23. Sept.
Rating:4

Als ich die Beschreibung des Buches sah, das noch dazu von einem irischen Schriftsteller stammt, musste ich sofort musste ich natürlich sofort an Samuel Beckett und Warten auf Godot denken. Bestärkt wurde dies noch durch die doch etwas ungewöhnliche Schriftart und die kurzen Abschnitte des Textes, die teilweise fast an ein Drama erinnern. Die beiden Hauptpersonen Maurice und Charles warten zwar auch auf jemanden, bei ihnen ist dieses Warten jedoch etwas konkreter. Dilly, die Tochter eines der beiden, soll an diesem Abend im Hafen von Algeciras auftauchen, entweder mit der Fähre aus Tanger oder auf dem Weg dorthin. Sie lebt seit drei Jahren in Spanien und hat den Kontakt zu ihrem Vater abgebrochen. Während sie warten unterhalten sich Maurice und Charles. Beide waren selbst jahrelang im Drogengeschäft tätig, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Dem Konsum der Drogen waren sie ebenfalls nicht abgeneigt, weshalb einer von ihnen auch nur noch ein funktionierendes Auge hat und sie beide einige Zeit in der Psychiatrie verbrachten. Durch das Gespräch und verschiedene, nicht immer chronologische Rückblenden, erfährt man die Geschichte der beiden und auch die Dillys. Die ganze Geschichte fand ich recht tragisch, gleichzeitig aber auch wunderbar geschrieben. Der Aufbau war sehr gelungen, vor allem, dass der Anfang von allem am Ende steht. Nachtfähre nach Tangier ist sicher nicht ein Buch für jedermann. Von mir gibt es aber definitiv eine Leseempfehlung. Ein Kompliment auch an Thomas Überhoff, den Übersetzer: da im Original ein guter Teil der Dialog irischer Slang sein dürfte, war dies sicher kein leichter Job.

Nachtfähre nach Tanger
Nachtfähre nach Tangerby Kevin BarryRowohlt