
„Wem die Stunde schlägt“ von Ernest Hemingway ist für mich ein eindrucksvoller, spannender und zugleich ziemlich harter Roman über Krieg, Pflicht und Liebe, der mich trotz seiner Länge immer wieder gepackt hat. …
Im Mittelpunkt steht der Amerikaner Robert Jordan, der im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republikaner kämpft und den Auftrag bekommt, gemeinsam mit einer Guerillagruppe eine wichtige Brücke zu sprengen. Aus dieser militärischen Mission entwickelt sich nicht nur ein Kampf gegen die Faschisten, sondern auch ein dauerndes Ringen innerhalb der Gruppe um Vertrauen, Mut und die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit. Gleichzeitig lernt Jordan Maria kennen, und zwischen den beiden entsteht inmitten von Gewalt und Angst eine kurze, intensive Liebe, die dem Roman eine sehr menschliche, fast fragile Seite gibt. Was mich an dem Buch besonders beeindruckt, ist Hemingways klare, direkte Sprache. Er schreibt ohne große Umwege, aber genau dadurch wirken die Spannungen, die Bedrohung und die inneren Konflikte der Figuren umso stärker. Die Beschreibungen der Kämpfe und des Zusammenlebens in der Gruppe sind oft packend und zeigen, wie schnell aus Hoffnung Misstrauen, Angst und Verrat werden können. Das berühmte Leitmotiv „Kein Mensch ist eine Insel“ verleiht dem Roman zusätzlich eine starke moralische Tiefe, weil es die Verbundenheit der Menschen trotz aller Gewalt hervorhebt. Gleichzeitig habe ich beim Lesen auch gemerkt, dass der Roman nicht ganz frei von Schwächen ist. Die Handlung ist stark auf Robert Jordan zugeschnitten, und manche Figuren wirken eher als Träger bestimmter Haltungen oder Konflikte denn als wirklich gleichwertige Persönlichkeiten. Besonders die Frauenfiguren werden aus heutiger Sicht nicht immer besonders differenziert dargestellt, was den Roman an manchen Stellen etwas altmodisch erscheinen lässt. Trotzdem überwiegt für mich klar die Kraft des Buches: Es verbindet politische Geschichte, Liebesgeschichte und existenzielle Fragen zu einem Roman, der lange nachhallt und zu Recht als Klassiker gilt.









