
Hat mich leider nicht ganz überzeugt
Ein Staat von Irren regiert - Auch wenn ich immer wieder über die irren Geschehnisse lachen musste, hat es mich einfach nicht abgeholt.

Hat mich leider nicht ganz überzeugt
Ein Staat von Irren regiert - Auch wenn ich immer wieder über die irren Geschehnisse lachen musste, hat es mich einfach nicht abgeholt.
Die Irren an die Macht!
Ich mochte den Hammer von Stermann sehr. Die Republik der Irren konnte mich nicht so ganz abholen. Ich kann es auch gar nicht so genau erklären, warum. Thema top. Sprachlich wirklich gut.
Amüsant, teilweise aber langatmig
/ 𝔻𝕚𝕖 ℝ𝕖𝕡𝕦𝕓𝕝𝕚𝕜 𝕕𝕖𝕣 𝕀𝕣𝕣𝕖𝕟 // Dirk Stermann / Eine Geschichte, die so hätte kommen können, weil tatsächlich ähnliche Pläne vorhanden waren. Ein kleiner Staat, der gerade die Zugehörigkeit zum Habsburgerreich abgelegt hat, soll von Patienten aus Irrenanstalten geführt werden. Und absolut irre geht es zeitweise zu... Beim Titel könnte man ja meinen, es handelt sich um ein aktuelles Sachbuch - Vorlagen gäbe es genug weltweit. Aber die fiktive Geschichte ist dann doch ein wenig erheiternder als die Realität. Ich durfte den Autor bei einer Buchbesprechung hören und mir das Buch signieren lassen. Leider fand ich es dann nicht ganz so gut wie erwartet, aber es bekommt dennoch einen Platz in meinem Regal.
Die Utopie eines Staates der viele Regeln umwirft und einen doch von einer gerechten Welt träumen lässt. Die dann wiederum von der Gier der Menschheit zerstört wird weil ich manche alles nehmen. Absolut lesenswert.
Ein Hirn ohne Körper war wie ein Reiter ohne Pferd. Dr. Garbini hatte mir von dem Lappen im Gehirn erzählt, dass die Nervenbahnen eines erwachsenen Gehirns zusammengenommen fast sechs Millionen Kilometer lang sind und das Volumen eines Hirns bei einem Menschen mehr als einen Liter umfasst. Wie viele Liter hatte Zino seit unserer Abreise getrunken? Und wieso hatte man ihm was weggeschnitten, obwohl Dr. Garbini sagte, dieses Verfahren stecke noch in den Kinderschuhen? Zino war ein Versuchskaninchen, ein zwei Meter großes. War Fiume auch so ein Versuch? Und wieso fanden der Direktor und seine Freunde Maschinen wertvoller als Menschen? Ich warf einen Stein ins Wasser und sah die perfekten Kreise, die er auslöste. - Zitat, Seite 109 Was in diesem Roman am unglaubwürdigsten klingt, entspricht in der Regel den historischen Tatsachen. Mit diesem Satz leitet der Autor Dirk Stermann, 1965 in Duisburg geboren, und seit 1987 in Wien ansässig, das Nachwort zu seinem aktuellen Werk ein. Denn hier lügt die Klappe nicht, jedes Wort des Textes ist wahr: Erzählt wird schier Unglaubliches, aus einem (gar nicht so?) entlegenen Winkel der Weltgeschichte. So absurd, dass man schrecklich gerne lachen möchte und doch gleichzeitig so unheimlich aktuell, dass einem eben dieses Lachen im Halse stecken bleibt. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht einer (fiktiven) Pflegekraft: Der junge Cherubino soll Zino, den Axtmörder, der nach erfolgreicher Lobotomie als friedlicher, aber schwachsinniger Riese gilt, nach Fiume begleiten, in der Gabriele D'Annunzio (eine reale Figur) nach Beendigung der Herrschaft durch die Habsburger, die Republik ausgerufen hat. D'Annunzio ist Dichter, Kriegsheld und glühender Nationalist. Dessen Freunde: der Baron von Keller von Kellerer und Wolkenkeller (ebenfalls real), ein Flugkünstler, Nudist und Utopist und Benito Mussolini (leider auch sehr realistisch), der die Mission seines Freundes als Versuchsküche seiner faschistischen Träume sieht. Und jetzt sollen Patienten aus den Irrenhäusern Italiens in Fueme zu Ministern der neuen Republik ernannt werden. Was soll da noch schiefgehen? Durch den fiktiven Erzähler Cherubino ergibt sich für die Lesenden eine spannende Perspektive, gleichzeitig wahrt man durch diese eine gewisse Distanz zu den historischen Ereignissen und Figuren, die sehr prägnant und pointiert in Szene gesetzt werden. Hier wird die Satire zur historischen Realität und wir sind in dem rasant erzählten Spektakel gefangen. Der Autor hat sich bestimmt von Dantes Inferno inspirieren lassen, aber dieser Höllentrip ist hochaktuell und brisant in seiner Gesellschaftskritik, die keinesfalls historisch wirkt. FAZIT Zufällig war dieser Roman die perfekte Ergänzung zu der vorherigen Lektüre "Das Lächeln des Dionysos", obwohl der georgische Klassiker bereits 100 Jahre alt ist. Aber die Handlung von "Die Republik der Irren" spielt sich ebenfalls kurz nach dem ersten Weltkrieg ab, und nimmt damit Bezug auf die Auswirkungen auf die Gesellschaft der Nachkriegszeit. Außerdem sind Bezüge zum Mythos des Dionysos und zu Dantes Göttlicher Komödie in beiden Büchern zu finden. Sprachlich und inhaltlich ist der Klassiker dem vorliegenden Roman vielleicht überlegen, doch Dirk Stermann muss sich mit seinem Schreiben sicherlich nicht im Schatten alter Meister verstecken. Sein Stil ist sehr fesselnd und ausdrucksstark und durch die klare Struktur liest sich der Roman wunderbar flüssig. Tatsächlich habe ich die Geschichte in einem Rutsch durchgelesen (wobei manche Passagen sicherlich einen zweiten, oder dritten Blick wert sind). Und dann muss man unbedingt Fueme (heute Rijeka, Kroatien) und D'Annunzio googeln und mit gruseligen Erstaunen Texte und alte Fotos betrachten. Unbedingte Leseempfehlung.