Eine beeindruckende Erzählung, ein Mosaik, eine Katastrophe.
Wer bist du? Wer willst du sein? Wer bestimmt, was du sein darfst? Wer erkennt dich an?
Wir lernen über vier Jahreszeiten lang Pecola kennen. Wir lernen sie zum Beispiel aus der Sicht ihrer Klassenkameradinnen kennen oder aus der ihrer Nachbarn. Ihr größter Wunsch: blaue Augen. Ihre Welt ist geprägt von Gewalt, Rassismus, weißen Regeln und Gesetzen. Ihre Eltern? Geprägt von eben jenem.
Am Anfang kam ich nicht so gut in die Erzählung rein, doch nach und nach konnte ich das Bild immer besser zusammensetzen. Eine tolle Komposition - mit Hintergrundinformationen nochmal beeindruckender, z.B. über die den Kapiteln vorangestellten Auszüge aus damaligen Lesefibeln…
ein buch, das deutlich mehr menschen lesen sollten
Sehr blaue Augen war für mich kein leichtes buch, aber definitiv eines, das lange im kopf bleibt. die themen sind schwer und teilweise wirklich traurig, aber genau deshalb fand ich es so wichtig.
besonders erschreckend ist, wie eindringlich gezeigt wird, was gesellschaftliche schönheitsideale, ausgrenzung und fehlende akzeptanz mit einem menschen machen können. obwohl das buch vor langer zeit geschrieben wurde, wirken viele themen leider immer noch aktuell.
es ist keine geschichte, die nur unterhalten soll. eher eine, die zum nachdenken zwingt und stellenweise auch wirklich weh tut.
für mich sollte dieses buch tatsächlich ein must read in schulen sein. nicht nur wegen der literarischen bedeutung, sondern weil es themen anspricht, über die viel mehr gesprochen werden sollte. eines dieser bücher, die man beendet und nicht einfach direkt wieder vergisst.
Toni Morrison ist eine Vorreiterin ihrer Zeit, daher wollte ich dieses Buch unbedingt mögen. Leider bin ich damit aber gar nicht warm geworden. Sowohl stilistisch als auch von der Story her.
Generell bin ich eh schon kein Mensch, der gerne Geschichten ließt die wahr sein könnten, aber es nicht sind. Dann lieber rine Biographie oder Memoiren. Alles in dem Buch kann genauso passiert sein. Jedoch habe ich einfach keine Verbindung zu den Charakteren aufgebaut. Ich war gerade von den letzten 20 % auch überrascht, auf einmal ist es "eskaliert".
Der Schreibstil war für mich total verwirrend, hab es sowohl auf Englisch als auch Deutsch versucht und es hat keinen Unterschied gemacht, lag also nicht an meinen Englischkenntnissen. Die Abfolge der Zeitsprünge, das hin und her zwischen den Personen... Alles hat mich irgendwie verwirrt.
Ich glaube für die Zeit damals (1970) war das bahnbrechend, aber die Themen die dort behandelt wurden, werden in meinen Augen mittlerweile Gott sei Dank mehr behandelt und für mich auch in leichter zugänglichen oder spannenderen Büchern.
So tiefgründiges, bewegendes Buch! Ich habe dazu gelernt und Toni Morrison als großartige Autorin von schwarzer Literatur für schwarze Personen kennen gelernt.
Ein tolles Buch. In einzigartiger Sprache verknüpft Morrison die Geschichte von Claudia und ihrer Schwester Frieda, zwei Mädchen aus der schwarzen unteren Mittelklasse mit Pecola, einem Mädchen gleichen Alters, das ihrer Familie zugewiesen wird, weil ihre Eltern zeitweise nicht für sie sorgen und das am Rand der Gesellschaft lebt.
Das Buch ist sehr faszinierend und toll geschrieben aber teilweise kaum auszuhalten. Wie Pecola behandelt wird und warum ihre Familiengeschichte so schwierig ist, ist furchtbar.
Kaum zu ertragen auch der Hass und die Abgrenzung, die das Mädchen - selbst von der ich-Erzählerin erfährt.
Sehr bewegend.
„Und neben der Idee der romantischen Liebe lernte sie jetzt noch eine zweite kennen- die von der körperlichen Schönheit.“
Ich finde es sehr schwierig, meine Meinung zu „Sehr blaue Augen“ in Worte zu fassen. Es ist eine unglaublich schonungslose Erzählung, die einerseits viel Wut, aber auch wundervolle poetische Zeilen für den Leser bereithält.
Es war mein erstes Buch der Autorin und ich bin überwältigt von ihrem Debüt! Eine rohe, schmerzvolle und erschütternde Darstellung einer verlorenen Kindheit.
Eine absolute Leseempfehlung! 📚
Wahrheit die den Vorhang der Ignoranz etwas beiseite schiebt…
Geschichten die miteinander verbunden sind und Dialoge die auf eine sehr einfache Sprache zurückgreifen und daher manchmal gefühlslos rüberkommen jedoch sehr viel ausdrücken. Für viele privilegierte Menschen sind die rassistischen Wahrheiten und gedankensgänge schwer nachvollziehbar aber nimmt dem literarischen Wert dieses Buches nix weg.
Ein Buch für dessen Lektüre man an vielen Stellen schon hartgesotten sein muss. Toni Morrison liefert einen schockierenden Blick auf die durch Rassismus verursachte Selbstverachtung von People of Colour in den USA der 40er Jahre. Der Anblick von, aber auch der Blick durch blaue Augen bietet hierauf einen ästhetischen Zugriff. Während alles 'schwarze' als hässlich und rau erscheint, ist das 'weiße' schön und süß und somit erstrebenswert. So soll es ein besonderes Privileg sein mit weißen Puppen spielen zu dürfen, die Hauptfigur wünscht nichts sehnlicher als blaue Augen zu besitzen, eine Mutter kümmert sich mit Hingabe um die Kinder der weißen Familie bei der sie angestellt ist, schlägt aber die eigenen Kinder Zuhause und schwarze Eltern mit "besseren", sprich 'weißen' Jobs, richten ihr Heim nach dem ästhetischen Vorbild der Weißen ein und verbieten ihren Kindern mit denjenigen zu spielen, die sich noch nicht weit genug über das vermeintlich minderwertige 'schwarze' Leben erhoben haben.
Bei dem Buch hätte ich mich lieber für das Buch statt des Hörbuchs entscheiden sollen, da es so viele verschiedene Ebenen und Rückblenden gibt, die es beim Hören schwierig macht nachzuvollziehen. Von der Komplexität und dem strukturellen Aufbau sowie der Erzählstil bin ich begeistert. Hier ist die absolute Feinarbeit und die Liebe zum Detail sichtbar. Hier hätte ich 5 Sterne gegeben. Leider hat mich jedoch die Geschichte nicht mitgenommen und ich musste mich immer zum Hören neu motivieren.
Und neben der Idee von romantischer Liebe lernte sie jetzt noch eine zweite kennen - die von der körperlichen Schönheit. Gewiss die zerstörerischsten Ideen in der Geschichte menschlichen Denkens. Beide wurzelten im Neid, erblühten in der Unsicherheit und endeten in Ernüchterung.
Unbequem, erschütternd und sehr bewegend.
Von immenser Bedeutung ist dieses 1970 erschienene Debüt , ungeschönt wird über Rassismus, Scham, Schönheitsideale , patriarchale Gewalt und das Leben Schwarzer Frauen und Mädchen inklusive Ausbeutung und Ausgrenzung erzählt.
Die Sprache ist direkt, nüchtern und nicht wertend, also ist es an einem Selbst in einen inneren Diskurs zu gehen und dies ist kein einfaches Unterfangen.
Toni Morrison war die erste Schwarze Literaturnobelpreisträgerin zwischen lauter meist weißer Männer.
Beim Lesen von Toni Morrison geht es mir ähnlich wie bei Büchern von Percival Everett oder James Baldwin. Da kommt grosse Bewunderung für das sprachliche Können auf. Morrison schafft es, Beklemmung, Freude und Fassungslosigkeit zugleich auszulösen. Auf den letzten Seiten hatte ich Gänsehaut. Grosse Klasse!
Rassismus, Schönheit und Selbsthass: Toni Morrisons Blick in eine zerbrochene Kindheit
Toni Morrisons Debütroman "Sehr blaue Augen" ist von großer emotionaler Wucht. In klarer Sprache entfaltet Morrison die Tragödie eines schwarzen Mädchens im Amerika der 1940er-Jahre und entlarvt dabei den zerstörerischen Einfluss von Rassismus, Schönheitsidealen und sozialer Ausgrenzung.
Im Zentrum steht Pecola Breedlove, ein schwarzes Mädchen, das in einer von Armut und Gewalt geprägten Umgebung lebt. Pecola glaubt, nur dann liebenswert zu sein, wenn sie „sehr blaue Augen“ hätte, ein Symbol für das weiße Schönheitsideal, das sie verinnerlicht hat.
„Schon vor geraumer Zeit war Pecola zu dem Schluss gekommen, wenn nur ihre Augen anders wären, […], genauer gesagt: schön, dann wäre auch sie selbst ganz anders. […] Jeden Abend, ausnahmslos, betete sie um blaue Augen. (S. 67f.)“
Diese Textpassage bringt den zentralen Schmerz des Romans auf den Punkt: Der Wunsch, jemand anderes zu sein, um überhaupt gesehen zu werden.
Morrison erzählt diese Geschichte aus mehreren Perspektiven, vor allem durch die kindliche Beobachterin Claudia, die der Erzählung eine fragile Unschuld verleiht. Die literarische Struktur ist ebenso originell wie eindringlich: Jeder Abschnitt wird durch Passagen eines vermeintlich heiteren Kinderbuchtextes („Spiel, Jane. Spiel“) eröffnet. Eine ironische Brechung, die die Kluft zwischen weißem Idealbild und schwarzer Realität verdeutlicht.
Morrison schafft Figuren, die in all ihrer Widersprüchlichkeit gezeichnet sind, verletzlich, fehlerhaft, manchmal grausam, und doch zutiefst menschlich. Besonders eindrucksvoll gelingt ihr das bei Pecolas Vater Cholly. Seine Ambivalenz macht deutlich, dass sein Handeln nicht losgelöst von seiner eigenen Geschichte und den gesellschaftlichen Umständen verstanden werden kann. Einfache moralische Urteile greifen hier zu kurz.
Auch auf sprachlicher Ebene ist "Sehr blaue Augen" einzigartig. Morrison verbindet Poesie mit brutaler Realität, Metaphern mit emotionaler Klarheit. Ein besonders kraftvoller Satz lautet:
„Liebe ist niemals besser als der Mensch, der liebt. Böse Menschen lieben böse, gewaltsame Menschen lieben gewaltsam, schwache Menschen lieben schwach, dumme Menschen lieben dumm, aber die Liebe eines freien Mannes ist nie ohne Gefahr. (S. 262f.)"
Diese Reflexion über die Liebe berühren durch ihre Klarheit und Tiefe und zeigen Morrisons Fähigkeit, universelle Wahrheiten in schlichter, ergreifender Sprache auszudrücken.
Fazit:
"Sehr blaue Augen" ist kein leichtes Buch . Es ist schmerzhaft, unbequem und tief bewegend. Seine Stärke liegt darin, ohne Belehrung zu konfrontieren und mit stiller Wucht zu berühren.
Die Schreibweise ist unstrukturiert. Teilweise sind die Sätze stakkatohaft geschrieben. Es wird eine Person nach der anderen betrachtet, dabei aber nur an der Oberfläche gekratzt. Ich habe manchmal gar kein Zusammenhang erkannt und war kurz vor einem Abbruch.
Leider kam ich mit der Geschichte nicht so klar, trotzdem ist mir bewusst, wie wichtig die behandelten Themen sind. Das Nachwort hat mir gut gefallen. Zwei Sterne dafür, wie mir die Geschichte gefallen hat und nicht bezogen auf die Qualität/Wichtigkeit der Themen.
Peinlicherweise mein erstes Buch von Toni Morrison. Ihr Romandebüt ist großartig geschrieben, eine herzzerreißende Story über Rassismus und Sexismus in den USA der 20er Jahre. Absolute Leseempfehlung!
Bewegend. Bewegend in seiner Direktheit, in seiner Grobheit und der Hässlichkeit von Hass. Und Bewegend in seinen Sprachbildern und einfachen Wahrheiten. Bewegend in den Augenblicken von Zuneigung. Ein Buch, das nachwirkt.
Ich wollte es wirklich mögen, aber irgendwie hab ich nach all den begeisterten Stimmen mehr erwartet.
Fand es irgendwie unstrukturiert/unzusammenhängend geschildert und streckenweise fad.
Wenn auch die Thematik wichtig ist, konnte es mich letzten Endes nicht überzeugen und so habe ich es irgendwann beiseite gelegt.
Toni Morrison war mir bis zur dieser Neuerscheinung kein Begriff. Dies zeigt wiederum, wie BIPOC-Menschen in der Literatur unsichtbar gemacht werden bzw. uns beigebracht wird Autoren wie Schlink, Hesse, und wie sie auch alle heißen, gut wären. Dass sie ‚Literatur‘ machen. Aber was ist Literatur, wenn man dadurch andere in den Schatten stellt?
Ich kann dieses Buch nicht bewerten, weil es verboten sein sollte, sowas zu bewerten… meiner Ansich nach eine Pflichtlektüre!!
Ein bedrückendes, schockierendes, aber vor allem so wichtiges Buch über Rassismus, die damit einhergehenden generationsübergreifenden Folgen und ein kleines Mädchen, das einem weißen Schönheitsideal entsprechen will.
Kurz aber intensiv berührend und vielfältig (be-)greifbar, ohne belehrend oder von Vorwürfen begleitet zu sein. Vor- und Nachwort bilden den passenden „klugen“ Rahmen!
„Sehr blaue Augen“ beschreibt ein Jahr im Amerika der 40er Jahre und im Leben der elfjährigen Pecola Breedlove, die sich nichts sehnlicher wünscht, als blonde Haare und blaue Augen.
Allein dieser Wunsch eines kleinen Kindes bricht einem das Herz und verdeutlicht die Tragik, die darin liegt, dem vorgegebenen Schönheitsideal der Weißen entsprechen zu wollen. Morrison zeigt in ihrem Roman die katastrophalen Auswirkungen von Rassismus, Klassismus und Sexismus. Sie zeigt eindringlich wie Rassismus sich in den Seelen kleiner Kinder verinnerlicht und in Selbsthass umschlägt.
„… im Herbst 1941 gab es keine Ringelblumen. Wir dachten damals, die Ringelblumen wachsen nicht, weil Pecola ein Baby von ihrem Vater bekommt."
Bereits mit diesem Beginn des Romans, weiß man im Grunde, was man zu erwarten hat. Und doch schafft es Morrison, die Verstörung und die Irritation, die man bei diesen Worten verspürt, bis zum Ende aufrecht zu erhalten und sogar noch zu steigern.
Dabei gelingt es der Autorin, selbst die furchtbarsten Charaktere des Romans zutiefst menschlich zu zeigen. In Rückblicken erzählt sie die Geschichte des Vaters und aus dem Monster der Gegenwart wird ein Mensch, eine arme Kinderseele in der Vergangenheit. Das entschuldigt keineswegs das spätere Verhalten mancher Charaktere, sondern macht das Geschehen umso düsterer, trostloser und irritierender.
Wut und Trauer bleibt nach dem Lesen des Romans zurück. Aber auch ein Aufbegehren gegen Ungerechtigkeit und vorherrschende Wertesysteme.
"Die ganze Welt war sich einig, dass eine Puppe mit blauen Augen, blonden Haaren und rosa Haut genau das war, was jedes kleine Mädchen sich erträume."
Wie schwarz ist zu schwarz?
Man gilt als privilegiert, wenn man einen weißen Elternteil hat, denn dadurch ist man heller. Das hat mich schockiert.
Die Autorin erzählt die Geschichte von 3 Mädchen aus unterschiedlichen Verhältnissen. Sie thematisiert Rassismus, Klassendenken, Gewalt und Missbrauch.
Ein Buch, dass meiner Meinung nach jeder gelesen haben sollte, auch wenn es für mich teilweise nicht ganz flüssig war.
Ich möchte eine Bewertung in Form von Sternchen auslassen .
Mir hat das Buch leider nicht viel gegeben, mich hat es auch zwischenzeitlich verloren. Hab auch ganz oft den Zusammenhang gesucht, den gibt es zwar aber in einem echt wilden Durcheinander. Man springt von einem zum nächsten..
Ja, also was soll ich sagen? Ich konnte mir anfangs noch nichts so wirklich von dem Buch vorstellen und war schon von der Einleitung sehr verwirrt. Dann habe icg weitergelesen und es wurde immer verwirrender und schlimmer. Ich verstehe wirklich nicht, wieso man in der Schule immer so einen kranken Shit lesen muss, aber anscheinend soll das wohl so sein. Menschen, die sensibel sind, sollten das Buch auf keinen Fall lesen, da es sehr intensive Themen anspricht. Es ist auf jeden Fall auch sehr verstörend und nichts für Teenies.
Eine Geschichte über Rassismus, Sexismus und Colorism.
„Sehr blaue Augen“ von Toni Morrison war 1970 ihr Debütroman.
Sie macht mit ihrem Roman die Auswüchse des anhaltenden Rassismus, Sexismus und Patriarchat sichtbar.
Gelesen wird das Hörbuch mit einer Dauer von 7 Stunden und 13 Minuten
von Abak Safaei-Rad, und einem Nachwort von Alice Hasters.
Ihr Debütroman steckt voller Weisheit, Offenbarung und die Präzision der Charaktere wurde unglaublich detailliert ausgearbeitet.
In einer Kleinstadt in Ohio lebt Pecola Breedlove, ein junges Mädchen, dass sich blonde Haare und blaue Augen wünscht, genau wie der bekannte Kinderstar Shirley Temple.
Pecola möchte so gerne hübsch sein und das Schönheitsideal wird mit blonden Haaren, blauen Augen und heller Haut beschrieben.
Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt.
Gleich zu Beginn wird mitgeteilt, dass Pecola, aufgewachsen in Armut und Elend,
ein Kind von ihrem Vater bekommt. Und wie hässlich das kleine Mädchen ist, in ihrer Gemeinde gemieden, von den Eltern nicht beachtet.
Die Geschichte erzählt welche Auswirkungen der Selbsthass, die Gewalt in den Familien und Colorism hat. Colorism ist ein Thema, selbst in schwarzen Gemeinden. Was ist schön und begehrlich? Werden hellere Menschen bevorzugt? Schwarze mit hellerem Hautton sind näher am Schönheitsideal und auch heute ist diese Einstellung / Ansicht noch aktuell.
Hier stellt sich in dem Roman die Frage, ob nur „schöne“ Menschen ein Anrecht auf Schutz, Würde und Anerkennung haben. Steht dies nicht allen Mädchen, Frauen und generell allen Menschen zu?
Feinfühlig, ehrlich und detailliert beschreibt die Autorin die Geschichte von Pecola, den sexuellen Übergriffen, der Ausgrenzung. Auch zeigt es uns die Demütigung von weißen Menschen, den tief eingegrabenen Rassismus und die Diskriminierung gegenüber Frauen.
Missbrauch und Inzest wird beschrieben und Pecola, stellvertretend für viele schwarze Mädchen, steht eine unglaublich düstere und schwere Zukunft bevor.
Die Opfer bleiben aufgrund des Rassismus in seiner allumfassenden Form in ihrem Zorn und ihrer Wut ohnmächtig zurück und lassen dies häufig an den schwächeren Personen der Familie oder Gemeinde aus. Hier trifft es hauptsächlich die Frauen und Kinder.
Die Charaktere werden sehr intensiv und schonungslos ehrlich beschrieben, die Absichten der Protagonisten werden erklärt und auch die Vorgeschichte mancher Charaktere wurde bildlich beschrieben.
Die Ausarbeitung der Sprache, selbst in den tiefsten Abgründen war klar, deutlich und immer wertschätzend ohne abzuwerten.
Tiefgründig holt uns die Autorin zum
Thema Rassismus ab und stellt uns Colorism in der schwarzen Gemeinschaft vor.
Ihre Romane wurden als Nischenliteratur bezeichnet, weil sie nur über schwarze Figuren schreibt. Liegt es an der unbequemen Wahrheit über das Thema Rassismus?
Sie legt in dieser Erzählung die Erniedrigung offen und spricht Wahrheiten aus, um die tief eingegraben Rassismen zu erkennen und loszuwerden.
„Sehr blaue Augen“ gibt schwarzen Mädchen einen Raum um mit Selbsthass, Minderwertigkeitsgefühl und Ausgrenzung abzuschließen.
Menschlichkeit wird in diesem Roman großgeschrieben und die Sicht auf
die Gesellschaftsformen geschärft.
Toni Morrison geht es in dieser Erzählung über die Verteidigung der Würde schwarzer Mädchen, um Anerkennung, Resilienz und Zerbrechlichkeit.
Das Buch zeigt auf, es geht weder um Opfer noch um Helden.
Hörenswerter Klassiker in aktueller Übersetzung.
Sehr blaue Augen ist das bewegende Debüt von Toni Morrison.
Die kleine Pecola wächst in Ohio der 1940er Jahre auf. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als blonde Haare und blaue Augen zu haben. Pecola und ihre Familie sind alle von dunkler Hautfarbe und haben braunes Haar und braune Augen. Sie fragt sich warum dies so ist und warum sie selber nicht diesem Ideal entspricht, was die Menschen so schön finden. So ergreift sie eines Tages die Chance bei einem Heiler ihre blauen Augen zu bekommen. Doch leider bekommt sie dort etwas anders. Dieses Erlebnis wird sie ihr Leben lang begleiten und auch noch ähnliche Erlebnisse werden folgen. Ihr Trauma gibt sie an ihr Kinder und Enkelkinder weiter.
Toni Morrison beschreibt in ihrem Buch, welche Auswirkungen Rasissmus, Sexismus und eine Klassengesellschaft für Auswirkungen auf ganze Generationen einer Familie haben können unabhängig, ob angeheiratet oder blutsverwandt.
Es hat mich sehr bewegt, die Geschichte von Pecola und allen anderen Protagonisten über die Jahre hinweg mitzuverfolgen und es hat mich sehr traurig gemacht, was Menschen anderen Menschen antun können.
Ein Buch, was einen packen sollte – es aber nicht tut
Das Buch: In dem kleinen verschlafenen Örtchen Lorain in Ohio leben so einige Personen, die sich ihr Leben etwas anders vorgestellt haben. Allen voran die kleine Pecola Breedlove. Sie ist, wie der Großteil in Lorain, schwarz. Doch warum? Sie möchte doch einfach nur sehr blaue Augen haben. Und sie glaubt, dieses Ziel erreichen zu können….
Fazit: Es ist ein Buch, das einen packen sollte. Ein kleines schwarzes Mädchen möchte unbedingt blaue Augen haben. Doch irgendwie konnte nie dieser innere Konflikt von Pecola überzeugen. Denn dies scheitert allen voran an der Erzählperspektive. Die Hauptstory dreht sich um die Geschwister Frieda und Claudia. Beide im Alter von Pecola. Und Claudia erzählt ihre Erlebnisse, in denen immer wieder Pecola auftaucht. Diese Erlebnisse sind gut durchdacht und geschrieben. Doch das ist leider nur die Hälfte des Buches.
Die restlichen Kapitel werden mit Lebensgeschichten und Charaktergeschichten aus der Nähe von Pecola gefüllt. Den Schicksalen ihrer Mutter, dem Vater, Schulfreund und Pastor werden hier einige Seiten gewährt. Doch so wirklich passen diese nicht zu dem Mädchen, das unbedingt blaue Augen möchte. Es sollte ihre Geschichte sein, und nicht die der anderen. Auch führen diese Kapitel zu Brüchen in dem Buch. Die Erzählungen der Personen beginnen weit in der Vergangenheit. Deren Lebensgeschichte wird auf wenigen Seiten mehr oder weniger heruntergeschrieben. Der Leser schaltet dabei schnell ab, wenn man wissen möchte, was nun diese Geschichte mit Pecola gemein hat.
Pecola bleibt im ganzen Buch über eine Randfigur. Vielleicht war das auch die pure Absicht des Autors. Ein ausgegrenztes Mädchen, dass etwas haben möchte, um in der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Man muss sich also dieses Buch für sich erarbeiten. Es wird dem Leser nicht einfach gemacht. Leider schwingt hierbei zu wenig Gefühl mit, um dem Dilemma des Mädchens zu folgen.
Positiv anzumerken ist das Nachwort der Autorin. Darin erklärt sie das warum, wieso und weshalb. Dieses Nachwort hat sie lange nach der Erstveröffentlichung geschrieben. Und so reflektiert sie sich selbst. Sehr ehrlich.
Ich kann verstehen, warum dieses Buch bei der Bücherkultur Challenge gelistet wurde. Es ist ein Klassiker, der den Rassismus aus einer anderen Perspektive aufzeigt. Leider konnte mich dieses Buch doch nicht so packen, wie es beabsichtigt ist.
Zusammenfassend ist es ein gutes Buch. Man muss sich darauf einstellen, die Geschichte selbst zusammenbauen und zu erschließen. Dann kann diese doch traurige Story doch berühren.
https://booksoftination.wordpress.com/2017/07/19/toni-morrison-sehr-blaue-augen/