Vergänglichkeit und Liebe
Natascha Wodin reflektiert mit einer beinahe morbiden Besessenheit über den Alterungsprozess und den mehr oder weniger starken Verfall des Körpers, die einhergehenden Einschränkungen, die Schmerzen und die Angst vor dem, was noch alles kommt – aber auch über die Liebe zwischen zwei alten Menschen, die erst im Alter zueinander gefunden haben. Die Widersprüchlichkeit in dieser Liebe zwischen beinahe zärtlichen Gefühlen einerseits und den Mühseligkeiten des Alters und der Verzweiflung angesichts der schmerzenden Körper andererseits, die Schlaf, klares Denken und Unabhängigkeit rauben, lassen sie den näherrückenden Tod teils fürchten, teils herbeisehnen. Der stark autobiografisch beeinflusste Text ist literarisch unglaublich präzise geschrieben und dadurch enorm bereichernd, allerdings sind die Szenarien von Angst, Schmerz und Tod zwar sehr nachvollziehbar, haben jedoch wenig tröstliches, was durchaus als bedrückend und wenig hoffnungsvoll empfunden werden kann. Es ist dies kein zusammenhängender Roman mit fließender Handlung, sondern eher eine Sammlung von Gedanken aus verschiedenen Lebensaltersabschnitten, biografischen Erinnerungen, Zitaten/Gedanken anderer Schriftsteller und Beobachtungen und Reflektionen - alles in allem ein Gedankenexperiment zu den Themen Vergänglichkeit, Altersmühen, Verlustangst/Einsamkeit und Liebe im Alter, das viel Stoff zum Nachdenken bietet. Definitiv ein Buch, das es wert ist, komplett ein zweites Mal gelesen zu werden, so klug, so berührend, so komplex!!





