25. Nov.
Rating:4.5

Berührend, eindringlich – vom Leben mit der Schuld - das wirkt nach

Wie in auch in seinen anderen Romanen gelingt es John Boyne erneut, den Leser fesselnd zu packen und auf eine Weise emotional zu berühren, die das Weiterlesen unwiderstehlich macht! Das späte Geständnis des Tristan Sadler ist wieder ein wunderbarer und eindringlicher Roman. Die ersten Seiten haben mich fast in den Wahnsinn getrieben. Wann kommt der Hoteljunge endlich auf den Punkt und sagt, warum der Gast sein Zimmer nicht sofort beziehen kann? Und das ist nur der Anfang des Buches! Lange ist im Buch unklar worin das eigentliche Geheimnis besteht. Als Leser glaubt man es zu kennen, aber nein, es kommt anders als gedacht. John Boyne erzählt in diesem Buch die Geschichte von Tristan und Will während des 1.Weltkriegs. Er stellt die verschiedenen Charaktere und Denkweisen auf eine sehr eindrucksvolle Weise dar. John Boyne beleuchtet Aspekte wie Ehrgefühl, Mut, Verzweiflung, Erschöpfung, Wahnsinn, Brutalität, Gehorsam, Prinzipientreue, Gleichgültigkeit, Feigheit und Idealismus. Besonders bemerkenswert ist, dass Boynes Figuren nicht einfach in die Kategorien „gut“ oder „böse“ eingeteilt werden. Trotz aller Umstände, hofft und fühlt der Leser mit den Hauptfiguren mit. John Boyne zeigt vielmehr auf, dass ein Mensch nie nur eine Seite hat und in extremen Situationen oft völlig unerwartet handelt. Tristan hat den Ersten Weltkrieg überlebt, während sein Freund Will nicht zurückkehrte, und dieser Verlust wird ihn sein Leben lang belasten. Er möchte Marian alles erzählen, doch er findet kaum den Mut, ihr vom tragischen Tod seines Freundes zu berichten. Dieses bewegende und tiefgründige Buch ist nicht nur eine Anklage gegen den Krieg und die damit verbundene Ungerechtigkeit, sondern auch ein eindringliches Plädoyer für Menschlichkeit. Thematisch bleibt das Buch auch heute noch von großer Relevanz.

Das späte Geständnis des Tristan Sadler
Das späte Geständnis des Tristan Sadlerby John BoynePiper
31. Mai
Rating:5

Die Schrecken des ersten Weltkrieges, jugendliche Blindheit, tiefe Gefühle, eine große Liebe, die Beziehungen zwischen jungen Männern in einer Extremsituation, Mut, Feigheit, Wut, Reue, Verzweiflung und Schuld - das sind die Hauptthemen dieses Romans, ineinander verwoben durch eine unheimlich poetische, das Innerste berührende Sprache. Tristan ist eigentlich zu jung für den Krieg, schummelt aber, was sein Alter betrifft, da er es kaum erwarten kann, seine bösen Erinnerungen in London zurückzulassen. Im Ausbildungslager in Aldershot angekommen, werden die jungen Männer sogleich von einem wahnsinnigen Sergeant drangsaliert - das erste Opfer ist zu verzeichnen. In dieser Zeit kommen sich Tristan und Will näher, eine innige Freundschaft verbindet sie, die am Abend vor ihrer Verschiffung nach Frankreich eine Wende erfährt. An der Front ist die Hölle los, ein Soldat nach dem anderen fällt, die Leichen stapeln sich im Schlamm und der Wahnsinn greift um sich. Tristan und Will verbindet immernoch ein Gefühl, das zwar tief, aber genauso zerbrechlich ist. Sie nähern sich an, stoßen sich weg und all das Verletzen gipfelt in einer Entscheidung Wills und einer Handlung Tristans... Dieser Roman hat mich von Anfang bis Ende gefangen genommen. Die Geschichte ist, obwohl äußerst brutal, doch sehr zart. Boynes Schreibstil ist wundervoll, die Charaktere wirken realer als real, ihre Verzweiflung greifbar. Ein ungemein berührendes Buch, das tief in der Erinnerung haften bleibt.

Das späte Geständnis des Tristan Sadler
Das späte Geständnis des Tristan Sadlerby John BoynePiper
19. März
Rating:5

Klassischer Boyne

Es passiert nicht oft das ich ein Buch nach dem Lesen zusammenklappe und erstmal minutenlang anstarre und erstmal einen Tee zur beruhigung brauche. Bei Boyne dagegen ist das der Regelfall. Wie immer ein Buch das bis zur letzten Seite spannend ist. Bei den meisten Romanen fallen mir die letzten 30 Seiten schwer zu lesen weil das Buch eigentlich zu Ende ist. Bei diesem hier -wie bei allen Büchern des Autors die ich bis jetzt lesen durfte- runden die letzten Seiten die Geschichte aber nochmal ab. Ein durchwegs spannendes Buch das einem die Weltanschauung mal wieder auf den Kopf stellt und mich noch Tagelang beschäftigen wird.

Das späte Geständnis des Tristan Sadler
Das späte Geständnis des Tristan Sadlerby John BoynePiper
23. Sept.
Rating:5

Als ich den Buchdeckel zuklappte, saß ich einen Moment wie gelähmt, randvoll mit Gefühlen und Gedanken, kurz vorm Überlaufen. Eine Rezension konnte ich nicht sofort schreiben, die Geschichte musste erst einmal sacken, die Gedanken sortiert werden. „Das späte Geständnis des Tristan Sadler“ beginnt mit einer Zugreise nach Norwich im Jahr 1919, wo er die Schwester seines gefallenen Kameraden Will besuchen möchte, um ihr ein Bündel Feldbriefe ihres Bruders zu übergeben. Sofort werden Erinnerungen wach, die Tristan gern für immer tief in seinem Inneren vergraben hätte. In Rückblenden wird die Freundschaft von Tristan Sadler und Will Bancroft erzählt, von den Schrecken des ersten Weltkrieges und den Auswirkungen auf die jungen Männer, stets überschattet von der Gewissheit, dass Tristan noch mehr zu erzählen hat, dass da noch ein schreckliches Geheimnis auf den Leser wartet. John Boyne schreibt wie immer flüssig und sprachgewandt. Er nimmt den Leser mit in die Schützengräben in Frankreich und lässt ihn in schwarz-grauen Bildern Wut, Ohnmacht, Kälte, Trostlosigkeit, Angst und Schrecken verspüren. Während die Begegnung mit Marian in der Vergangenheit geschrieben ist, so werden die Kapitel, die während des Krieges spielen, in der Gegenwart erzählt, so wie die Kriegserlebnisse für Tristan immer gegenwärtig bleiben werden, er muss den Rest seines Lebens mit ihnen verbringen. Schonungslos und authentisch berichtet Boyne über die Gräueltaten, die Unmenschlichkeit und den Kampf um jeden Meter Land, aber auch über Liebe und Freundschaft. Er stellt verschiedene Sichtweisen dar, ohne darüber zu urteilen, und überlässt es dem Leser, sich ein eigenes moralisches Bild zu machen. Die Handlungen der Charaktere sind zu jeder Zeit nachvollziehbar und die eingeschlagenen Lebenswege sehr konsequent. Das Buch hat mich tief beeindruckt und ich hoffe sehr, noch Gelegenheit zu bekommen, mich in einem Lesekreis oder anderswo darüber austauschen zu können. ©Tintenelfe

Das späte Geständnis des Tristan Sadler
Das späte Geständnis des Tristan Sadlerby John BoynePiper