Intensive Auseinandersetzung mit Müttern, dem Muttersein, dem Tochtersein oder sich dagegen zu entscheiden
Kein klassischer Roman, eher eine Vielzahl miteinander verwobener Erzählungen.
Feinfühlig geht die Autorin auf Spurensuche der wohl prägendsten Beziehung im Leben, und dabei lässt sie kaum etwas aus, widerspricht dem traditionellen Mythos.
Im Fokus stehen der Zweifel, die überwältigende Zärtlichkeit und eben die Leerstellen, auch Themen wie Krieg und Herkunft werden beleuchtet.
Ein wellenschlagendes Hörereignis, ich fühlte mich erkannt und erweitert, und habe mich vielen Erinnerungen gestellt!
Das Buch ist kein klassischer Roman, sondern eine Ansammlung an Erzählungen und Gedanken rund um das Mutter sein.
Ich persönlich habe sogar manchmal schmunzeln müssen, da mir die Sätze so bekannt vorkamen.
Das Buch wird in verschiedenen Sichten geschildert und das macht es auch so einzigartig.
Ein wirklich gelungenes Buch über das Mutter sein und von mir eine klare Leseempfehlung🩷💕🩷💕
Lena Goreliks „Alle meine Mütter“ ist ein leiser, kluger und zutiefst bewegender Text, der sich auf eindringliche Weise mit einer der prägendsten Beziehungen unseres Lebens auseinandersetzt: der zwischen Mutter und Kind. Dabei verzichtet der Roman bewusst auf eine klassische, durchgehende Handlung und entfaltet seine Wirkung stattdessen in einer collageartigen Struktur aus Gedanken, Erinnerungen, Beobachtungen und kleinen erzählerischen Fragmenten.
Gerade diese Form macht das Buch so besonders. Die unterschiedlichen Perspektiven – mal aus Sicht von Müttern, mal aus der von Töchtern – eröffnen ein vielschichtiges Bild von Mutterschaft, das weit über gängige Klischees hinausgeht. Gorelik idealisiert nicht, sondern zeigt Mutterschaft in all ihren Facetten: liebevoll, überfordernd, widersprüchlich, schmerzhaft und beglückend zugleich. Themen wie Verlust, Zweifel, Identität und gesellschaftliche Erwartungen werden sensibel und reflektiert verhandelt.
Besonders eindrücklich sind jene Passagen, die oft unsichtbare Realitäten sichtbar machen: Mütter von kranken Kindern, Mütter, die ihre Kinder verloren haben, Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch oder solche, die sich bewusst gegen Mutterschaft entscheiden. Dadurch öffnet das Buch den Blick über die eigene Erfahrung hinaus und macht Mutterschaft als gesellschaftliches und zutiefst persönliches Thema gleichermaßen greifbar.
Stilistisch ist das Buch ruhig, klar und zugleich poetisch. Gorelik formuliert präzise, oft beinahe tastend, als würde sie Gedanken beim Entstehen begleiten. Immer wieder lädt der Text zum Innehalten und Nachdenken ein. Viele Passagen haben eine fast essayistische Qualität und regen dazu an, die eigenen Erfahrungen und Prägungen zu hinterfragen. Trotz seiner thematischen Schwere bleibt das Buch zugänglich. Es ist kein lautes, dramatisches Werk, sondern eines, das seine Wirkung in der Stille entfaltet. Ein Buch, das keine Antworten vorgibt, sondern Fragen stellt – und genau darin lange nachhallt.
„Alle meine Mütter“ ein kluger, feinfühliger und vielschichtiger Roman über Herkunft, Identität und Beziehung. Ein Buch, das berührt, ohne zu überfordern, und das seine Leserinnen und Leser dazu einlädt, sich selbst und die eigene Geschichte neu zu betrachten.
Man schlägt dieses Buch auf und merkt ziemlich schnell: Hier wird nichts beschönigt. Lena Gorelik schreibt über Mütter und plötzlich sitzt man da und denkt an die eigene. An Sätze aus der Kindheit, an Augenrollen am Küchentisch, an Momente, die man längst vergessen glaubte. Schon verrückt, wie schnell einen so ein Buch erwischt.
Alle meine Mütter ist kein klassischer Roman, eher eine sehr persönliche Reise durch Mutterschaft, Erwartungen und diese merkwürdige Mischung aus Liebe, Druck, Nähe und Distanz. Gorelik schreibt brutal ehrlich, manchmal fast schon entwaffnend offen. Beim Lesen hatte ich mehr als einmal das Gefühl, bei Gedanken zuzuhören, die man selbst kennt, aber selten laut ausspricht.
Besonders stark ist, wie viele verschiedene Formen von Mutterschaft hier auftauchen. Gewollt, ungewollt, voller Zweifel, voller Sehnsucht. Da wird nichts idealisiert. Stattdessen stolpert man gemeinsam durch Ängste, Hoffnungen und diese ewige Frage, ob man eigentlich alles richtig macht.
Und während man liest, merkt man plötzlich: Dieses Buch handelt nicht nur von Müttern. Es handelt davon, wie sehr uns Menschen prägen, auch wenn wir längst erwachsen sind. Manche Seiten haben mich zum Schmunzeln gebracht, andere waren überraschend still und nachdenklich.
Am Ende bleibt ein warmes, leicht melancholisches Gefühl. Wie nach einem langen Gespräch über Familie, bei dem man viel gelacht hat und am Ende doch kurz schlucken muss. Genau solche Bücher bleiben im Kopf.
ALLE MEINE MÜTTER - Lena Gorelik - Rowohlt - ET 13.03.2026 - 272 Seiten
Worum geht‘s?
Mütter und Töchter und alles dazwischen
Stimmen zum Buch:
«TIEF BEWEGEND, BRUTAL EHRLICH:
EINFACH WUNDERBAR.» Doris Dörrie
Zur Autorin:
Lena Gorelik, 1981 in St. Petersburg geboren, kam 1992 mit ihren Eltern nach Deutschland. Ihr Roman «Hochzeit in Jerusalem» (2007) war für den Deutschen Buchpreis nominiert, «Mehr Schwarz als Lila» (2017) für den deutschen Jugendliteraturpreis, 2021 erschien ihr Roman «Wer wir sind» und wurde begeistert besprochen. Regelmäßig schreibt Lena Gorelik Essays zu gesellschaftlichen Themen, u.a. für die Süddeutsche Zeitung oder Die Zeit. 2024 wurde sie mit dem Heinrich-Mann-Preis für Essayistik ausgezeichnet, 2026 mit dem Preis der Literaturhäuser. Im selben Jahr erschien «Alle meine Mütter», ein neuer Roman.
Mein Leseeindruck:
Auch hier fiel mir zunächst das schöne Cover ins Auge. In ihrem Roman geht LG auf Spurensuche, der Roman ist aufwühlend und versöhnend zugleich. Es geht um tiefe Liebe, oberflächliche Liebe, Erbgut, Ungleichheit und Annäherung, Fürsorge, Zweifel, Formen des Glücks, Formen der Mutter- und Tochterschaft. Prägung durch die Mutter, was bedeutet es Mutter zu sein, was und wie verändert es Mutter zu sein? Fragen über Fragen, Antworten über Antworten und ganz viel Platz für Reflexion und Anregung. Horizonterweiternd. Für Freunde von intelligenten Wortspielen. Hat mir gut gefallen und empfehle ich gerne weiter.
Fazit: Eine feines, bildstarkes, interessantes Portrait über Mütter - Töchter - Beziehungen
Eure, Claudia
#Allemeinemütter #rowohlt #neuerscheinung
Viele kluge Gedanken rund um das Thema Mutterschaft- multiperpektivisch, auf so vielen Ebenen nähert und umkreist sie das Thema. Für mich war es dennoch in Teilen zuviel des Guten; fragmentarisches Erzählen erreicht mich nicht immer und das Thema war dann für mich auch auserzählt.