
Ein Forscherleben mit Licht und Schatten đŚ˘đđ°ď¸
Konrad Lorenz ist eine der prägenden Figuren der Verhaltensforschung â mit all seinen Leistungen und den dunklen Teilen seiner Biografie. Ilona Jerger nähert sich diesem Leben als Wissenschaftsjournalistin, die seit vielen Jahren zu Natur- und Wissenschaftsthemen schreibt. âLorenzâ ist dabei klar als Romanbiografie angelegt, nicht als Sachbuch. Es liest sich erzählerisch, atmosphärisch und hat eine Mischung aus lehrreichen Momenten und unterhaltsamen Passagen, die sehr gut funktioniert. Besonders gelungen fand ich die Einbindung seiner bekanntesten Forschungsbeispiele. Die Graugans Martina taucht wiederholt auf, und man versteht sofort, warum gerade diese Prägungsgeschichte so ikonisch geworden ist. Auch die Beobachtungen an den Bibern sind anschaulich erzählt und zeigen, wie geduldig Lorenz gearbeitet hat. Diese Kapitel geben dem Roman eine gewisse Wärme und machen ihn leicht zugänglich, ohne oberflächlich zu wirken. Parallel dazu fĂźhrt Jerger durch die historischen Etappen seines Lebens: Zweiter Weltkrieg, russische Kriegsgefangenschaft, Nachkriegszeit. Das ist kompakt, stimmig und vermittelt gut, in welchem Umfeld Lorenz gedacht und geforscht hat. Wichtig fand ich auch, dass Jerger Lorenzâ NSDAP-Mitgliedschaft und seine rassenideologischen Texte klar anspricht. Ebenso, dass er sich nach dem Krieg nie eindeutig von diesen Positionen distanziert hat. Das gehĂśrt zu seiner Biografie, und der Roman geht daran nicht vorbei. Was mich allerdings ein paar Mal aus dem Lesefluss gebracht hat, war die Erzählperspektive. Jerger schaltet sich immer wieder selbst als âIch-Erzählerinâ ein, kommentiert und erklärt, warum bestimmte Dinge fĂźr sie persĂśnlich wichtig waren. Das hat mich mehrmals stolpern lassen, weil diese EinschĂźbe oft abrupt kommen und den Erzählrhythmus brechen. Trotzdem ist der Roman insgesamt kurzweilig und wirklich angenehm zu lesen. Unterhaltsam, informativ, gut geschrieben. Die 0,5 Sterne Abzug gibt es bei mir einzig fĂźr diese eigenwillige Erzählperspektive, die mich immer wieder rausgerissen hat. Am Ende bleibt fĂźr mich: eine gut geschriebene, atmosphärisch dichte Romanbiografie, die Lorenz als komplexe Figur zeigt â Forscher, Erzähler, jemand mit groĂen Leistungen und klaren BrĂźchen. Ich habe viel mitgenommen und das Buch wirklich gerne gelesen. âď¸âď¸âď¸âď¸,5









