Der Kampf um Gerechtigkeit
Meine vollste Bewunderung gilt dem Autor dieses Buches: Bryan Stevenson, ein amerikanischer Jurist, der sein Leben der Bekämpfung von Justizwillkür in den USA verschrieben hat. In seinem Buch berichtet er über Jahre des Kampfes gegen die Todesstrafe, gegen die lebenslange Inhaftierung von Jugendlichen (und sogar Kindern) und über die Korruption des Justizapparats, die sich überdurchschnittlich stark gegen die schwarze Bevölkerung richtet. Dabei wird deutlich, wie gering die Erfolgschancen in diesem Kampf um Gerechtigkeit sind. Die Ausdauer die Stevenson an den Tag legt, diese grauenhaften Geschichten tagtäglich zu untersuchen, zu recherchieren, die Gefangen (und auch deren Familien) zu betreuen und gegen den Verwaltungs- bzw Justizapparat in den Kampf zu ziehen ist unglaublich. Aufgabe ist keine Option. Auch kleine Anekdoten bringen ihn uns als Menschen näher. Das Buch handelt außerdem zu großen Teilen vom Fall des unschuldig verurteilten Todeskandidaten Walter McMillian, für den nach jahrelangem Kampf ein Freispruch erwirkt werden kann. Auch andere Fälle werden erzählt. Am erschreckendsten fand ich die Geschichten von Jugendlichen, die nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt wurden und in den schrecklichen Gefängniskomplexen für Erwachsene unfassbares Leid erfahren mussten. Diese Jugendlichen wurden, sowohl vor ihrer Verurteilung als auch danach, von der Gesellschaft mehr als nur im Stich gelassen. Es zeigt sich sehr deutlich, dass das Justizsystem in den USA ein Ergebnis von Rassismus, Armut und einer verfehlten Drogenpolitik ist. Ebenso werden Gefängnisse zu einem Mittel moderner Sklaverei. Ohne Menschen wie Bryan Stevenson würde an diesem System wohl kaum gerüttelt. Wie oben schon gesagt... ich bewundere seinen Einsatz und denke dass dieses Buch, unglaublich wichtig ist um diese erschreckenden Verhältnisse sichtbar zu machen. Meine absolute Leseempfehlung (dennoch nichts für schwache Nerven). TW: Gewalt, sexualisierte Gewalt, Rassismus ------ "In Debatten um die Todesstrafe gab ich zu bedenken, dass wir es für unmenschlich halten würden, Vergewaltiger mit Vergewaltigung zu bestrafen oder Gewalttäter mit körperlicher Gewalt. Aber es macht uns nichts aus Mörder zu ermorden. Dahinter steckt die irrige Vorstellung, dass wir jemanden das Leben nehmen können, ohne damit unsere eigene Menschlichkeit zu beflecken[...]."





