»Was hat das rote Gespenst aus Europa bloß für einen Samen gesät? Was der Mann mit dem Löwenkopf ohne Unterlass angepriesen hat, das war die Saat des roten Pilzes, die Quelle all dieses Unglücks und Leids!«
Leseempfehlung für die, die sich für das Thema Nordkorea interessieren. 🇰🇵
Für mich eine absolute Leseempfehlung .
Der erste Kurzgeschichtenband, der mich begeistern konnte.
Der nordkoreanische Schriftsteller, der unter einem Pseudonym schreibt und seine Manuskripte erst nach langer Zeit nach Südkorea schmuggeln konnte, hat mich nicht durch seine poetische Sprache oder durch seine sprachlichen Stilmittel überzeugt. Die Geschichten sind einfach zu lesen.
Mich hat die Thematik sehr interessiert.
Selbst in der ehemaligen DDR geboren, habe ich bis zu meinem 7. Lebensjahr dort gelebt. Als Kind hatte ich jedoch nicht mal den Hauch einer Ahnung, was es für viele Menschen bedeutete unter einem Regime wie diesem zu leben, sich einzuschränken und auf der Hut sein zu müssen. Bandi vermittelt in diesem Band einen klaren Eindruck davon , was es bedeutet in einer Diktatur zu leben. Es ist extrem bedrückend.
Das was bis ins Mark trifft, ist die Tatsache, dass diese Lebensumstände Realität sind. Ein Buch, dass ich nicht vergessen werde.
Ich empfinde größte Bewunderung für Bandi, der so viel Mut und Courage bewiesen hat, indem er diese systemkritischen Erzählungen verfasst und mit der Welt geteilt hat, um auf die unsagbaren Missstände in Nordkorea aufmerksam zu machen. Unbedingt lesen!
„Die Einwohner des Landes, eingewickelt von einem Zauberer, führten ein Scheinleben, das meilenweit von der Realität entfernt war.“ (S. 143)
„Bandi“ ist das Pseudonym des ersten literarischen Dissidenten aus dem Inneren von Nordkorea. Er selbst lebt noch unerkannt im Land, während seine Texte – sieben Geschichten, die in den Neunzigerjahren geschrieben wurden – unter riskanten Umständen über die Grenze geschmuggelt wurden. Sie spielen in den letzten Jahren der Herrschaft von Kim Il-Sung. Der Kollaps der Sowjetunion hatte schwere wirtschaftliche Folgen für Nordkorea und sorgte dafür, dass sich das Regime nach innen und außen noch mehr abschottete. Man spürt diesen Geist in den Geschichten: den ins vollends Groteske übersteigerten Führerkult, die allgegenwärtige Angst, dass jeder von heute auf morgen zum Verräter werden kann.
Atmosphärisch und eindringlich erzählt Bandi vom Alltag der Menschen in Nordkorea, davon, wie ihr Leben bestimmt wird von den strengen Regeln der Diktatur und von den grausamen Folgen, die Verstöße nach sich ziehen. Da ist der junge Bauer, dem die nötige Reisegenehmigung fehlt, um seine sterbende Mutter in einer nahen Provinz zu besuchen. Und die Ehe eines Ingenieurs wird genau wie sein Wunsch, Kinder zu bekommen, durch die Zugehörigkeit zur falschen Klasse bedroht. Die Ängste eines Kindes können das Leben einer Familie in den Abgrund stürzen und es werden Verantwortliche für die Misswirtschaft im Land bestimmt und angeprangert, anstatt an den Ursachen zu arbeiten.
Bandis Sprache ist präzise, sein Blick ist klar. In schlichter Poesie und mit feinem Sinn für Humor schildert er das Ringen nach Menschlichkeit in einem totalitären System. „Denunziation“ ist ein einzigartiger Blick in ein abgeschottetes Land und ein so mutiges wie beeindruckendes Stück Literatur.