Das Buch müsste man eigentlich zweimal lesen, um sicher zu gehen, dass man den Täter/die Täterin hundertprozentig überführt hat.
Higashino lässt die Geschichte abwechselnd aus der Sicht der drei Protagonist:innen und gleichzeitig Hauptverdächtigen erzählen. Jede:r hat ein Motiv, den unsympathischen Bräutigam Makoto ausgerechnet am Tag seiner Hochzeit umzubringen. Mehrfach gibt es "Geständnisse" in Form von inneren Monologen, doch was entspricht Wunschdenken, was moralischer und was tatsächlicher Schuld? Wer hatte letztlich die Gelegenheit? Durch die unterschiedlichen Motive und Perspektiven bleibt das Detektivspiel trotz der Tatsache, dass der Mord recht früh passiert und die Auflösung letztlich nicht zu 100 Prozent erfolgt, spannend. Die potentiellen Täter:innen wirken menschlich und man ist eingeladen, ihnen den Triumph gegenüber dem herzlosen Unsympath Makoto zu gönnen. Der aus vorherigen Bänden bekannte Ermittler Kaga tritt erst relativ spät auf, um in der Nebenhandlung zu ermitteln. Durch seine genaue Beobachtungsgabe kommt es letztlich erst dazu, dass der Mord an Makoto genauer unter die Lupe genommen wird. Ein Thriller, der ohne Brutalität und Schilderung von Gewalt auskommt und bis zuletzt die Spannung aufrecht erhält - volle Leseempfehlung.


