
Faszinierende Epoche, zähe Lektüre 🎩📚🕰️
Ian Mortimer nimmt seine Leser mit in das England des Regency, den Übergang vom späten 18. ins frühe 19. Jahrhundert. Eine Epoche zwischen Übermaß und Umbruch, zwischen Jane Austen und Lord Byron, zwischen Eleganz, Armut, moralischer Grenzverschiebung und gesellschaftlicher Unsicherheit. Mortimer zeigt, wie die Menschen lebten, aßen, reisten, feierten, regiert wurden und dachten – und zeichnet ein breites Panorama dieser widersprüchlichen Jahrzehnte, die oft als liederlich, grell und exzessiv beschrieben werden, bevor das viktorianische Zeitalter die Zügel anzieht. Inhaltlich ist das alles beeindruckend recherchiert. Wirklich. Wer sich für Sitten, Gebräuche und Lebensumstände in England zwischen 1790 und 1820 interessiert, bekommt hier ein extrem dichtes, detailreiches Bild. Kaum ein Aspekt des Alltags bleibt ausgespart: Kleidung, Essen, Reisen, gesellschaftliche Ordnung, Angst, Glaube, Politik. Besser, ausführlicher und kleinteiliger kann man diese Zeit vermutlich kaum aufarbeiten. Und trotzdem habe ich mich beim Lesen zunehmend durchgequält. Das Buch hat keinen roten Faden. Statt einer erzählerischen Entwicklung werden einzelne Themenblöcke nacheinander abgehandelt. Kapitel für Kapitel fühlt sich das eher wie ein sehr ausführliches Lexikon an als wie ein zusammenhängendes Sachbuch. Der Stoff bleibt sachlich, nüchtern, distanziert. Das ist an sich legitim, aber als Leseerlebnis enorm ermüdend. Besonders irritierend fand ich den deutschen Titel. „Im Rausch des Vergnügens“ verspricht etwas ganz anderes als das, was man bekommt. Von Rausch oder Vergnügen ist weder stilistisch noch atmosphärisch viel zu spüren. Mortimer schreibt trocken, informierend, korrekt. Unterhaltung entsteht dabei kaum. Dabei ist das Regency eigentlich eine unglaublich spannende Zeit, voller Widersprüche, Freiheit und sozialer Verwerfungen. Genau diese Spannung hat mich hier leider nie wirklich erreicht. Unterm Strich bleibt ein sehr informatives Buch, das mir als Nachschlagewerk oder zur gezielten Recherche sinnvoll erscheint, aber nicht als Lektüre, die man gerne am Stück liest. Bei 26 Euro für das Hardcover habe ich mir ehrlich gesagt mehr erhofft. Inhaltlich stark, formal schwach, stilistisch zäh. Schade, denn das Thema hätte noch deutlich mehr hergegeben. ⭐️⭐️






