
⛪️🇮🇪 Historie des Wegsehens.
"Manchmal hat es in den letzten Jahren Momente gegeben, in denen die Schuld so übermächtig war, dass ich mich gefragt habe, ob ich nicht auch zum Curracloe Beach gehen sollte, um der ganzen Sache ein Ende zu bereiten." TW: Sexualisierte Gewalt an Kindern & Jugendlichen Odran Yates will als Priester Gutes tun und verschließt am Ende völlig die Augen vor all dem Übel, das die katholische Kirche mit ihren Machenschaften über die Menschen Irlands bringt. Ein heikles, extrem emotionales Thema. Ich habe allerdings ziemlich lange gebraucht, um überhaupt in das Buch hineinzukommen. "Die Geschichte der Einsamkeit" müsste vielleicht eher "Die Geschichte von Odrans Einsamkeit" heißen, denn vor allem vom Anfang bis zur Mitte des Romans verliert sich John Boyne immer wieder in Rückblenden aus dem Leben des Priesters und anderen viel zu langen Erläuterungen über Odrans Lebenslauf. Dann nimmt die Handlung doch etwas an Tempo auf und entwickelt Spannung. Allerdings blieb mir der Inhalt bei diesem tiefgreifenden Thema doch irgendwie zu oberflächlich. Es geht hier immerhin um Geschehnisse, die tatsächlich passiert sind. Es ist unvorstellbar, wie viele junge Menschen von "Würdenträgern" zerstört wurden, ein Ausmaß der Gewalt, das einen wirklich an das Gute im Menschen zweifeln lässt... und statt für Gerechtigkeit zu sorgen, wurde jahrzehntelang vertuscht und Opfer zusätzlich unter Druck gesetzt. Und genau Letztere kommen mir in diesem Buch einfach viel zu wenig vor. Es dreht sich alles um den selbstgerechten Pater Yates, der dann nach Jahrzehnten erst sieht, dass er Teil des Systems war... aber wo bleibt der Schmerz der Opfer? Vermutlich wollte der Autor einen zu reißerischen Umgang mit dem Thema vermeiden. Das tatsächliche Leid zum Nebenschauplatz zu degradieren ist aber vielleicht nicht die beste Herangehensweise.










