Lolita ist eines dieser bücher, bei denen man gleichzeitig fasziniert und unangenehm berührt ist. der schreibstil ist wirklich außergewöhnlich und teilweise fast poetisch, was im starken kontrast zur eigentlichen thematik steht.
besonders interessant fand ich die erzählweise aus humberts perspektive. man merkt ständig, wie sehr er versucht, seine gedanken und sein verhalten zu rechtfertigen oder zu romantisieren. genau diese manipulative art macht das buch psychologisch sehr spannend.
trotzdem war es stellenweise schwer zu lesen, einfach weil die thematik so unangenehm und traurig ist. man sollte definitiv wissen, worauf man sich einlässt.
Sprachlich brillant und gleichzeitig zutiefst verstörend.
Lolita ist definitiv kein Buch, das man einfach konsumiert. Es fordert heraus, verstört und hinterlässt ein sehr ambivalentes Gefühl, gerade deshalb wahrscheinlich auch so viel Gesprächsstoff bis heute.
Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Sprache. Nabokov schreibt unglaublich kunstvoll, fast hypnotisch, und genau darin liegt auch die Schwierigkeit des Buches: Die Schönheit der Sprache steht ständig im Kontrast zu dem, was eigentlich erzählt wird. Dadurch entsteht beim Lesen eine permanente Unruhe.
Humbert Humbert ist kein Erzähler, dem man vertrauen sollte, und genau das macht die Geschichte psychologisch so interessant. Man merkt immer wieder, wie er versucht, seine Obsession zu romantisieren oder zu rechtfertigen, während zwischen den Zeilen etwas völlig anderes sichtbar wird. Gerade das hat das Buch für mich so beklemmend gemacht.
Trotz des kontroversen Themas hatte ich nie das Gefühl, dass das Buch verherrlicht, sondern eher, dass es Manipulation, Macht und Selbsttäuschung schonungslos offenlegt. Trotzdem war es stellenweise schwer auszuhalten.
Für mich war Lolita vor allem wegen seiner sprachlichen Stärke und psychologischen Tiefe beeindruckend aber auch eines dieser Bücher, bei denen man nach dem Lesen erst einmal nicht genau weiß, was man fühlen soll.
Das Werk weist eine eloquente tiefgreifende Sprache auf, die seinesgleichen sucht.
Der Erzähler versteht es mittels dieser Erzählweise die Geschehnisse so auszuschmücken, dass man sich zeitweise gar in sein Verhalten hineinversetzen kann.
Es gelingt ihm seine Handlungen, die häufig jenseits der Moral liegen mittels eben dieser poetischer Formulierungen abzuschwächen oder gar zu relativieren.
Es muss angemerkt werden, dass es sich um einen unzuverlässigen Erzähler handelt, und obwohl er sich als Opfer Lolitas darstellt, handelt es sich letzten Endes um einen Mann, der eine Minderjährige missbraucht und besessen von einer Idee dieses Kindes wird.
Das Ende, bezogen auf Lolita, hinterlässt ein bedrückendes Gefühl. Das Kind, dem keine Kindheit zuteil wurde kommt nun so auch keine Jungend als solche zuteil.
Ein besonderes, schlecht einzuordnendes Werk, dass den Lesenden mit einem beklemmenden Gefühl hinterlässt.
Ein umstrittener Klassiker, mit brillanter Erzählkunst und poetischer Sprache allerdings verstörender Thematik.
Was hat mich dieses Kunstwerk gefordert, abgestoßen fasziniert und mich sehr beschäftigt.
Vladimir Nabokov wählt in seinem Roman Lolita eine interessante Schreibweise.
Der Erzähler spricht direkt zu seinen Lesern und schafft dadurch eine eindringliche Nähe, wobei es unangenehm wird denn was uns der Erzähler so berichtet ist teilweise so abscheulich das man sich davon distanzieren möchte. Das ganze verpackt er in eine wunderschöne Sprache, von der ich nicht genug haben konnte.
Die ganze Tragik um Lolita ist so furchtbar, wie gerne hätte ich das Mädchen in Sicherheit gewusst.
Den Nachwort fand ich sehr interessant und wichtig für die Geschichte, denn dadurch gewinnt dieses Werk noch mehr an seiner Bedeutung.
Wirklich ein Klassiker der Weltliteratur, zeitweise der verbotenen Literatur. Faszinierend ist für mich die Sprache, die Ausdrucksweise, die Beschreibungen, die zwischendurch unerwartet eine Wende nehmen, doch dann wieder zurückkehren zum üblichen Stil. Nachdem ich immer mal wieder hier und dort Hinweise auf das Werk bekommen habe, war es Zeit, es zu lesen, und ich habe es nicht bereut.
Sprachlich das wohl schönste und beeindruckendste was ich gelesen haben, inhaltlich aber aufgrund der Thematik nicht ohne
Wie schon die meisten Rezensenten zuvor erwähnt, komme auch ich nicht umhin den herausragend schönen sprachlichen Stil zu loben. Muss man sich mal vorstellen, ein emigrierter Russe wechselt irgendwann ins Englischsprachige und als eine Liebeserklärung an die Sprache schreibt er ein Buch wie dieses. Nicht ohne Grund hat es fünf (!) Übersetzer für die Übertragung ins deutsche gebraucht! Dafür liest es sich aber auch auf deutsch wundervoll.
Inhaltlich ist es, natürlich, sehr kontrovers. Der verachtenswerte Protagonist Humber Humbert (ja der Name soll bewusst plump und trottelig wirken) versucht seine zweifellos verwerflichen Handlungen anhand schöner Ausdrucksweise zu kaschieren und den/die LeserIn damit zu umgarnen. Und oftmals habe ich mich auch ertappt gefühlt wie ich mich in manchen Momenten von ihm habe um den Finger wickeln zu lassen und für ihn mitzufiebern, nur um kurz darauf inne zu halten und mir wieder vor Augen zu führen, für wen ich gerade kurz davor war Partei zu ergreifen. Oft genug ist man aber einfach nur angeekelt und hasst ihn, das soll aber auch so sein.
Einige besonders schmerzhafte Passagen passieren so nebenbei, oft in kleinen Nebensätzen. Für den geneigten Leser tun sich hier die wahren Abgründe Humbert Humberts auf.
Leider hat das Buch, vor allem im zweiten Teil, einige deskriptive Längen, durch die ich mich trotz der schönen Sprache quälen musste. Insgesamt jedoch ein sehr starkes Buch und zurecht ein Klassiker der Weltliteratur.
Warum sollte ich dieses Buch überhaupt lesen? Warum sollte ich das Buch, habe ich es einmal begonnen, bis zum Ende lesen? Diese Fragen sind berechtigt und sie zu beantworten, ist so einfach und gleichzeitig so schwierig.
'Lolita' fordert einen beim Lesen heraus, genau zu lesen, aufmerksam zu sein, ständig zu reflektieren. Das Buch spielt in jeder Zeile auf mehreren Ebenen zugleich:
(1) Auf der obersten Ebene schreibt der "Autor" Humbert Humbert während der Untersuchungshaft seine Erinnerungen auf. Scheinbar soll sein Text vor Gericht als Schuldeingeständnis dienen. Er spricht auch die Geschworenen-Jury in seinem Text direkt an. Humbert Humbert ist jedoch ausschließlich für den Mord an Clare Quilty angeklagt, was seine Erzählungen bis auf die letzten Seiten überflüssig macht. Das Wort Geständnis impliziert, Humbert Humbert sei ehrlich, was er aber - meist bewusst, manchmal unbewusst - definitiv nicht ist; Humbert Humbert ist der unzuverlässige Erzähler schlechthin.
(2) Das "Vorwort" zu 'Lolita' schreibt Dr. phil. John Ray, der als Herausgeber Humberts Aufzeichnungen dient. Humbert Humbert stirbt kurz vor seinem Gerichtsprozess an Herzversagen; zu diesem Zeitpunkt hat er seinen Text bereits fertiggestellt. Ray sieht sich als reflektierten Herausgeber, der auf eine "allgemeingültige Lehre" moralischer Art verweist, die "jeder ernsthafte Leser" aus der Lektüre ziehen könne. Liest man jedoch auch sein Vorwort - wie er sagt - ernsthaft, wird schnell klar, dass er Humbert Humbert für dessen "Kunstwerk" bewundert.
(3) Humbert Humbert sieht sich als Dichter und Held seiner eigenen Geschichte. Was er über 500 Seiten erschaffen will, ist ein Kunstwerk, für das er nach seinem Tod bewundert werden will. (Dr. Ray ist ihm also auf den Leim gegangen.) Durch zahllose Verweise auf Literatur, Dichtung und Malerei zeigt er seiner Leserschaft seine eigene Gelehrtheit. Die Überfülle von Adjektiven in den Beschreibungen von Landschaften, Personen oder Gegenständen erschaffen beim Lesen ein lebendiges Kopfkino. Dadurch lenkt Humbert Humbert immer wieder den Fokus von seinen Taten auf die Schönheit seiner Sprache. Als Leser sind wir von Natur aus gezwungen, diesen Ausführungen zu folgen und es besteht die Versuchung, sich in der sprachlichen Gewandtheit Humbert Humberts zu verlieren. Ebenfalls spricht er uns Leser oftmals direkt an, viel öfter als die Geschworenen. Er versucht somit, uns zu seinen Komplizen zu machen. Humbert Humbert gibt seinem Kunstwerk den Namen 'Lolita'; Lolita ist sein Spitzname für Dolores Haze, das Mädchen, das er entführt und über Jahre hinweg mehrmals täglich missbraucht und vergewaltigt hat. Erst mit der Erkenntnis, dass Humbert Humbert ein Kunstwerk erschaffen will (und nicht bloß ein Geständnis), wird klar, was er mit seinem Text eigentlich vor hat: Dolores Haze nicht nur zu einer Kunstfigur zu machen, sondern zu seiner Kunstfigur. Dieses Kunstwerk hat zwar Pseudo-Schuldeingeständnisse, aber eigentlich sieht sich Humbert Humbert als Getriebener und letztlich auch als Beschützer von Dolores. Er verfügt, dass sein Text erst nach Dolores' Tod veröffentlicht werden darf; somit ist sie ihm über ihren Tod hinweg ausgeliefert. Er allein hat die Kontrolle darüber, wie Dolores in Erinnerung behalten wird, nämlich als Lolita. Sie kann sich dem nicht widersetzen.
(4) Soweit ich verstehe, ist die tiefste Ebene des Romans die, dass hinter allem Vorangegangenen der Autor (nicht mehr in Anführungszeichen) Vladimir Nabokov steht. Nabokov hat mit Humbert Humbert einen Protagonisten erschaffen, der intelligenter und gelehrter ist als die meisten seiner Leser. Gleichzeitig hat Nabokov Dr. phil. John Ray jun. erschaffen, der diesem Protagonisten nicht gewachsen ist und die Leserschaft auf eine falsche Fährte lockt, nämlich den Roman als moralisches Lehrstück zu lesen. Nabokov ist derjenige, der sowohl in der sprachlichen Ästhetik steckt als auch in den Details, die hinter die Kulisse des Humbert'schen "Kunstwerks" blicken lassen. Die Erzählperspektive macht es jedoch unheimlich schwer, Autor und "Autor" voneinander zu unterscheiden.
'Lolita' ist weder Beschönigung noch Relativierung von Kindesmissbrauch. Dieses Thema aus der Täterperspektive zu lesen, ist alles andere als angenehm. In dieser Hinsicht kann "Ich hatte Spaß beim Lesen" oder "Ich fand das Buch schön" natürlich nicht als pauschales Fazit herhalten. Die Täterperspektive einzunehmen, bedeutet, die dunkelsten Winkel der menschlichen Psyche zu erkunden, wenngleich Humbert Humbert großen Spaß daran hat, Psychoanalysten oder Psychiater an der Nase herumzuführen (hochintelligenter, zynischer, unzuverlässiger Erzähler).
Humbert Humbert ist auf den oberen Ebenen des Romans derjenige, der die erzählerischen Zügel in der Hand hat, und sogar darlegt, dass eigentlich Dolores diejenige gewesen sei, die ihn verführt habe, nicht umgekehrt. Letztendlich ist es aber Vladimir Nabokov, der das Leid von Dolores Haze in den Mittelpunkt seines Romans stellt, ob Humbert Humbert nun will oder nicht; die Stellen zu erkennen, in denen Nabokov das macht, erfordern Aufmerksamkeit, was aber den Wert seines Anliegens nicht schmälert. Das Wissen, so viele Symbole, Hinweise und Details beim ersten Lesen nicht verstanden zu haben, hat mich mit nichts als Hochachtung für den Autor (nicht "Autor"!) zurückgelassen.
Also: Warum solle ich dieses Buch überhaupt lesen?
Du lernst, den Widerspruch von (fehlender) Moral und sprachlicher Ästhetik zuzulassen und auszuhalten.
Und: Warum sollte ich das Buch, habe ich es einmal begonnen, bis zum Ende lesen?
Erkenne das Kunstwerk, das Nabokov geschaffen hat, indem dieser das "Kunstwerk" Humbert Humberts zerstört; achte darauf, wie er es tut. Und was das Thema Kindesmissbrauch angeht: Blicke dem Abgrund in die Augen, um ihn zu überwinden!
Wunderschön geschrieben mit langweiliger, düsterer Handlung
Dieses Buch ist wohl verdient ein Klassiker. Aus der Tätersicht zu dem Thema Missbrauch an Minderjährigen zu schreiben, ist oder war wohl einmalig. Nabokov umschreibt die Situationen mit solch schönen Worten, dass man manchmal vergisst, wie grausam Humbert in Wirklichkeit ist und was er gerade wirklich tut. Das eröffnet einen bestimmt gewollten Zwiespalt im Kopf des Lesers und führt dazu, dass man intensiv über die beiden Protagonisten nachdenkt.
„Die Liebe als absolute Macht oder Leben und Tod“ wurde in diesem Roman gut verkörpert. Als Humbert Lolita verliert, scheint ihm alles egal zu sein, als hätte er bereits alles verloren und es gäbe nichts mehr schlimmeres, dass ihm noch bevorstehen könne. Nicht einmal das Gefängnis der Vereinigten Staaten.
Die Handlung ist jedoch sehr langgezogen, oft verwirrend und langweilig. Manchmal ist weniger mehr - und hätte wahrscheinlich auch noch besser in den Köpfen der Leser gewirkt.
Insgesamt bin ich begeistert von Nabokovs Sprache. Der Roman mit seiner Handlung an sich, obwohl er relativ gut rüberbringt, was er rüberbringen möchte, hat bei mir allerdings durch seine rätselhaften Zeitsprünge, viel zu lange Kapitel in denen eigentlich nichts passiert und Humberts viel zu oft vorkommende Verwirrtheitszustände versagt.
Definitiv nicht einfach zu lesen und noch viel schwieriger zu bewerten. Sprachlich gesehen ist dieses Werk einmalig, auch wenn ich bei jedem Gedanken von HH bzgl Lolita am liebsten erbrochen hätte.
Lolita erzählt aus der Perspektive von Humbert Humbert die Geschichte seiner obsessiven Fixierung auf die minderjährige Dolores Haze. Der Roman begleitet seine manipulative Beziehung zu ihr und legt dabei schonungslos offen, wie er seine Taten rechtfertigt und verzerrt darstellt.
Ich erkenne die literarische Bedeutung des Romans an, hatte aber insgesamt Schwierigkeiten, einen wirklichen Zugang zu finden. Ein Buch, das man gelesen haben kann – aber nicht unbedingt haben muss.
Ein beklemmendes Thema, aber die Sprache einfach nur toll. Ein Klassiker der gelesen werden muss
Dieses Buch kam nicht zufällig zu mir. Eine Empfehlung auf Instagram, ein kurzer Moment des Zögerns – und schon bevor ich die erste Seite aufschlug, war da ein leises Unbehagen. Denn Lolita ist ein Titel, der nichts verschweigt. Er kündigt ein Thema an, das schwer wiegt, das Angst machen kann, das Grenzen berührt, die man instinktiv nicht überschreiten möchte. Die Geschichte eines älteren Mannes, der sich in ein sehr junges Mädchen verliebt – und es bleibt eben nicht bei Gedanken. Allein diese Ausgangslage machte das Lesen für mich von Beginn an zu einer inneren Herausforderung.
Und ja: Dieses Buch war anstrengend. Nicht, weil es schlecht geschrieben wäre – ganz im Gegenteil –, sondern weil das Thema permanent beklemmend bleibt. Nabokov zwingt seine Leserinnen und Leser dazu, sich in den Kopf eines Erzählers zu begeben, dessen Selbstrechtfertigungen, Schönfärbereien und sprachliche Eleganz immer wieder in scharfem Kontrast zur moralischen Realität stehen. Genau darin liegt eine große Zumutung dieses Romans: Man wird mitgenommen, obwohl man innerlich Abstand halten möchte. Man liest weiter, obwohl man sich dagegen wehrt.
Was ich jedoch ganz klar hervorheben muss, ist die Sprache. Lolita ist in einer Prosa geschrieben, die von erschreckender Schönheit ist. Nabokovs Stil ist kunstvoll, verspielt, präzise – fast betörend. Und gerade das macht das Buch so schwer auszuhalten. Die ästhetische Sprache steht ständig im Widerstreit mit dem Grauen des Inhalts. Für mich wurde genau hier die eigentliche Aussage des Romans spürbar: wie leicht sich Moral durch Sprache verschleiern lässt, wie gefährlich es ist, sich von schönen Worten einlullen zu lassen, und wie notwendig es ist, den Erzähler nicht zu glauben, sondern ihn zu hinterfragen.
Ich habe dieses Buch nicht „genossen“ im klassischen Sinn. Es fordert Konzentration, emotionale Distanz und literarische Erfahrung. Für Leseanfänger würde ich Lolita keinesfalls empfehlen – die Sprache ist zwar wunderschön, aber alles andere als leicht zugänglich. Wer sich darauf einlässt, muss bereit sein, zwischen den Zeilen zu lesen, Unbehagen auszuhalten und sich immer wieder bewusst zu machen, wessen Stimme hier spricht – und wessen nicht.
Trotz – oder vielleicht gerade wegen – all dessen halte ich Lolita für einen Klassiker, der gelesen werden sollte. Nicht unkritisch, nicht unvorbereitet, aber bewusst. Dieses Buch will Diskussionen auslösen, und es tut das bis heute. Es zwingt dazu, über Macht, Manipulation, Schuld und Verantwortung nachzudenken – und darüber, wie Literatur uns in moralische Grauzonen führen kann, ohne sie zu entschuldigen.
Für erfahrene Leserinnen und Leser ist Lolita ein herausforderndes, verstörendes, aber literarisch bedeutendes Werk. Eines, das nicht loslässt. Und eines, über das man sprechen muss – immer wieder.
„Lolita“ von Vladimir Nabokov ist ein sprachlich brillanter, aber moralisch hoch verstörender Roman, der das Innere eines unzuverlässigen Erzählers so kunstvoll zeigt, dass man sich beim Lesen zugleich fasziniert und abgestoßen fühlt.
„Lolita“ wird von Humbert Humbert erzählt, einem gebildeten, charmant auftretenden Mann mittleren Alters, der seine sexuelle Obsession für das zwölfjährige Mädchen Dolores Haze („Lolita“) in einer Art Beichte rechtfertigt. Er schildert, wie er bei ihrer Mutter einzieht, sie heiratet und nach deren Tod Lolita auf einer langen Autoreise durch die USA kontrolliert, manipuliert und missbraucht – alles in einer kunstvollen, ironischen Sprache, die seine Taten rhetorisch zu verschleiern versucht. Genau das ist der Kern des Romans: Die Sprache ist verführerisch, der Erzähler geistreich – und doch macht Nabokov immer wieder deutlich, dass hier ein Täter spricht, der seine Gewalt schönredet.
Besonders stark ist, wie der Roman mit der Leserwahrnehmung spielt: Man lacht an manchen Stellen über Humberts Formulierungen und merkt im nächsten Moment, dass man sich von einem Missbrauchstäter hat einlullen lassen. Dolores bleibt lange Zeit vor allem „Lolita“, eine Projektionsfigur in Humberts Kopf, und erst nach und nach blitzen ihre eigene Traurigkeit, Wut und ihr Versuch auf, ein eigenes Leben zu führen. Dadurch wird klar, wie umfassend Humbert ihr die Stimme nimmt – und wie sehr sein erzählerischer Charme Teil dieser Gewalt ist. Gleichzeitig zeichnet Nabokov ein kritisches Bild der amerikanischen Nachkriegsgesellschaft: Motels, Highways, Konsumwelt und Prüderie bilden die Kulisse, vor der dieser Missbrauch unsichtbar bleibt.
„Lolita“ ist deshalb kein Liebesroman, sondern eine scharfe Studie über Obsession, Selbsttäuschung und Macht. Die Lektüre ist fordernd, weil man sprachliche Brillanz und moralischen Abgrund gleichzeitig aushalten muss; genau darin liegt aber seine Wirkung. Wer das Buch liest, sollte sich der Problematik bewusst sein: Es romantisiert die Beziehung nicht, sondern zeigt gerade, wie gefährlich und zerstörerisch diese Verklärung ist.
Die Geschichte um Humbert Humbert und die arme Lolita aka Dolores Haze schlägt manchmal hart auf den Magen und ist oft nur schwer zu ertragen. Im Nachgang muss ich sagen, dass ich glücklich bin, dass die Missbrauch und Vergewaltigungen nicht zu explizit und detailliert beschrieben wurden. Auf der anderen Seite nimmt es auch etwas den Schrecken, zu dem was Humbert Lolita physisch und psychisch über Jahre antut.
Nabokov hat einen wirklich guten Roman geschaffen mit einem Ekel als Hauptcharaktere, welchen man nur hassen kann.
Trotzdem hat das Buch seine Längen, seine Szenen die einen Mitnehmen und mich teilweise fast hätten Aufgeben lassen.
Das Buch hat noch 180 Seiten Anhang und Hinweise zur schaffenswerdung Nabokovs und des Romans.
confusing af.
Das Buch hat stark angefangen, da man mit einer Realität konfrontiert wird, die man sich so nicht vorstellen kann und eigentlich auch nicht möchte. Aber je weiter man in der Geschichte vorankommt, desto mehr pendelt sich das Geschehen ein, desto mehr bleibt es bei gleichen wiederkehrenden Handlungen. Das hauptsächlich Interessante ist dabei natürlich der Erzähler und wie er mit den Geschehnissen umgeht, aber auch das weicht irgendwann einer repetitiven Monotonie.
So, I enjoy disturbing books that delve into the dark side of people’s minds, but that was too much even for me.As much as I tried to detach from the story, the way it was written was unbearable?Because the prose itself was beautiful, so I would love to read another book of Nabokov. But Lolita? Again, reading from Humbert’s POV was so sickening I couldn’t finish reading the book
La prima cosa che colpisce di Lolita è la prosa mutevole e brillante: passa da vette di grandiosità e lirismo a momenti carichi di ironia tagliente, deliziandoci nel mezzo con allitterazioni e giochi di parole, scritti con uno stile lieve e garbato. L'esempio più eclatante della maestria dell'autore lo troviamo nell'incipit, a mio parere uno dei più memorabili della letteratura di ogni tempo.D'altronde uno stile così originale ben si adatta alla trama del romanzo: le memorie spassionate di un pedofilo mai del tutto pentito. Nabokov è bravissimo nel penetrare la mente di un uomo malato e ossessionato senza mai portarci a simpatizzare con lui: resta un essere abietto dalla prima all'ultima pagina e la Lolita che prende vita dalle sue descrizioni ci fa stringere il cuore: è intraprendente, seducente, spavalda ma soprattutto fragile, un uccellino con l'ala spezzata che si sforza di sopravvivere sapendo che non sarà mai più normale.Non esito a definire questo libro un pilastro della letteratura, ma forse proprio per il tema scabroso non mi ha coinvolto fino in fondo, probabilmente avevo bisogno di mantenere le distanze da certi argomenti.Insomma mi ha affascinato, ma più di testa che di pancia.
Wie soll man dieses Buch mit dieser Thematik bewerten? Literarisch sicher weltklasse. Gefallen hat es mir jedoch nicht. Der Gegenstand des Buches trägt nun auch nicht gerade dazu bei, dass einem das Buch ans Herz wächst, also müssten es andere Qualitäten sein: Sicherlich, wenn man begreift, dass es sich bei Humbert Humbert um einen unzuverlässigen Erzähler handelt, erhält das Buch deutlich mehr Tiefe und Nabokovs Englisch ist kunstvoll (aber daher für Nicht-Muttersprachler:innen eben auch extrem schwer), aber ich bin nie wirklich warm geworden oder rein gekommen. Literarisch zu recht ein Klassiker, aber nichts für mich.
Ich muss sagen es war erstaunlich okay… also es ändert nichts daran wie angeekelt ich einen Großteil des Buches war aber es ist auch interessant irgendwie Gedanken aus der Sicht eines Täters zu sehen und erschreckend wie leicht Täter damit durch kommen können.
Ich verstehe jede der Bewertungen ob jetzt ein Stern oder fünf.
Es ist eigentlich ein sehr wichtiges Thema über das noch viel zu viele Unwahrheiten bekannt sind allerdings ist es auch kein Buch das ich jemandem wirklich empfehlen würde
Ein Klassiker den man gelesen haben muss. Es ist fast surreal, wie sich die Worte Nabokovs in das eigene Gedächtnis einbrennen. DerSchreibstil des Romans ist unfassbar elegant, erschreckend und aufregend. Ich konnte das Buch nur schwer zur Seite legen obwohl es inhaltlich erschreckend und fast zu real geworden ist.
Klare Leseempfehlung!
Started: Monday, September 29, 2025
This is the first time I’ve made a google doc for a book. Normally, I just thought-dump whatever I have to say about a book in a goodreads review but this book is different. There’s a first time for everything.
The first line, moreover, the first paragraph, really draws you in.
“Lolita, light of my life, fire of my loins. My sin, my soul. Lo-lee-ta: the tip of the tongue taking a trip of three steps down the palate to tap, at three, on the teeth. Lo. Lee. Ta.”
Chapter 4, part 1:
“I also know that the shock of Annabel’s death consolidated the frustration of that nightmare summer, made of it a permanent obstacle to any further romance throughout the cold years of my youth.”
“Long after her death I felt her thoughts floating through mine. Long before we met we had had the same dreams.”
Humbert Humbert’s inability to forget Annabel drives him to his first point of insanity. As the adage goes, you never forget your first. For Humbert, this proves to be morally fatal.
Chapter 5, part 1:
“Ah, leave me alone in my pubescent park, in my mossy garden. Let them play around me forever. Never grow up.”
Moss grows most prolifically on the shadiest side of the tree. Similar to Humbert Humbert, moss thrives in circumstances in which it is consistently surrounded by darkness. Humbert Humbert’s dark sexual orientation is self-stunting. His lack of self-control serves as a self-feeding feedback loop. His inability to not act on his abusive urges keeps him trapped in his own mind. He masks his urges but eventually loses his ability to compartmentalize them, later admitting that he is becoming a plaything of the devil.
Chapter 8, part 1:
“Years of secret sufferings had taught me superhuman self-control.”
Except it isn’t superhuman because it didn’t last.
Chapter 9, part 1:
“My health improved wonderfully in spite or because of all the fantastic blankness and boredom.”
Idle hands are the devil’s playthings. This catches up to Humbert later in the novel.
Chapter 11, part 1:
“Friday. I long for some terrific disaster. Earthquake. Spectacular explosion.”
Humbert wishes that Charlotte dies so he can have Lolita/Dolores all to himself. Nauseating.
Chapter 12, part 1:
“We hasten to alienate the very fates we intended to woo.”
Humbert attempts to conceal his urges to molest children but ends up ultimately failing. His moment of awareness that what he’s doing is wrong shows he knows what is right in practice, but he never internalizes this. His lack of guilt/shame/remorse is startling and frightening.
Chapter 14, part 1:
“Pathetic–because despite the insatiable fire of my venereal appetite, I intended, with the most fervent force and foresight, to protect the purity of that twelve-year-old child.”
Appetite for food and sexual appetite here are equated. Fulfilling one is necessary for survival, the other is not, despite what the brain may signal otherwise. Humbert uses this as partial justification for his actions in taking advantage of Lolita/Dolores. He insists on protecting her childlike purity but is the very person who takes it from her. He doesn’t want to admit that his actions have left an imprint on Lolita/Dolores that is impure by its foundational nature. Humbert views satisfying his distorted sexual appetite and keeping Lolita as a child for forever through the same lens. He doesn’t truly love her, he only loves the idea of her, and what this idea can do for him. He never realizes that this isn’t what true love is
Chapter 15, part 1:
“I knew I had fallen in love with Lolita forever; but I also knew she would not be forever Lolita. She would be thirteen on January 1. In two years or so she would cease being a nymphet and would turn into a “young girl,” and then, into a “college girl”–that horror of horrors. The word “forever” referred only to my own passion, to the eternal Lolita as reflected in my blood.”
I feel like Humbert would like this line from a book that’s also largely about an adult and a minor:
“It was perfect, and the thing about perfect is, it can’t last. Perfect has to end or it wouldn’t be perfect.” American Thighs, Elizabeth Ellen
Humbert cares more about his fantasies and perceptions than about reality. I’ve never agreed with the argument that love is a drug, but I would be more inclined to agree that lust is. He is so consumed by his idea of perfection that he stops considering the objective truth of reality.
I haven’t vomited yet, but I’m worried I will soon. I hate feeling nauseated.
Chapter 16, part 1:
There’s a knot in my stomach and it won’t go away.
Chapter 23, part 1:
Charlotte is run over a car after leaving the house threatening to report Humbert to the police.
Chapter 31, part 1:
“Dolores Haze was born less than three hundred miles from stimulating Cincinnati. I have but followed nature. I am nature’s hound. Why then this horror that I cannot shake off? Did I deprive her of her flower? Sensitive gentlewomen of the jury, I was not even her first lover.”
Humbert’s shame is catching up with him but he still doesn’t allow it to sit long enough to change his course of actions. As soon as he catches a glimpse of it, he pushes away the accountability just as quickly.
End of chapter 32:
I’m afraid I’ll actually throw up when I go to the bathroom. Except I can’t, because the RAs typically make their rounds at this time of night (11:53 p.m.), and I don’t want to have to explain to anyone that I threw up because of Lolita, that I threw up because of a book. They probably wouldn’t care because they don’t get paid enough to, but still, it’s pathetic-sounding to say out loud, that you puked because of fiction.
Chapter 33, part 1:
“At the hotel we had separate rooms, but in the middle of the night she came sobbing into mine, and we made it up very gently. You see, she had absolutely nowhere else to go.”
That second sentence is probably the most evil line in all of part 1. I’m horrified that anyone real or fictional would think like this. I hate it I hate it I hate it I hate it.
Chapter 1, part 2:
Humbert uses tactics to keep the incestuous relationship a secret that are literally grooming but of course he won’t call it that or admit that. First he spoils Dolores/Lolita by buying her everything she wants. Then he threatens to send her off to a farm if she misbehaves. Then by saying he’ll protect her for forever by becoming her guardian. Except he’s deliberately harming her for his own sick benefit. Then by quoting some dated, obviously wrong psychology book mentioning that dads having sex with daughters is nothing to be looked down upon. Then by saying if she tells anyone she’ll become a ward of the state and she’ll get horrifically treated. I feel a great urge to take a shower with bleach. I think after finishing this book, I’ll need to watch nothing but golden retriever videos on YouTube for a month straight. Humbert, you sick fuckwad, don’t drag semantics into this, semantics didn’t do anything to you, leave my precious sub-branch of structural linguistics alone. I’ll send Bad Phonetics Man after you to haunt your soul for forever. “Every morning during our yearlong travels I had to devise some expectation, some special point in space and time for her to look forward to, for her to survive till bedtime. Otherwise, deprived of a shaping and sustaining purpose, the skeleton of her day sagged and collapsed.”
Chapter 3, part 2:
“...I still dwelled deep in my elected paradise–a paradise whose skies were the color of hell-flames–but still a paradise.”
Humbert is trapped in a hell of his own making but he still enjoys it. Is he lying to himself or being truthful? I can’t tell. I don't think that we, as readers, are meant to tell.
Chapter 7, part 2:
“I am now faced with the distasteful task of recording a definite drop in Lolita’s morals.”
Oh, yes, go ahead and blame the girl who is your victim. Humbert’s morals are the only ones dropping, his grooming and authoritarian parenting tactics are wearing Dolores/Lolita down.
Chapter 15, part 2:
“You must be careful. There are things that should never be given up. You must persevere. You should try to be a little nicer to me, Lolita. You should also watch your diet. The tour of your thigh, you know, should not exceed seventeen and a half inches. More might be fatal (I was kidding, of course). We are now setting out on a long happy journey. I remember–”
Is she going to sob every night? Where is her happiness?
Chapter 16, part 2:
Humbert rips her shirt off. I gag in the bathroom. I don’t throw up.
Chapter 30, part 2:
“I was weeping again, drunk on the impossible past.”
Finished: Saturday, October 4, 2025
Since I’m done with the book now, I’m now reminded of three things:
Owen, my English 1B classmate from community college. He only got 2 / 3 of the way through the book and then never picked it up again. He, too, became nauseated while reading. In this one sense, I guess I won. I wonder how he’s doing now. I’ll never know. I wish I did.
Virgin by Flower Face:
Notable lyrics
It didn't get me closer to the god I want to know / It doesn't mean a thing to me / It doesn't make me yours / It doesn't make me less of who I used to be / Doesn't mean a thing to me
Heart Shaped Bed by Nicole Dollanganger
Notable lyrics
So get the room with the heart shaped bed / Make something gross feel romantic / Make me so no one will ever want me again / 'Cause when I slept with faith, I only / Found a corpse in my arms on awakening
I actually listened to this audio book about 2 years ago, yet it's stuck with me ever since.
It's safe to say that Humbert and his depravity are more than simply just uncomfortable to witness and I could definitely see how this book might lead some people to drop it due it's portrayal of the abuse Dolores suffers in Humbert's presence.
For anyone completely unfamiliar with the story, here's an important piece of information to keep in mind: Humbert is an unreliable narrator through and through. Any kind of horrendous act, perverse thought, or description of abuse will be described through his warped lense of reality. Only rarely will you see a crack that lets slip how Dolores actually feels. Though, anyone reading can surely put 1 and 1 together by themselves.
I definitely wouldn't recommend this book to everyone. If you can handle a story of abuse, CSA described through a warped, positive view of the narrator and the dawning realisation of how accurate to real life this story might be, then by any means go for it. If you can't, then that is completely understandable as well.
It made me sick but I have great respect for the books concept and how the author decided to structure and to write it.
It all felt like a well fitting puzzle where you know the image and the outcome beforehand and therefore everything goes as it’s supposed to go. Like a fate that can’t be changed even though one tries to very desperately.
Especially the end felt like all the pieces would come together and I love how the author managed to write it from the perspective of H.H who already was in custody so I read it with an eerie feeling about what’s going to happen but at the same time I read it knowing how it is going to end and that felt quite soothing because otherwise I wouldn’t have been able to read this not knowing how it is going to end.
I am definitely going to reread it sometime also because I found the language quite hard (English is not my first language) wich is obvious because it’s actually pretty old. But besides that I am also going to reread it because I haven’t quite processed it yet. :)
Ich hab's geschafft. Mit vielen Pausen und Konzentrationsverlust. Zu Beginn war das Buch noch spannend — wenn auch verstörend. Danach ist auch vielen hundert Seiten nichts mehr passiert
Ich liebe den Schreibstil und hasse Humbert Humbert. So sollte es auch sein.
„Es ist das Zeichen eines gebildeten Geistes, einen Gedanken zuzulassen, ohne ihn zu akzeptieren.“ – Aristoteles (Paraphrase)
Deswegen kann man auch Bücher lesen, die aus Sicht eines Täters geschrieben sind oder das von einem Mensch handelt, mit dessen Einstellungen man nicht übereinstimmt. Sollte man sogar.
Lolita ist ein gutes Beispiel.
Jemand der das liest und denkt sich -ja, seh ich auch so, der hatte vorher schon einen Schaden. Dieses Buch ist sprachliche Raffinesse. Genau so manipulieren viele solcher Täter. Es ist ein grandios poetisch geschriebenes Werk über Abartigkeit und Macht spiele. Man muss nur wissen, dass man manipuliert werden soll. Von vorne bis hinten. Das Vorwort und das Nachwort sind selbst eine Manipulation und der Zwischenteil sowieso, inhaltlich so wie zum Leser selbst. Denn wir sind die, die über ihn urteilen sollen.
Lolita ist eine Art von Buch, das ich vorher und hinterher nie wieder gelesen habe. Zu recht umstritten und von vielen gemieden. Ich schwankte zwischen Bewunderung für Nabokovs Schreibweise und dem Drang das Buch beiseite zu legen weil ich es nicht mehr ertragen habe. Wer den Kern der Geschichte verstehen will, der wird ihn auch verstehen. Genial und aufreibend zugleich.
Vorab: Auf meinem Instagram-Kanal (@calidocreates) habe ich eine ausführliche Analyse zu einzelnen Passagen von Lolita geteilt und diese kritisch beleuchtet. Eine Rezension in dieser Form kann leider nicht all das abdecken, was dieses Buch an Komplexität, Kritik und Diskussionsbedarf mitbringt.
Es fällt mir unglaublich schwer, Lolita zu rezensieren. Ich versuche es dennoch.
„Lolita" erzählt die Geschichte des französischen Literaturprofessors Humbert Humbert, der sich von klein auf zu „Nymphets" (jungen Mädchen) hingezogen fühlt.
Als er in das Haus der Witwe Charlotte Haze zieht, verfällt er deren zwölfjähriger Tochter Dolores („Lolita") und heiratet Charlotte nur, um ihr nahe zu sein. Nach Charlottes plötzlichem Tod wird Humbert Lolitas Vormund und nutzt Geschenke, Reisen und strenge Regeln, um sie zu kontrollieren.
Der Roman ist als Humberts Memoiren konstruiert, eingeleitet von einem fiktiven Vorwort des Psychologen John Ray Jr., das Humberts Wahnsinn betont und den Text als bewusst verzerrte Erzählung kennzeichnet. Nabokov nutzt diese Form, um zu zeigen, wie Sprache manipuliert und Wahrheit verdreht werden kann.
So wird Lolita zu mehr als einer Erzählung über Missbrauch - es ist eine Reflexion über die Macht der Sprache; wie Kunst zur Waffe werden kann, wenn sie nur dazu dient, Kontrolle auszuüben und Schuld zu verschleiern; und/ vor allem über moralische Verantwortung.
Wie bewertet man ein Buch, dessen Sprache so betörend schön ist und dessen Inhalt zugleich so abstoßend und schmerzhaft bleibt? Wenn ich nur Nabokovs Handwerk beurteilen müsste, wäre es überragend. Er erschafft einen unzuverlässigen Erzähler von solcher Brillanz, dass man sich unweigerlich in Humberts Gedanken verliert und genau darin liegt die perfide Kraft dieses Romans.
Aber der Inhalt. Die Thematik. Sie brennt sich ein. Ich habe geweint, ich habe den Kopf geschüttelt, ich war wütend und gleichzeitig sprachlos, weil diese Sprache alles in ein ästhetisches Gewand kleidet, was man niemals schön finden darf. Nabokov schafft es, dass man mitleidet, mitfühlt, mitdenkt und gleichzeitig erkennt, wie sehr man manipuliert wird.
Lolita ist kein Liebesroman. Es ist ein sprachliches Meisterwerk, das aufzeigt, wie die Worte und Handlungen eines Tätern verführen, verschleiern und verzerren können und ein Buch, das einen mit einer Wucht zurücklässt, die man nicht so schnell loswird.
Zugegeben, ich habe mich lange nicht an das Buch getraut und mich vollständig auf die Rezeption des Themas in der Popkultur verlassen. Die Romantisierung von Kindesmissbrauch wird offen zelebriert. Popstars inszenieren sich als Lolita wie bspw Sidney Sweeney letztens. Lana del Rey macht aus dem Thema einen verruchten Popsong, auf TikTok finden sich romantische Zusammenschnitte des Films - es ist ekelhaft.
Es war der ausdrückliche Wunsch des Autors, das Buch niemals mit einem Mädchen auf dem Cover zu veröffentlichen... Und ich weiß jetzt auch wieso.
Das Buch beschönigt nichts. Wir sind für über 300 Seiten im Kopf eines narzisstischen Manipulators gefangen, der offen seine Pädophilie auslebt und sich dabei selbst als Therapeuten bezeichnet, der ganz nach freudscher Manier die wildesten Thesen über seine "Nymphets" aufstellt.
Und gleichzeitig wartet das Buch mit dem schönsten Englisch auf, das ich seit langem gesehen habe. Die Diskrepanz zwischen Inhalt und Ausführung ist elektrisierend - es fiel mir schwer bestimmt Passagen nicht mit einem " das ist richtig gut!" statt einem "boah, ist das eklig!" in meinen Gedanken zu kommentieren. Sprachlich und handwerklich ist das hier ein Genuss und der Autor erreicht genau das, was er mit seinem Protagonisten erreichen wollte: Leser mit einer schönen Fassade zu blenden.
Das hier ist eine Horrorgeschichte aus Sicht des Täters, keine Liebesgeschichte. Wie man hier auch nur ansatzweise etwas romantisches rauslesen kann, ist mir schleierhaft.
Lolita besticht durch einen außergewöhnlich ästhetischen Stil, der in starkem Kontrast zur moralisch zutiefst verstörenden Handlung steht. Das Buch versetzte mich in seiner melancholisch-verklärten Atmosphäre in einen Lana Del Reys Song- insbesondere die Reise durch die USA entfaltet eine fast träumerische, zugleich bedrückende Bildsprache. Das Ende wirkt tranceartig, wie ein schwer greifbarer Traum. Literarisch beeindruckend, zwingt der Roman dazu, sich mit der Perspektive eines Täters auseinanderzusetzen – ein kraftvolles, unbequemes Werk, das lange nachhallt!
Das Thema hätte viel mehr hergeben vor allem hat mir die Sichtweise von Lolita gefehlt. Ich hab das Buch vor 20 Jahren schon einmal angefangen und dann nicht weiter gelesen und eigentlich hätte ich es da auch gut sein lassen müssen. Es lohnt nicht zu lesen viel zu langatmig
Das ist definitiv ein Buch, das man immer wieder lesen kann und immer wieder das neues entdecken wird
Das Buch war schon sehr lange auf meinem SuB und ich habe mich lange nicht daran getraut, hier nun aber meine Rezension dazu:
Lolita ist ein Buch, das mich emotional zutiefst herausgefordert und oft angewidert hat.
Bei einigen Sätzen habe ich mich gefragt wie zur Hölle jemand so etwas schreiben kann, ohne ein Psychopath zu sein… Nabokovs Protagonist H.H und seine verstörende Obsession sind auf jeden fall sehr schwer zu ertragen.
Und doch habe ich noch nie eine Prosa erlebt, die so betörend schön, so kunstvoll war und mich sprachlich so verzaubert hat. Jeder Satz ist ein Meisterwerk, eine perfekte Melodie aus Sprache und Doppeldeutigkeit.
Trotz des schwierigen Themas war das Buch fesselnd und erstaunlich leicht zu lesen, obwohl es voller tiefgründiger Gedanken, literarischer Verweise und psychologischer Komplexität steckt. Die Charaktere, vor allem der manipulative Humbert und die ambivalent dargestellte Dolores „Lolita“ Haze sind unvergesslich und verstörend zugleich.
Letztendlich hab ichs gehasst und geliebt!! Selten habe ich mir in einem Buch so viel notiert und selten habe ich ein Buch gelesen, in dem man den Protagonisten so hasst.
Eins steht definitiv fest: wegen der unvergleichbaren Sprache werde ich es auf jeden fall mehrmals rereaden und auf keinen Fall so schnell vergessen!
Das erste Buch, das ich jemals auf englisch gelesen habe und das alles wegen einem Lied von Lana del Rey..
Es hat sich gelohnt, zumindest wenn man von dem verstörenden Teil absieht (also mehr oder weniger dem ganzen Buch…)
Abgesehen davon war es großartig, vor Allem was den Schreibstil betrifft. Ich glaube man kann sich gar nicht vorstellen, wie schwierig es ist so ein Buch zu schreiben..
Schreibstil: 5/5
Thema: -
Charaktere: -
Pacing: 3/5
Besondere Momente: 4/5
Lolita sollte für uns alle - Eltern, Sozialarbeiter, Erzieher - Anlass sein, uns mit noch größerer Wachsamkeit und Hellsicht der Aufgabe zu widmen, eine gesündere Generation in einer weniger unsicheren Welt großzuziehen.
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Lolita stand schon sehr lange auf meiner Liste der Bücher die ich unbedingt lesen wollte.
Bücher die so verschieden wahrgenommen werden und gefühlt von der Hälfte gehasst wird, wärend der Rest es verehrt interessieren mich sehr.
Einfach weil ich es spannend finde, wo ich mich nach dem Lesen wieder finden werde.
Lolita ist keine einfache Kost in vielerlei Hinsicht.
Da die meisten wissen worum es sich bei der Geschichte handelt, verwundert das nicht.
Aber ich möchte hier auf etwas anderes eingehen und hervorheben: Nabokov hat einen unfassbar schönen Schreibstil den ich mir in der modernen Literatur mehr wünschen würde.
Die Eleganz mit der er unfassbare Dinge beschreibt ist faszinierend.
Ich sass mehr als einmal vor dem Buch, angewiedert von der Szene, aber entzückt von der Kunst des Schreibens.
Das meine Bewertung nicht höher ausfällt liegt daran das ich viele Stellen im Buch, obwohl ich die Wortgewandtheit geliebt habe, als sehr zäh und etwas langweilig empfand.
Aber genug davon: hier zwei Vorgeschmäcker der Schreibkunst die euch in Lolita erwartet:
"Er riet mir, Golf zu spielen, war aber schließlich bereit, mir etwas zu geben, das angeblich «wirklich wirken» würde; er ging an seinen Medizinschrank und nahm eine Phiole voll violettblauer Kapseln mit einem Purpurstreifen an einem Ende heraus; nach seinen Worten handelte es sich um ein neues Mittel, gerade erst auf den Markt gekommen und nicht für Neurotiker bestimmt, welche schon ein geschickt verabfolgter Schluck Wasser beruhigen könne, sondern nur für schlaflose große Künstler, die jede Nacht ein paar Stunden lang sterben müssten, um Jahrhunderte zu leben."
Und zum Abschluss:
"Moral ist für den Sterblichen der Preis, Dass er von sterblich Schönem weiß."
That I chose to read this book in German, having never read the English, is probably one of the major factors why I am "only" rating it with 4 stars. It was magnificent from start to finish (with the small exception of a slightly boring 50 or so pages in the middle) but I feel like I may have lost even more magnificence in the translation.
I highly recommend it to anyone. Yes the topic is a very uncomfortable one and the fact that it is written from the male protagonist's perspective makes it difficult to justify at times. But it is still a fascinating read.
Leider fiel es mir schwer, in Lolita hineinzufinden. Obwohl die Geschichte zweifellos ein ungeschlagener Klassiker ist, empfand ich es als verstörend, wie eindringlich und schonungslos pädophile Gedanken geschildert werden. Der literarische Rang des Romans ist unbestreitbar, doch für mich bleibt es eine einmalige Erfahrung – ein zweites Mal muss ich dieses Buch nicht lesen.
ich will nie wieder das wort nymphette lesen, uff.
ok. das war eines der krankesten, faszinierendsten und abgründigsten bücher, die ich je gelesen habe. unser protagonist war zudem der schrecklichste und manipulativste mensch, dessen gedanken ich je begleiten "durfte". das war teilweise auch unerträglich, und ich wusste echt oft nicht, ob ich wirklich weiterlesen will. dafür war es dann aber doch zu spannend. der schreibstil nabokovs war auch echt einzigartig, gerade wenn die vierte wand durchbrochen und wir lesenden direkt angesprochen werden. das ende war für mich irgendwie erwartbar (und wird anfangs ja auch so angedeutet), keine ahnung, wie zufrieden ich damit bin. und ich weiß auch nicht, ob ich es je nochmal lesen oder empfehlen würde.
Selten war ich so von einem Buch gelangweilt. Der Erzähler ist sehr manipulativ, es passiert irgendwie nichts und die Sprache war zwar sehr schön aber schwer zu verstehen. Trotzdem gewinnt man einen sehr guten Einblick in die Gefühle und Handeln des Erzählers, zu welchen man nicht relaten kann, da sie sehr abstoßend sind.
Nach anfänglicher Abscheu, muss ich feststellen, dass mich das Buch dann doch noch sehr gefesselt hat. Nabokov ist ein Meister bildlicher Sprache, so viel steht fest.
Wer dieses Buch als eine Art verdrehte Liebesgeschichte ansieht, hat den Sinn definitiv nicht verstanden.
Es ist eine leidenschaftliche Obsession, die nicht nur das Leben der Lolita auf tragische Weise zerstört sondern auch viele andere in den Abgrund reißt. Trotzdem will ich mich nicht auf eine Interpretation des Buches festlegen. So etwas habe ich bisher noch nicht gelesen, weswegen ich es auch nicht bereue, es getan zu haben.
loved the writing style and the scenery descriptions…. the story is questionable but its a must read discussable classic… I bought another Nabokov book after reading this…
Vladimir Nabokovs LOLITA ist ein literarisches Meisterwerk, das gleichermaßen fasziniert und verstört. Der Roman erzählt die Geschichte des gesellschaftlich gut gestellten, aber moralisch verkommenen Humbert Humbert, der von der zwölfjährigen Dolores Haze, welche er Lolita nennt, besessen ist. Was zunächst wie eine verbotene Liebesgeschichte erscheint, entpuppt sich als erschütternde Chronik von Manipulation, Machtmissbrauch und seelischem Leid.
Nabokovs Sprache ist ein Wunderwerk der Ambiguität und Ästhetik. Seine kunstvollen Wortspiele und die ironische Erzählstimme kontrastieren mit dem dunklen Thema des Romans. Dieser stilistische Glanz zwingt den Leser, sich mit der Diskrepanz zwischen der Schönheit der Form und der Abscheulichkeit des Inhalts auseinanderzusetzen. Der Roman stellt dabei fundamentale Fragen nach Moral, Schuld und der Rolle des Einzelnen, die er dazu einnimmt. Nabokov macht es dem Leser dabei nicht einfach, denn er präsentiert uns einen unzuverlässigen Erzähler, wie es auch Max Frisch in seinem Jahrhundertroman HOMO FABER tut. Der Erzähler ist Humbert Humbert selbst und es ist die Aufgabe des Lesers in seinen Ausflüchten, Beschönigungsversuchen und emotionalen Apellen, den wahren Kern der Geschichte zu entdecken. Und dies ist weder die einer lasziven Verführerin, noch die einer verbotenen Liebe. Es ist die Geschichte eines Mannes, der über einen langen Zeitraum eine 12jährige immer wieder vergewaltigt und durch Erpressung abhängig macht. Eine Leseleistung, deren Herausforderung zu zahlreichen Fehlinterpretationen geführt hat. Selbst Regisseure wie Kubrick haben in ihrer Interpretation von Nabokovs LOLITA es nicht geschafft, diese Tatsache deutlich zu machen, sondern Lolita verführerische Tendenzen angedichtet.
Trotz oder gerade wegen seiner kontroversen Thematik bleibt LOLITA ein herausfordernder, aber essentieller Roman, der definitiv keine Geschichte über Liebe ist, sondern vielmehr eine Studie über Besessenheit, Macht und die dunklen Abgründe der menschlichen Psyche.
"Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-li-ta."
Wahnsinniger Schreibstil. Ich war die ganze Zeit zwischen abartig angeekelt und voller Bewunderung für die Geschichte.
Krasse Thematik.
Es ist zu keiner Zeit pornographisch und nur angedeutet. Worüber ich froh bin.
Humbert beschreibt dem Leser seine Jugend und wie er sich zu minderjährigen Mädchen hingezogen fühlt. 9-12/13 sind sie ihm gerade recht.
Er erklärt im ersten Teil der Geschichte warum das so ist und bezieht den Leser mit ein. Das war schwer ertragbar. Aber dennoch so gut geschrieben!!
Er verliebt sich in Dolores. Seine Lolita. Um ihr nahe sein zu können, heiratet er ihre Mutter. So kann er Dolores berühren.. wenn auch nur väterlich. Doch die kleine vorlaute Dolores merkt die sexuelle Spannung dabei.
Im Prinzip ist das eine pausenlose Vergewaltigung. Auch wenn es nicht zum Akt kommt.
Der Leser kann nur erahnen was Dolores die ganze Zeit angetan wurde.
Im zweiten Teil geht es um die Reise durch die USA von Humbert und Dolores. Er ist ihr Stiefvater und den spielt er auch gut.
Wie gesagt, der Schreibstil ist so fesselnd. Man glaubt hier ein Geständnis zu lesen und ist im Kopf von Humbert. Seine Gedanken und Ansichten sind „verständlich“ aufgedröselt.
Man liest auch nur seine Gedanken. Ein Wechsel der POV wäre noch beeindruckender gewesen. Deshalb werde ich mir direkt das Buch „Bye bye Lolita“ holen.
Ich habe Lolita gelesen, da es in "Meine dunkle Vanessa" so viele Anspielungen gab. Dafür kann ich sagen, hat es sich gelohnt. Lolita zu kennen, hebt den anderen Roman nochmal auf eine andere Ebene
Literarisch war Lolita durchaus ansprechend geschrieben, jedoch ist es an manchen Stellen wirklich langatmig. Hinzu kommt, dass man manche Szenen wohl einfach durchstehen muss. Humbert Humbert ist ein Widerling und Perverser und wirklich schwer zu ertragen.
Sehr aufschlussreich fand ich das Nachwort zur amerikanischen Fassung. Der Autor rückt seine Figuren und seine Intention zu diesem Roman nochmal in ein anderes Licht.
Solid 5 stars for the masterwork. Two stars for the story.. I can't give it more stars, because despite the splendid writing this is not a story that will stay with me, nor will I ever re-read it. It's too darkly human for my taste.
However, it's brilliance is undisputable. How masterfully craftet do your characters have to be for the reader to become compassionate towards a paedophile! The eloquent writing, the inventive worldplay, the involving narrative all deserve full 5 stars.