18. Mai
Rating:2.5

Irgendwie hatte ich mir mehr erhofft. Das Buch habe ich letztes Jahr am Tag des Buches als Mystery Päckchen unter der Betitelung „True Crime“ zusätzlich zu einem anderen Werk ausgesucht. Ich fand es interessant, mal solch eine Story zu lesen, ohne zu wissen, was unter der Verpackung verborgen liegt. Es wird ein historischer Mordfall behandelt, der nie wirklich abgeschlossen wurde. Daher ist es ziemlich schwierig, aus diesem Grundsatz eine Handlungsgeschichte aufzubauen. Das hat man aus meiner Sicht sehr gemerkt. Man hat hier versucht Geschichte und Fiktion zu vereinen. Ich muss gestehen, ich konnte absolut Null Sympathie für die Hauptprotagonisten aufbauen. Lizzi war mir von Anfang an sehr komisch. Ich habe sie einfach nicht verstanden und ob die Figur damals wirklich so gehandelt hat, wie sie hier eben tat, kann ich nicht beurteilen. Emma ist einfach nur bedauernswert. Ein klägliche Version eines Menschen, die sich an Vergangenes klammert, es jedoch innerlich abstoßend findet und am liebsten gehen will – jedoch nicht tut. Aus meiner Sicht eine sehr charakterschwache Persönlichkeit, die sich von ihrer kleinen Schwester aufs äußerste manipulieren lässt. Vielleicht mag es zu jener Zeit normal gewesen sein, ich kann es nur bedauernd betrachten. Und Benjamin ist einfach nur ein gewaltbereiter Egomane, ja schon Narzisst, der alle die Schuld seines eigenen Scheiterns zuschiebt. Allgemein fand ich die ganzen Perspektivenwechsel nervig und die unregelmäßigen, nicht groß gekennzeichneten Sprünge in die Vergangenheit äußerst verwirrend. Ich brauchte oft einen Moment um zu verstehen, wo wir uns gerade in der Handlungsgeschichte befinden. Meiner Ansicht nach ein Buch mit Potential, dass nicht ausgeschöpft wurde. Es gibt noch viel Luft nach oben.

Seht, was ich getan habe
Seht, was ich getan habeby Sarah SchmidtPiper
22. Feb.
Rating:4

Kann man kaum weglegen!

Eine fiktive Aufarbeitung eines True Crime Falles. Das verzeiht sehr viele Dinge, die unlogisch klingen. Wieso nimmt jemand ein Tatwerkzeugs eines anderen mit? Wieso gibt jemand einem Hinweise auf eigene Schuld? Pro Kapitel eine andere Perspektive. Nach fast jeder neuen POV habe ich jemand anderes verdächtigt. Manche Charaktere sind schwer zu ertragen und viele von ihnen haben einige WTF-Momente bescherrt! Hab das Buch innerhalb weniger Stunden weggesuchtet!

Seht, was ich getan habe
Seht, was ich getan habeby Sarah SchmidtPiper
1. Okt.
Rating:2

Immerhin 2,5 Sterne 🌟 Natürlich ist man am Ende des Buches nicht schlauer, Lizzie Borden hat es wirklich gegeben und der Mord wurde nie aufgeklärt. Ich hatte an das Buch eine ähnliche Erwartungsgshaltung wie an Alias Grace von Margeret Atwood. Beklemmed war die Atmosphäre, ich hatte das Gefühl die Wände kommen immer näher, aber nicht auf eine Adrenalinproduzierende Weise, sehr viel unangenehmer, so das sich Fluchtgedanken entwickeln. Die emotionslosen Protagonisten wollte ich gerne der Reihe nach Schütteln. Der gewaltbereite Benjamin sorgt für einen gewissen Thrill. Emma, der ich gerne zugerufen hätte “lauf Forest”. Bridget, die am meisten Grund gehabt hat die Axt zu schleudern und Lizzie mit ihren abstrakten Metaphern. Bei ihr Frage ich mich, war sie eine Psychopatin, ein vernachlässigtes Kind oder einfach nicht sonderlich hell im Kopf? Die Atmosphäre über Gerüche und Körperflüssigkeiten sowie Näglekauen waren eine abstoßende Effekthascherei mit stetigem Bezug zum Mund. Das hatte für mich zeitweise den "Charlotte Roche-Effekt" 🤮 Das hier zwei zerstückelte Leichen vorkamen, war also nur die Spitze des Eisbergs. Da es kaum Beschreibungen der Umgebung gab, die Erzählweise mit verschieden Perspektiven und scheinbar wahrlos platzierten Rückblicken sehr zersprengt wirkte kam keine richtige Spannung auf. Es gab keine Höhepunkte, das Buch bezog sich eher auf die kaputte Schwesternbeziehung zwischen Lizzie und Emma. Insgesamt ein Buch, was zwar eine historische Figur näher bringt aber das Potenzial zu diesem schauerhaften Ereignis nicht ausschöpft.

Seht, was ich getan habe
Seht, was ich getan habeby Sarah SchmidtPiper
25. Juni
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Rating:3

In „Seht, was ich getan habe“ wendet sich Sarah Schmidt einem historischen Mordfall zu: 4. August 1892: Abby und Andrew Borden werden am helllichten Tag ermordet. Das Tatwerkzeug ist eine Axt – 19 bzw. 29 Hiebe sollen die Opfer getroffen haben. Zeug:innen gibt es keine, doch eine Verhaftung lässt nicht lange auf sich warten: Lizzie Borden, die jüngste Tochter, die ihren Vater tot aufgefunden hat, wird der Tat beschuldigt. Die Beweislage ist allerdings lückenhaft und widersprüchliche Aussagen möglicherweise auf Medikamente zurückzuführen. Ist es möglich, dass eine junge Frau ihre Stiefmutter und ihren Vater auf solch brutale Art tötet? Eine Frage, die bis heute ungeklärt bleibt. So viel zur Historie. Der Roman ermöglicht einen ergänzend Blick hinter die Fassade der angesehenen Familie: Wie gut haben sich die Bewohner:innen des Hauses wirklich verstanden? Was hat sie bewegt, geärgert oder begeistert? Wie könnte der Tag der Tat sowie die davor und danach abgelaufen sein? Könnte Lizzie die Täterin sein? Historischen Fakten verknüpft mit Fiktion. Ich muss sagen, dass diese Kombination für mich ziemlich verlockend klingt. Entsprechend neugierig war ich auf die Umsetzung der Geschichte. Ich hatte beim Auswählen des Buches allerdings erwartet, dass die Geschichte die Richtung eines historischen Krimis einschlägt, das Buch beleuchtet jedoch eher die Familiendynamik und zeigt innere Zerwürfnisse auf – verlorene und doch behütete Wünsche, beflügelnde und zerstörte Hoffnungen sowie ein Netz aus Abhängigkeit und Einsamkeit. Die Geschichte ist ruhig gehalten, die Sprache teilweise blumig und die Schilderung der Umgebung auch auf Sinneseindrücke wie Geruch und Geschmack ausgeweitet. Die eingestreuten Erlebnisse und Erinnerungen lenken die Sympathien durchaus in bestimmte Richtungen, haben Konfliktfelder aber auf verschiedene Arten unterstrichen. Meine Erwartungen waren insgesamt andere, schlecht gefallen hat es mir aber nicht! Das „Lizzie Borden House“ ist in Fall River übrigens die Top 1 Aktivität bei Trip Advisor. Es sind nicht nur Touren durch das Haus buchbar, sondern auch Übernachtungen. Richtig gelesen, das Haus/Museum dient nach den Touren als Bed & Breakfast. So lässt sich z. B. dort schlafen, wo die Leiche von Abby gefunden wurde. Morgens erwartet einen dann ein Frühstück, das dem der Bordens am Tattag ähnelt. Verrückt oder?

Seht, was ich getan habe
Seht, was ich getan habeby Sarah SchmidtPiper