Herr Jensen hat schon vor Jahren sein Studium abgebrochen und verdient seinen Lebensunterhalt als Briefträger. Als die Post im Rahmen einer Umstrukturierung seinen Arbeitsvertrag kündigt, beginnt Herr Jensen damit nichts zu tun. Wie sich heraus stellt, ist dies gar nicht so einfach. Zunächst stört der Fernseher und als dieser aus dem Fenster geflogen ist, stört das Arbeitsamt, das ihn zu einer Weiterbildung "Fit for Gastro" schickt. Doch Herr Jensen besteht all diese Proben und kann sich tatsächlich auf das Nichts-tun konzentrieren. Eine interessante Sichtweise auf Menschen am Rande der Gesellschaft. Der Protagonist wird nicht als Opfer dargestellt, sondern als Außenseiter der sich bewußt Regeln widersetzt. Dem Inhalt angemessen ist die Erzählart langsam und teilweise schon monoton. Das macht das Lesen nicht leichter, vermittelt aber eine angemessene Stimmung.
Man nehme einen Briefzusteller, eine Portion Kündigung und eine Prise Verzweiflung gepaart mit Sturrheit und schon hat man die Basis für "Herr Jensen steigt aus". Ein kurzweiliger Zeitvertreib, snackable 133 Seiten, hervorragend für einen Sonntagnachmittag und mehr Zeit braucht man dann auch wirklich nicht. Nicht nur weil dieser Roman wenige Seiten umfasst, sondern weil er so leichtgängig zu lesen ist und ich den Inhalt mit Humor nehmen kann - sicherlich treibt das Buch einige aber auch zur Weißglut. ;) Wir lernen Herrn Jensen als angestellten Briefzusteller kennen, der Freude an seinem Job zu haben scheint, sonst aber nicht viel im Leben hat - weder Hobbys noch Freunde, noch Beziehungen, lediglich seine Mutter scheint eine Konstante zu sein. Doch bereits nach wenigen Seiten wird Herrn Jensen nach 10 Jahren die Kündigung vorgelegt . Er verliert nicht nur seinen Job sondern auch den Sinn seines Lebens und begibt sich nun auf seine eigene Suche nach eben diesem. Sein Ergebnis: Der Ausstieg. Der Ausstieg aus dem Leben, der Norm und der Realität. Der Einstieg in seine eigene Parallelwelt, in der es eben darum geht "nichts" zu tun. Herr Jensen trägt da eigentlich ein ganz schön gefährliches Gedankengut in sich, trotzdem überwiegt für mich die liebenswerte Naivität von Herrn Jensen und ich hoffe, dass er immer noch zu Hause in seinem Sessel sitzt und nichts tut und dabei hoffentlich zufrieden ist. Ein etwas anderes, angenehm kurzatmiges Buch + ein netter Zeitvertreib + schöne Szenen, wenn auch mit schwierigen Charakteren = irgendwas zwischen drei und vier Sternen :)
Ein Buch, das offenbar polarisiert. "Ich mochte Herrn Jensen sehr" schrieb jemand unter meine Insta-Story zu dieser Lektüre. Mich hat der Herr eher wütend gemacht. Ich hätte das Buch sogar am liebsten aus dem Fenster geworfen, das hätte aus dem Erdgeschoss nur nicht viel gebracht, also habe ich es lieber weitergegeben.
Ein sehr skurriles kleines Büchlein. Ich war zu Beginn doch etwas schockiert, mich in vielen Punkten durchaus wiedergefunden zu haben. Im Verlauf der Geschichte fand ich es nicht mehr so tragisch. Zum Ende hin verliert sich der Charme etwas, aber der Autor bleibt der Linie seiner Geschichte bis zum Ende treu. Ich glaube, bisher wurde kein anderes Buch von mir mit so zahlreichen Eselsohren versehen, weil es einfach so viele teilenswürdige Zitate gab.



