Die rasende Reporterin
"Die Stunde der Reporterin" ist ein Roman von Renée Rosen, der im November 2023 erschienen ist. Es war das erste Buch der Autorin für mich. Die Geschichte spielt im Jahr 1955 und folgt der jungen Journalistin Jordan Walsh, die eine Anstellung bei der renommierten "Chicago Tribune" erhält. Voller Enthusiasmus muss sie jedoch feststellen, dass ihr als Frau lediglich "Frauenthemen" zugewiesen werden und ihre Vorschläge für investigativere Artikel von ihren Vorgesetzten abgelehnt werden. Tatschächlich fand ich den Umgang von Jordans männlichen Kollegen etwas grenzwertig, ließ mich aber über die Rolle der Frau im Jahr 1955 nachdenken. Ich mochte ihre Stärke weiter zu kämpfen und sich nicht entmutigen zu lassen. Für eine Topstory beginnt Jordan eigenständig zu recherchieren und stößt dabei auf die Aufzeichnungen ihres Bruders. Dieser war bis zu seinem Tod einen Korruptionsskandal, der bis in die höchsten politischen Kreise Chicagos reicht, auf der Spur. Während sie die Wahrheit ans Licht bringen will, erkennt sie, dass dies persönliche Opfer und Risiken mit sich bringt. Es ließ sich sehr flüssig lesen, aber Jordan als Protagonistin war mir nicht sonderlich sympathisch und ich hatte immer das Gefühl für eine gute Story, geht sie über Leichen. Auch das Verhalten ihrer Eltern machte mich manchmal echt traurig und war für mich etwas toxisch zu lesen. Was ich absolut nicht mochte, war der Alkohol- und Nikotinkonsum im kompletten Buch. Das muss man meiner Ansicht, nicht so prägnant in Szene setzen. Hat mich auch teilweise gestört, wenn mal wieder ausführlich Alkoholexsesse der Eltern beschrieben wurden oder Jordan von ihren männlichen Kollegen bewundert wurde, wie gut sie trinken kann. So etwas braucht es nicht. Trotz alledem zeichnet der Roman ein lebendiges Bild der Herausforderungen, denen Frauen in der männerdominierten Medienbranche der 1950er Jahre gegenüberstanden, und bietet gleichzeitig einen spannenden Einblick in die Welt des Journalismus.






