Überaus lesenswert trotz einiger Schwächen
Man mag kaum glauben, was man hier liest und doch lassen die immer wieder von Nina Gladitz ins Feld geführten Archivfunde kaum einen Zweifel daran, dass bei der Selbstinszenierung und späteren Rezeption einer Leni Riefenstahl etwas gehörig in Schieflage geraten ist. Der nach wie vor bestehende Glaube, Leni Riefenstahl hätte sich als vermeintlich unpolitische Künstlerin nicht aktiv die Hände schmutzig gemacht, lässt den Schluss zu, dass die Aufklärungsarbeit noch nicht abgeschlossen ist. Nina Gladitz schafft es in ihrem Buch, den Opfern Riefenstahls eine Stimme zu geben. Allen voran das Schicksal der Sinti und Roma ist berührend. Aber auch Willy Zielkes fast gänzlich unbekannte Odyssee lässt einem den Atem stocken. Da kann man über einige schreiberische Mängel, vor allem gegen Ende des Buches, wenn es die Autorin mit Namen auch nicht mehr zu genau hält, hinweg sehen. Die mangelnde Distanz der Autorin zu ihrem Forschungsgegenstand ist leider das größte Problem dieses Buches. Hin und wieder freie Interpretation, einiges an Mutmaßungen. Die mit Archivalien belegten Erkenntnisse und Anstöße für die weitere Forschung sind allerdings viel zu bedeutsam und verdienen eine weitere Einordnung durch Historiker.
