22. Feb.
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Rating:4

Inhalt: Die Zukunft ist für Josephine Montfort fest verplant: eine arrangierte Ehe, Kinder und ein komfortables Leben. Ihr Traum, als Journalistin zu arbeiten und auf die Not weniger Privilegierter aufmerksam zu machen, rückt in immer weitere Ferne. Bis ihr Vater tot aufgefunden - Selbstmord so heißt es unter vorgehaltener Hand, doch für Jo tauchen immer mehr Zweifel auf. Durch Zufall gerät sie an den raffinierten, geheimnisvollen Reporter Eddie Gallagher, der einwilligt, mit ihr auf Spurensuche zu gehen, was sie in die gefährlichsten Ecken von New York führt und dabei erschreckendes aufdeckt… Krimi vom Feinsten in der erlauchten Gesellschaft ganz im viktorianischen Stil. Manche zufällige Entdeckungen entpuppen sich als klasse Unterhaltung, wie auch in diesem Buch, bei dem ich gleich von Beginn an mitten im Geschehen war. Der Schreibstil ist wendungs- und facettenreich, je mehr man in die Handlung eintaucht, desto mehr erwischt man sich, selbst Ermittler zu spielen. Auch wenn viele Figuren auftauchen, so kann man sie schnell einordnen und die Hauptprotagonistin entwickelt sich aus ihrer anfänglichen Naivität zu einer tapferen, mutigen Frau, die die eigenen Befindlichkeiten zum Wohle anderer hintenanstellt. Natürlich hat sie, aufgrund ihrer behüteten Lage, keine Ahnung, was in der Realität vor sich geht, hat keine Vorstellung davon, was Kampf um das nackte Überleben bedeutet, arm zu sein, ausgeliefert ohne Chance, zu entkommen, das Leben fast schon sinnlos. Das wird häufig betont und Jo wird häufiger mit Dingen konfrontiert, die sie schockieren, gleichzeitig aber an ihrer Überzeugung festhalten, sich für die ärmere Gesellschaft einzusetzen und nimmt dafür so einiges in Kauf. Mit Eddie an ihrer Seite wird die Gegensätzlichkeit noch deutlicher, doch schon bald erlebt man ein Gefühlschaos auf beiden Seiten, was richtig toll in die Handlung verwoben ist und so manches Mal für Überraschungen sorgt. Seite um Seite hab ich Buch und Hörbuch parallel verschlungen, die Sprecherin hat da so viel Tempo und Realität reingebracht, die Charaktere ganz nach ihren Eigenarten perfekt imitiert und dadurch das Buch richtig lebendig wirken lassen. Ich bin durch die Straßen New Yorks gezogen, hab den Atem angehalten, bin um mein Leben gerannt, hab mich köstlich amüsiert, weil es immer wieder auch zu herrlich trockenen, aber lustigen Szenen kommt und hab dabei Menschen kennengelernt, die ich man lieber nicht kennen möchte, aber auch Menschen, die trotz allem Schicksal einen Platz in meinem Herzen erobert haben. Obwohl das Buch das Buch ziemlich lang ist, fand ich es bis auf ein paar kleine Längen spannungsgeladen, unterhaltsam und obwohl ich so eine Vorahnung hatte, hat mich die Auflösung doch sehr überrascht - es wird sicher nicht mein letztes Buch von der Autorin gewesen sein.

Straße der Schatten
Straße der Schattenby Jennifer DonnellyPiper
20. Okt.
Rating:5

Anders als ihre Klassenkammeradinnen begeistert Josephine sich schon früh für Journalismus. Gern wäre sie so wie ihre großen Vorbilder, die ersten Frauen die investigativ die Missstände der armen Bevölkerung aufdecken und damit den Herren ihrer Zunft den Schneid abkaufen. Doch für ein Mädchen aus der hohen Gesellschaftsschicht, geht es nun mal im New York des 19 Jahrhunderts darum einen standesgemäßen Gatten zu finden und der Familie keine Schande zu bereiten. Als ihr Vater bei einem Unfall stirbt, bricht zunächst für Jo eine Welt zusammen. Dennoch leidet sie unter dem Ausgehverbot, dass ihr die Trauerzeit aufdiktiert. Daher nimmt sie jede Gelegenheit wahr, dem stickigen Haus zu entfliehen. Eher zufällig schließt sie da die Freundschaft mit dem jungen aufstrebenden Journalisten Eddie Gallagher. Zusammen folgen sie Spuren, die besagen, dass ihr Vater keinen Unfall hatte, sondern ermordet wurde. Dabei begibt sie sich mehr als einmal in Gefahr ihre Reputation und ihr Leben zu verlieren und zum Schluss vielleicht sogar ihr Herz. Ein wirklich gelungenes Buch der Autorin Jennifer Donnelly. Eine Mischung aus Krimi, historischem Roman und Liebesgeschichte. Ebenso wie bei der „Teerosen“-Serie haben mich die Charaktere sofort gefangen genommen. Josephine ist sehr wissbegierig und draufgängerisch. So manches Mal bringt sie sich mit ihrem Überschwang an den Rand, des gesellschaftlichen Absturzes, aber wo andere junge Damen ihrer Gesellschaft entrüstet zu Boden sinken, schaut sie noch mal genauer hin und genau das ist es, was diese Figur so anziehend macht. Eddie dagegen ist der aufstrebende Journalist, der von einer Karriere außerhalb der Klatschspalten und Gesellschaftsnachrichten träumt. Ein bisschen Babysitter für Josephine, ein bisschen Charmeur, ein bisschen waagemutig aber immer authentisch. Die Beschreibungen der Autorin sind so bildlich, dass ich mich mehr als nur einmal wirklich zurückversetzt gefühlt habe, in das New York des 19. Jahrhunderts. Die krassen Gegensätze zwischen Upper Class und der hart arbeitenden Unterschicht. Besonders ins Szene gesetzt durch Josephines Freundschaft zu einer kleinen Straßendiebin. Für meinen Geschmack ein bisschen zu modern angehaucht, war die Figur des Assistenten des Gerichtsmediziners. Mit seinen Beobachtungen ist er seiner Zeit weit voraus und erntet manches Mal das Unverständnis seines Vorgesetzten. Aber gerade diese Figur war es, die die Handlung durch seine Ausführungen immer wieder vorantreibt. Von daher war es wohl unabdingbar so jemanden einzubauen. Wer die anderen Bücher der Autorin mochte wird auch dieses lieben. Vor allem der Fakt, dass der Kriminalfall im Vordergrund steht, hat der ganzen Sache einen besonderen Reiz verliehen und ich hatte nicht das Gefühl nur einen beliebigen historischen Roman zu lesen, über eine emanzipierte junge Frau, die gegen die gesellschaftlichen Zwänge ihrer Zeit aufbegehrt.

Straße der Schatten
Straße der Schattenby Jennifer DonnellyPiper
12. Apr.
Rating:3

New York, Ende des 19. Jahrhunderts. Klein Jo versucht den vermeintlichen Unfall ihres Dads aufzulösen und entdeckt auf ihrem Weg dabei so einiges, wovor sich ihr kleines naives Herz bisher gefürchtet hat. Die Story hat mir an sich gut gefallen, vor allem die Erzählweise und die detailgetreue Darstellung was Frauen zu jener Zeit durften (oder wohl eher nicht durften). Hier und da gab es auch ein wenig Spannung. Leider nicht genug, des Rätsels Lösung gab es dann spätestens nach der ersten Hälfte des Buches. Was mich an diesem Buch persönlich am meisten gestört hat, war Jos Naivität. Frauenrolle in solchen Zeiten hin oder her, aber wer sich dem Journalismus verschrieben hat, von dem erwarte ich dann doch ein höheres Bewusstsein für die Wirklichkeit.

Straße der Schatten
Straße der Schattenby Jennifer DonnellyPiper