Es fiel mir oft schwer, das Buch wieder in die Hand zu nehmen. Die Story ist sehr leicht - ein wenig zu leicht für meinen Geschmack. Weder in die Charaktere oder
zwischenmenschlichen Beziehungen noch in die Beschreibung der Umgebungen konnte ich mich wirklich rein fühlen. Es entstanden wenig Bilder im Kopf. Daher nur "in Ordnung"
"Plötzlich eine Bewegung, die im Grau sichtbar wurde, erst nur eine Silhouette, dann ein Körper, schneeweißes Hals-und Brustgefieder, die Unterseite der Flügel von einem dunklen Graubraun umrahmt, ebenso der kurze, kräftige Schwanz."
Ellen hat ihre Karriere für ihre Partnerin Charlotte aufgegeben. Auch wenn sie in den 1920er Jahren offiziell nicht mehr als ihre Sekretärin sein kann. Doch als der Ornithologe Crawford ihr anbietet, ihn auf einer Reise zu begleiten, steht sie zwischen allen Stühlen.
Das Buch ist sehr ruhig erzählt und sehr distanziert. Mir sind die Personen nie so richtig nahe gekommen. Bis auf einige Briefe und Prolog sowie Epilog ist das Buch aus der Sicht von Ellen geschrieben. Ich kann ihre Gefühle sowohl für Charlotte als auch für Crawford schlecht nachempfinden, mir fehlt es da an Emotionen. Wobei das Buch wahrscheinlich den Zeitgeist der 1920-1940er Jahre gut wiedergibt, in der es wohl nicht an der Tagesordnung war, seine Gefühle offenzulegen. Auch die Idee, Tiere zu jagen und zu töten, um die auszustopfen, verstehe ich vielleicht noch aus wissenschaftlicher Sicht, ich bin aber trotzdem kein Fan davon. Und ein Großteil des Buches behandelt genau dieses Thema, inkl detailliert Beschreibungen. Ich mochte besonders den historischen Teil des Buches, man erfährt wie die Menschen gelebt haben, wie sie gereist sind, wie schwierig Kommunikation auf Reisen war. Und die Naturbeschreibungen sind wirklich sehr bildhaft. Insgesamt ist mir zu wenig passiert und das Erzähltempo war zu niedrig um mich zu fesseln, auch wenn das Innenleben der Personen sicherlich alles andere als unaufgeregt war.