
Das Buch bietet ein umfangreiches Bild des deutsch- deutschen Kulturaustausches
Wie eng Musik und Politik zusammenhängen, zeigt der Journalist Joachim Hentschel in seinem Buch „Dann sind wir Helden“. Dabei wird die sich ständig ändernde Kulturpolitik des Zentralkomitees der DDR, die mal lockerer, mal schärfer ausfällt, deutlich, sowie Entwicklungen des deutsch-deutschen Musikaustauschs deutlich. Dieser veränderte sich in den 70er und 80er Jahren stark, gerade im Bereich der Pop- und Rockmusik: Ostdeutsche Bands und Musiker*innen wie Puhdys, Pankow und City gingen auf Tour in die BRD, und Udo Lindenberg oder Peter Maffays spielten in der DDR. Der Autor sucht das Gespräch mit Zeitzeug*innen, die neben zahlreichen Liedzitaten in das Buch einfließen und die Wahrnehmungen der Künstler*innen, Agent*innen, Politiker*innen oder anderen Personen aus der Musikbranche verdeutlichen. Auf dieser persönlichen Ebene geht Hentschel in die Tiefe, beschreibt neben biografischen Details ausführlich Ereignisse und Reaktionen und vermittelt so einen Eindruck der herrschenden Atmosphäre und Entwicklungen. Er geht auf die Hintergründe der Kulturpolitik und deren Ziele ein, wie auch entscheidende Persönlichkeiten oder Institutionen, z.B. wie die Stasi oder das DDR-Kulturministerium. Da sich der Autor in der Struktur des Buches an Bands, Musiker*innen oder Sänger*innen orientiert, gibt es wiederholt zeitliche Sprünge und Wechsel, die es mir schwer gemacht haben, Ereignisse chronologisch einzuordnen und Parallelen oder Zusammenhänge klar zu begreifen. Durch alle Facetten, die denen Hentschel sich widmet, gelingt es ihm, ein umfassendes Bild des deutsch-deutschen Kulturaustausches zu zeichnen und konnte auch mich, die die meisten der Bands und Sänger*innen nicht kannte, abzuholen.
