Ein außergewöhnliches Buch mit einer ungewöhnlichen Geschichte
Vaim ist ein außergewöhnliches Buch mit einer ungewöhnlichen Geschichte.
Worum geht es?
Das Buch erzählt in drei Teilen von zwei ungewöhnlichen Beziehungen. Eine Frau und zwei Männer, dazwischen eingeschoben erzählt ein Freund einer der Männer vom Leben und vom Tod.
Ich mag den Stil von Jon Fosse. Seine Art zu schreiben und Geschichten zu erzählen. Auch hier wieder, eine Parabel auf das Leben, den Tod. Was ist der eigene Willen, was ist Vorsehung, was bestimmen andere für einen. Die Geschichte öffnet einen Lebenskosmos aus Sicht von drei Personen. Alles ist verwoben und Leben berühren einander. Die Gedanken fließen und drehen sich im Kreis.
Monoton, wiederholend, langweilig. Den versprochenen "feinen Humor" habe ich gesucht und weder ge- noch empfunden. Eine Dreiecksgeschichte aus drei Perspektiven in einer tristen Beschreibung von Norwegen. Mühevoll in langen Sätzen ohne Satzendungszeichen verpackt. Die Schicksale rühren mich auch nicht. Literaturnobelpreis hin oder her - meins ist es nicht. Und muss es ja auch nicht werden.
VAIM
Jon Fosse
ET: 12.12.25
„Vaim“ ist für mich das erste Buch des Literaturnobelpreisträgers von 2023, entsprechend groß war meine Neugier auf diesen Roman.
Jatgeir lebt als Fischer ein zurückgezogenes Leben in Vaim, einem fiktiven Ort in den norwegischen Fjorden. Sein Boot hat er einst nach seinem Jugendschwarm Eline benannt – ohne dass sie je davon wusste. Seine Eltern sind mittlerweile verstorben, und nur sein einziger Freund Elias besucht ihn gelegentlich.
Als Jatgeir eines Tages nach Bjørgvin fährt, um ein paar Besorgungen zu erledigen, taucht plötzlich und völlig unerwartet Eline selbst vor ihm auf – mit gepacktem Koffer und der Bitte, ihn zu begleiten. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen, am besten findet ihr selbst heraus, welche Rolle ihr Mann Frank und dessen bester Freund in dem Roman spielen, denn auch sie mischen kräftig mit.
In drei Teilen kommen drei Männer zu Wort, deren Perspektiven sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen. Jon Fosse überzeugt dabei mit seinem ganz eigenen, ruhigen Schreibstil, der von Wiederholungen geprägt ist – ein Stilmittel, das mir überraschend gut gefallen hat.
„Vaim“ ist ein leises, nachhallendes Buch, das sich nicht überstürzen lässt. Obwohl der Roman mit nur 156 Seiten recht schmal ist, habe ich mir drei Tage Zeit dafür genommen. Man muss langsam lesen, den Text wirken lassen und ihm Raum geben, damit er sich vollständig entfalten kann.
Fazit:
Ein feines literarisches Schmankerl, das ich sehr gern weiterempfehle.
4/5
Still liegt der Fjord da, als hätte er beschlossen, jedes Wort zu verschlucken. In dieser Stille beginnt Vaim zu wirken: nicht laut, nicht drängend, sondern wie ein langsamer Strom, dem man sich irgendwann widerstandslos hingibt. Jon Fosse erzählt nicht, er umkreist. Gedanken kehren zurück, Sätze atmen, als würden sie prüfen, ob sie wirklich gesagt werden müssen. Das Lesen wird zu einem Zustand, nicht zu einer Handlung.
Jatgeir ist ein Mann, der sich treiben lässt, vom Wasser wie von seinem eigenen Leben. Seine Fahrt in die Stadt, diese scheinbar banale Besorgung, entfaltet eine leise Tragikomik, in der sich Entfremdung, Kränkung und Sehnsucht bündeln. Besonders eindringlich ist die Rückkehr zu Eline, deren Entschiedenheit wie ein Kontrapunkt zu seiner Passivität steht. Sie ist keine Projektionsfläche, sondern eine Kraft, die den Raum verändert, sobald sie ihn betritt.
Die Dreiecksbeziehung entfaltet sich nicht als Drama im klassischen Sinn, sondern als inneres Beben. Vieles bleibt unausgesprochen, schwebt zwischen den Zeilen, fordert Geduld und Aufmerksamkeit. Manchmal wünschte sich mein Herz etwas mehr Halt, etwas mehr narrative Erdung. Doch gerade diese Zumutung gehört zu Fosses Wahrheit: Leben ist Wiederholung, Zögern, ein ständiges Kreisen um das, was man nicht festhalten kann.
Vaim ist kein Buch für Eile. Es ist eines für lange Abende, für Leserinnen, die bereit sind, sich verlieren zu lassen und darin etwas Eigenes zu finden.