vorgänger „Cosmopolitan“ über die Sternstunden der berühmten Frauenzeitschrift hatte mich richtig begeistern können. Aber auch unter Berücksichtigung meiner Kritikpunkte muss man sagen, dass man diesem umfangreichen Roman nicht anmerkt, dass er fast 550 Seiten hat. Er liest sich so locker weg, dass man damit schnell die Zeit vergisst und richtiggehend durchrauscht. Nur mein Lesegefühl war halt diesmal nicht ganz so positiv wie beim letzten Buch der Autorin. Trotzdem war es für mich mit 3,5 Sternen ein solider Unterhaltungsroman.

Die Stunde der Reporterin
Die Stunde der Reporterinby Renée RosenROWOHLT Taschenbuch