Inhaltlich stark, stilistisch fordernd
Ganz normale Männer behandelt ein extrem verstörendes und zugleich historisch hoch relevantes Thema. Das Buch macht eindrücklich deutlich, wie gewöhnliche Menschen zu Tätern werden konnten und warum es so wichtig ist, sich mit diesen Mechanismen auseinanderzusetzen. Inhaltlich ist es stellenweise erschreckend und bedrückend und genau deshalb auch notwendig. Gleichzeitig empfand ich den Schreibstil als sehr trocken. Das Buch ist stark berichtsartig und dokumentarisch angelegt, was dem Informationsanspruch zwar gerecht wird, das Lesen aber teilweise mühsam macht. In vielen Details verliert es sich, sodass es mir als Leserin schwerfiel, durchgehend zu folgen oder das Gelesene emotional und gedanklich gut zu verarbeiten. Trotz einzelner spannender und schockierender Passagen hätte ich mir eine kürzere Form oder einen zugänglicheren Stil gewünscht, der auch für Laien leichter verständlich und besser verdaulich ist. Dennoch bleibt Ganz normale Männer ein äußerst wichtiges Buch. Es ist keine leichte Lektüre, aber eine, die nachwirkt und zum Nachdenken zwingt. Ich bin froh, es gelesen zu haben, und würde es allen empfehlen, die sich ernsthaft mit der Geschichte und den Abgründen menschlichen Handelns auseinandersetzen möchten.


