Ein sehr persönliches Buch über die Beziehung zu ihrem Vater von Andrea Sawatzki
Ihr Vater taucht spät in ihrem Leben auf, lockt die Mutter und seine Tochter unter falschen Versprechen in seine Wohnung. Er erkrankt schwer und ist auf Pflege angewiesen. Es ist nicht leicht weder für die junge Andrea, nicht für die Mutter und auch nicht für den Vater, wenn er klare Momente hat
Andrea Sawatzki wächst in den ersten Jahren ihres Lebens ohne Vater auf, bis dieser nach dem Tod seiner Frau beschließ, seine Geliebte und somit auch seine Tochter zu sich zu holen. Anfangs ist man noch euphorisch, endlich ist man eine richtige Familie. Doch dann bricht schleichend die Krankheit es Vaters aus und um über die Runden zu kommen, muss ihre Mutter wieder arbeiten. Nun ist also sie für ihren kranken Vater zuständig und es entsteht eine Dynamik, die keinem Vater-Tochter-Verhältnis gut tut. Eine autobiografische Geschichte über eine gestohlene Kindheit und Jugend und über Liebe und Hass.
In kurzen, episodenartigen Einblicken erzählt Andrea Sawatzki von ihrer Kindheit und dem beschwerlichen Leben mit einem schwerkranken Vater. Sehr eindringlich wird der Zwiespalt zwischen Liebe und Hass dargestellt, auch sich selbst gegenüber. Andrea Sawatzki nimmt kein Blatt vor den Mund und berichtet auch von unbequemen Gedanken, die sie hatte, während sie ihren Vater pflegen musste, weil der Familie nichts anderes übrig blieb. Ob und wie diese Zeit aufgearbeitet wurde, bleibt dabei am Schluss offen. Der Schreibstil ist klar und prägnant und schonungslos. Irgendwie hat sie ihren Vater geliebt, aber auch die ganze Situation gehasst. Alles kommt sehr authentisch und nachvollziehbar herüber. Es ist kein leichtes Buch, das Thema ist schon schwer, vor allem wenn man begreift, wie jung sie eigentlich gewesen ist und dass dies keine Bürde für ein Kind ist.
Dieses Buch erzählt von der Kindheit der Autorin: zunächst zusammen mit ihrer alleinerziehenden Mutter und dann zusammen mit dem leiblichen Vater, der an Demenz erkrankt und später stirbt. Die Geschichte ist schnörkellos geschrieben. Auch in einem Tempo, bei dem dem Leser kaum Zeit zum Atemholen bleibt.
Mich hat die Geschichte berührt und lässt mich so schnell nicht wieder los.
Teilweise muss man die Zeilen aushalten müssen. Die Kapitel sind kurz und man fliegt durch die Seiten. Dabei muss man als Leser aber bei der schonungslosen Ehrlichkeit der Erzählerin etwas aushalten können.
Aufmerksam bin ich auf das Buch durch eine Lesung von Andrea Sawatzki geworden, bei der sie aus dem Roman "Biarritz" vorlas, die Beziehung zu ihrer Mutter thematisiert. Auch diese Lesung war nicht weniger bewegend und auch diesen Folgeroman werde ich sicher lesen.
Andrea Sawatzki schildert in diesem Buch ihre Kindheit in Süddeutschland, die zunächst harmonisch mit ihrer Mutter in einem kleinen Ort verläuft. Der Vater ist mit einer anderen Frau verheiratet. Als diese sich das Leben nimmt, zieht Andrea mit derMutter zu ihm und das Drama beginnt. Zunächst muss sie sich auf die neuen Spielregeln einstellen, ihre Meinung galt nichts, sie hatte den Mund zu halten und schön brav zu sein. Schon nach kurzer Zeit erkrankte der Vater an Demenz und wurde schnell zum Pflegefall. Da die Mutter das Geld verdienen musste, blieb v.a. nachts die Pflege und Beaufsichtigung an Andrea hängen. Man muss wissen, sie ist da noch ein Kind, vielleicht ein Teenager. Aber in jedem Fall nicht geeignet, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Was sie schildert ist so schonungslos und ehrlich. Man muss öfter mal durchatmen und ich bekam beim Lesen eine unbändige Wut auf die Mutter.
Zitat: Ich hatte den Plan, meinen Vater zu vergiften, nicht weiter verfolgt. Es schien mir zu unsicher. Stattdessen ließ ich sein Herzmittel weg. Immer in der Hoffnung, er würde vielleicht eines Tages einfach vor meinen Augen tot umkippen. Aber entgegen seiner hypochondrischen Veranlagung hatte mein Vater eine Bärenkonstitution.
#Triggerwarnung: Gewalt gegen Pflegebedürftige, Kindesvernachlässigung
Wenn man Frau Sawatzki sieht, ihre Ausstrahlung, Lebensfreude, mag man gar nicht glauben, was ihre Kindheit, Jugend überschattet hat. Offen, ehrlich, unaufgeregt schildert sie ihre für ein Kind zu großen Aufgaben in der Betreuung des an Alzheimer erkrankten Vaters.
Mich würde noch interessieren, wie ihr der Sprung in den Beruf geglückt ist?
In ihrem Roman „Brunnenstraße“ vermittelt Andrea Sawatzki einen ungeschminkten Einblick in ihre eigene Kindheit und Jugend. Sie erzählt von der Pflege ihres an Alzheimer erkrankten Vaters, für die sie mit verantwortlich war. Mit einer klaren, schnörkellosen Sprache schildert sie die immense Verantwortung und Überforderung, die auf ihren jungen Schultern lastete. Die Mutter war oft abwesend, aufgrund ihrer Arbeit als Nachtschwester, sodass die junge Andrea die Betreuung des zunehmend dementen Vaters übernehmen musste. Diese Konstellation führte zu einer Kindheit, die weit entfernt von Unbeschwertheit war. 
Die detaillierten Schilderungen der familiären Belastungen zeigt die Herausforderung, die sich auch auf mich als Leserin übertragen hat. Ich konnte die Last gut mitfühlen. Das Buch verschafft einen wichtigen und sehr realitätsgetreuen Einblick in das Leben mit einem dementen Angehörigen und die damit verbundenen emotionalen und physischen Herausforderungen und hat mich tief beeindruckt.
Sawatzki schreibt hier einen bewegenden und ehrlichen Roman über die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens unter außergewöhnlichen familiären Umständen. Sie schreibt aus meiner Sicht literarisch anspruchsvoll und berührend. Wer sich für autobiografische Romane und familiäre Thematiken und auch für das Leben mit einem Demenz-Erkrankten interessiert, sollte „Brunnenstrasse“ unbedingt lesen.
Kleine Autobiografische Einheit zu Andrea Sawatzki von Geburt bis zum Tod ihres Vaters. Man könnte auch sagen ein Portrait der Alzheimer Erkrankung, da diese primär thematisiert wird.
Andrea Sawatzki erzählt hier ungeschönt aus ihrem Leben, den Schwierigkeiten dieses, ihren rebellischen Phasen und eigenen Fehlern und eben auch ein großes Stück sehr persönlicher Familiengeschichte. Sehr spannend mit einer guten Länge und wahrscheinlich realistischer als jeder andere Film bisher, der das Thema darstellt. Es ist nicht einfach und für alle eine große Belastung auch noch nach dem Tod.
Andrea Sawatzki führt uns hier in ihre Kindheit, in der sie bis zum Alter von 15 Jahren für ihren an Alzheimer leidenden Vater zuständig ist, da ihre Mutter für das tägliche Brot arbeiten muss.
Es ist ein erschütternder Bericht über einen zu jungen Menschen mit einer Verantwortung, die schon für die Erwachsenen oft zu gross ist. Sie schildert hier schonungslos ehrlich ihre Erlebnisse ohne Schönfärberei und scheut sich auch nicht, sich im Umgang mit den stets überschrittenen Grenzen zu schildern. Dabei möchte man sie anklagen, massregeln oder wieder in ihre Grenzen weisen. Aber all das wäre fehl am Platz, da es so verständlich ist, dass ein Mensch in dieser konstanten Ausnahmesituation so reagiert. Sie lässt nahe an sich ran und diese Nähe ist überwältigend und zugleich so willkommen.
Eine Schauspielerin, die ich sehr verehre, öffnet sich hier und zeigt die dunklen Seiten ihres Heranwachsens. Sie liest das Hörbuch selbst und ich wünsche ihr, dass sie sich nun um einiges leichter fühlt.
"Ich teile meine Kindheit in zwei Leben auf. Mein erstes Leben dauerte bis zu meinem achten Jahr. Ich lebte mit meiner Mutter in Vaihingen an der Enz."
"Ich war frei und mir selbst überlassen, und ich erinnere mich, dass ich glücklich war. Meinen Vater kannte ich kaum. Er lebte weit weg und war mit einer anderen Frau verheiratet."
"Ich war stolz darauf, dass ich meine Gefühle im Griff hatte. Ich hatte damit begonnen, alles, was mir wehtat, an mir abprallen zu lassen. So verschloss ich mich auch vor mir selbst."
In diesem autofiktionalen Roman beschreibt Andreas Sawatzki sehr ehrlich und ungeschönt ihre Kindheit. Eine Kindheit, die keine war und die es so nicht geben sollte.
Sie lebt alleine mit ihrer Mutter, die als Krankenschwester arbeitet, wodurch sie finanziell unabhängig sind von Andreas' Vater, der noch immer verheiratet ist und den sie kaum kennt. Sie ist glücklich und genießt ihre Kindheit.
Als sie acht Jahre alt ist, stirbt die Frau ihres Vaters und er holt sie beide zu sich, sie werden eine Familie. Endlich bekommt sie den Vater, den sie sich immer gewünscht hat. Doch die Idylle hält nicht lange vor, der Vater wird krank, sie sind hoch verschuldet und ihre Mutter muss wieder arbeiten. Ihre unbeschwerte Kindheit ist schlagartig beendet als sie von ihrer Mutter die Verantwortung und Aufsicht für ihren Vater übertragen bekommt.
Ein sehr intensives Buch, das mich manchmal fassungslos gemacht hat. Von mir eine ganz klare Leseempfehlung ⭐
Wenn man sich einen Vater wünscht und dann seine Jugend aufgibt und ihn pflegt…
Andrea Sawatzki schreibt in ihrem Buch über ihre Kindheit.
Die ersten Jahre lebt sie allein mit ihrer Mutter, als Andrea 8 Jahre alt ist ziehen sie zu ihrem Vater, jetzt soll sich für Andrea alles verändern.
Der Vater welcher keine offensichtliche Bindung zu ihr aufbauen kann und sie drangsaliert wo er nur kann, ihre geliebte Mutter schützt sie nicht vor den Übergriffen des Vaters. Jedoch erkrankt er an Alzheimer und sie beginnt ihn mit ihrer Mutter zu pflegen,ihre Freunde gehen feiern und sie wischt den Urin ihres verwirrten Vaters vom Boden weil er den Schirmständer mit der Toilette verwechselt. Viel Zeit verbringt sie alleine mit ihm, wenn die Mutter arbeiten ist und kommt immer wieder an ihre Grenzen. Ein hervorragendes Buch.
Ich weiß nicht, ob es an der Zeit damals lag oder ob die Mutter einfach so verantwortungslos war. Das hat mich am meisten schockiert. Einem Kind so etwas zuzumuten.
Ansonsten fand ich die erste Hälfte etwas zusammenhanglos.
Eine intensive und sehr persönliche Einsicht in die Kindheit von Andrea Sawatzki.
Sie durfte eigentlich nie richtig Kind sein und musste viel zu früh erwachsen werden. Schonungslos und ehrlich erzählt sie ihre Erlebnisse und Alltagsszenen, welche auch für Erwachsene nur schwer zu ertragen gewesen wären. Der Wunsch nach einem Familienleben und einem liebenden Vater wurde in der Realität zu einem, gerade für ein Kind, schrecklichen Hindernislauf. Wie soll ein Kind Demenz verstehen und auch noch Verantwortung für einen Demenzkranken übernehmen?
Manche Beschreibungen von Ereignissen waren geradezu verstörend.
Ich ziehe den Hut vor Andrea Sawatzki, die sich trotz dieser traumatisierten Kindheit zu einer so positiven Person entwickelt hat - Chapeau 🎩
„Der Hass für einen Menschen kann in gleichem Maße wachsen wie die Liebe, die man für ihn empfunden hatte. Das wurde mir in diesem Moment klar. Je größer die Liebe, desto größer der Hass.“
Mit 176 Seiten, kurzen Kapiteln und einigen „Leerseiten“ war das Buch sehr flott an zwei Nachmittagen gelesen. Vor allem auch, da ich durch die Lesung schon einige Passagen kannte, von der Autorin selbst gelesen. Dabei habe ich Andrea Sawatzki als sehr sympathische Frau wahrgenommen.
Umso betroffener hat mich die Niederschrift Ihrer Kindheit gemacht. Ein sehr intensives und extrem persönliches Buch, bei dem man wahrlich spürt, dass ihr sicher nicht leichtgefallen ist sich zu öffnen, was aber gleichzeitig therapeutisch gewesen sein wird.
Sie beschreibt in vielen Detailszenen die anfängliche Hoffnung, als die Mutter nach 8 Jahren „Affären-Dasein“ zum Vater zieht, welcher sehr viel älter war, und den darauf folgenden Zerfall der erhofften heilen Familie durch die schlimme Krankheit Alzheimer.
Erschreckend war für mich ganz besonders Andreas Rolle dabei. Welche Verantwortung ihr aufgebürdet wurde, auf den immer verwirrteren Vater aufzupassen und ihn zu pflegen war besonders zum Ende des Buch hin extrem verstörend und schwer zu ertragen. Wir sind ungeschönt bei vielen Alltagsszenen dabei und ich bewundere die Autorin dafür, dass sie dies so schonungslos aufschreiben konnte. Sicher auch um ihre eigene Vergangenheit zu verarbeiten.
Während der Lesung sprach die Autorin auch darüber, dass sich das Buch mit der Schuld beschäftigt. Die Schuld die jeder auf sich bürdet, der einen kranken Menschen pflegt, dadurch dass Gedanken mehr und mehr aufkeimen, wie man aus der Situation herauskommen könnte. Auch dies wird in der zweiten Hälfte des Buches sehr deutlich.
Gerne hätte das Buch noch ein paar Seiten länger sein können; vielleicht mit einem Nachwort der Autorin welche Auswirkungen diese Kindheit für sie hatte. Wie sie als Mensch dadurch geprägt wurde und wie Positives wieder in ihr Leben fand, denn eine so traumatische Kindheit geht sicher an niemanden spurlos vorüber. Dafür meine große Hochachtung!
Habe es als Hörbuch gehört - Andrea Sawatzkis Stimme habe ich schon immer geliebt! Sie erzählt auf sanfte und zugleich brutal ehrliche Art wie es ist, mit einem an Demenz erkrankten Menschen zusammen zu leben.
Dieses Buch hat mich sehr bewegt und fassungslos zurückgelassen. Andrea Sawatzki berichtet da von ihrer Kindheit, in der sie mit Dingen belastet wurde, die kein Kind erleben sollte. Hautnah erlebt sie die Demenz ihres Vaters mit und ihr wird schon in sehr jungen Jahren ein viel zu großer Anteil an seiner Pflege aufgeladen. Das Buch ist ein erschreckender Einblick in die Gesellschaft Deutschlands, die auch meine Kindheit geprägt hat, in der ein Kind oft noch als kleiner Erwachsener angesehen wurde, der der Familie zur Verfügung zu stehen hat und in der der Eindruck, den die Familie auf die Nachbarn macht, über dem Wohlbefinden des Kindes steht.
Vorsicht, das Buch kann extrem triggern.
Das Buch von
Andrea Sawatzki
Brunnenstraße
lässt mich tief bewegt zurück:
TW: Tod, Krankheit, Gewalt an Kindern und Tieren
Andrea Sawatzki wuchs die ersten 8 Lebensjahre bei ihrer Mutter auf. Es waren wunderbare Jahre, die besten ihrer gesamten Kindheit. Auch wenn stets andere Leute auf Andrea aufpassten, während ihre Mutter als Krankenschwester arbeitete und sie ein wenig hin- und hergeschoben wurde, waren sie ein eingespieltes Mutter-Tochter-Team.
Ihr Vater, der bekannte Journalist Günter Sawatzki, kam nur selten zu Besuch. Er lebte bei seiner anderen Familie, mit seiner ersten Frau.
Andreas Mutter arrangierte sich mit dieser Situation, forderte kein Geld von dem Kindsvater und beklagte sich nie. Sie wartete einfach geduldig ab, bis Günter mal wieder vorbei kam. Andrea jedoch fand diesen alten Mann befremdlich. Sie spürte weder gegenseitige Zuneigung, noch mochte sie auf seinem Schoss zu sitzen. Im Gegenteil: Sie spürte, dass ihr Vater auf sie eifersüchtig war. Es störte ihn, dass Andrea bei seinen Besuchen dabei war.
Aber wenn der Mann dann endlich wieder ging, war die vertraute Zweisamkeit mit ihrer Mutter wieder da.
Als Andrea 8 Jahre alt war, nahm sich die erste Frau ihres Vaters das Leben. Ihre Eltern beschlossen zu heiraten.
Nach der Hochzeit, zogen sie gemeinsam zu ihren Vater in das Haus in der Brunnenstraße.
Zu Beginn freute sich Andrea: Würde ihre Mutter doch nicht mehr arbeiten müssen und hätte so mehr Zeit für sie?
Leider kam es anders: Günther Sawatzki war arbeitslos, hoch verschuldet und das Schlimmste war, dass man ihm Alzheimer diagnostizierte.
Für Andrea und ihrer Mutter folgten fürchterliche Jahre, denn während die Mutter sich immer mehr aus ihrer Verantwortung zog, musste Andrea die Versorgung und Pflege ihres Vaters übernehmen.
Die Geschichte spielt in den 70-Jahren, in der Zeit, wo die Kinder noch gezüchtigt wurden und oft auf sich allein gestellt waren. Andreas Mutter hat ihre Tochter nicht beschützt, ja, ihr sogar die Kindheit geraubt ... Es war erschreckend zu lesen, wie hilflos sie mit der Krankheit Ihres Mannes umgegangen ist und Verantwortung einfach abgeschoben hat.
Das Hörbuch, das die Autorin selbst liest, konnte mich von Beginn an packen und hat mich wirklich sehr berührt. Ein Buch, was noch länger nachwirken wird.
Fazit: Eine gut gelungene autofiktionale Biografie. Eine klare Leseempfehlung von mir.