Der Roman „Mariaschwarz“ von Heinrich Steinfest ist eines dieser Bücher, die man nicht einfach nur liest, sondern erlebt. Gerade deshalb zählt es für mich seit vielen Jahren zu meinen absoluten Favoriten. Und weil dieser Autor meiner Meinung nach viel mehr Aufmerksamkeit verdient, möchte ich dieses Buch hier bewusst einmal hervorheben. Im Zentrum steht eine ungewöhnliche Beziehung zwischen einem Wirt und seinem Gast, die auf eine seltsame Art von gegenseitiger Abhängigkeit hinausläuft. Als ein scheinbar harmloses Ereignis alles ins Wanken bringt, beginnt sich die Geschichte langsam zu verschieben. Spätestens als ein Skelett auftaucht und ein Wiener Ermittler mit eigenwilligen Methoden in das Dorf kommt, gerät die fragile Ordnung der Figuren ins Wanken. Was folgt, ist keine klassische Krimihandlung, sondern eher ein langsames Aufdecken von Beziehungen, Wahrnehmungen und Abgründen. Was dieses Buch für mich so besonders macht, ist der Stil. Steinfest schreibt nicht glatt oder gefällig, sondern eigenwillig, verspielt und gleichzeitig extrem präzise. Seine Sätze haben oft eine zweite Ebene, manchmal auch eine dritte. Ich lese normalerweise schnell, aber hier musste ich immer wieder innehalten, weil manche Formulierungen einfach zu gut sind, um sie nur einmal zu überfliegen. Das ist kein Buch, das man mal eben nebenbei liest. Man muss sich darauf einlassen und wird genau dafür belohnt. Dazu kommt dieser ganz eigene Humor. Ironisch, trocken und stellenweise so schräg, dass man kurz überlegen muss, ob man gerade lachen oder staunen soll. Genau diese Mischung aus Absurdität und feiner Beobachtung zieht sich durch das ganze Buch. Steinfest schafft es, mit wenigen Mitteln eine Atmosphäre aufzubauen, die sich schwer greifen lässt. Irgendwo zwischen Krimi, Charakterstudie und fast schon surrealer Erzählung. Man ist die ganze Zeit ein wenig aus dem Gleichgewicht gebracht und genau das macht den Reiz aus. Für mich ist „Mariaschwarz“ kein Buch, das man einfach liest und dann abhakt. Es bleibt hängen. Vor allem wegen der Sprache und dieser ganz eigenen Stimmung, die man so nicht oft findet. Wer Lust hat auf etwas, das sich deutlich vom Gewohnten abhebt, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren.
27. Apr.Apr 27, 2026
Mariaschwarzby Heinrich SteinfestPiper
