20. Okt.
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Geht so eine "Gebrauchsanweisung"? Vom Titel bin ich irre geführt wurden und erwartete wohl strukturierte Kapitel zu der Geschichte des Landes, der Kultur, den Festtagen, Traditionen, den Städten, aber Strubel schreibt in Anekdoten und Geschichten. Die Kapitel hängen lose zusammen und nie bleibt es bei einem Thema, da wird wild gesprungen und erst im letzten Kapitel über die Samen, findet in ein, zwei Absätzen Midsommar Erwähnung. Die Geschichten, die sie zu ihrem eigenen Häuschen in Schweden erzählt oder zur Teilnahme ihres Vaters am Vasa-Lauf, sind zumindest lustig und mit Witz beschreibt und erzählt sie auch alles andere in dem kurzen Buch - allerdings fehlte mir ein wenig die Struktur und die Tiefe. Es werden auch viele Klischees ausgeschlachtet: Schweden reden nicht, umarmen nicht und hassen Lob und alle lieben ihr fortschrittliches Land. Dass auch in Schweden nicht immer alles "bullerbü" ist und die Politik sich massiven Problemen (und rechten Strömungen) stellen muss, findet kaum Erwähnung. Schade! Immerhin lässt sie die Rolle Schwedens im zweiten Weltkrieg nicht außen vor, die ja sonst so gern verschwiegen oder verschoben wird, wenn man sie als "neutral" beschreibt. Ich zumindest finde nichts Neutrales daran, die deutsche Wehrmacht mit Eisenerz zu versorgen, während die Nachbarländer noch unter der Besetzung leiden. (Wobei sich Schweden mit Finnland als Nachbarland ja auch gewissermaßen im Klammergriff zwischen Sowjetunion und Deutschem Reich befand). Ihr Stil ist locker und witzig und entlockte mir einige Lacher beim Lesen. Vor allem, wenn sie die schwedischen Landsleute beschreibt oder die ewig währende Feindschaft zwischen Stockholmern und Göteborgianern. Göteborg und Stockholm finden massig Erwähnung, der "Norden" und Gotland direkt ein ganzes Kapitel, aber was ist mit den anderen "landskap"? Was mit den zwei großen Seen? Schwedens Nationalparks? Dem Göta-Kanal, der höchstens eine Randnotiz bleibt? Das Buch hat einige Schwächen, weswegen ich mich auch vorerst einer Wertung enthalte, ihr Schreibstil ist aber zumindest keine davon. Ich empfehle es zur Einführung, wenn man etwas Locker-Leichtes, Lustmachendes auf Schweden lesen möchte.

Gebrauchsanweisung für Schweden
Gebrauchsanweisung für Schwedenby Antje Rávik StrubelPiper