
Wenn Erinnerungen leise Herzen heilen
Manche Bücher fühlen sich an wie eine alte Schachtel voller Dinge, die man eigentlich nur kurz öffnen wollte und dann sitzt man plötzlich mitten zwischen Erinnerungen, Schmerz und diesem leisen Ziehen im Herzen. Und wir versprachen uns ein Morgen hat mich genau dort erwischt. Jesca, die beruflich fremde Leben sortiert, findet in einem Karton einen Diamantring und damit nicht nur ein Schmuckstück, sondern den Anfang einer Geschichte, die viel größer ist als sie selbst. Gemeinsam mit Richard folgt sie der Spur bis zu Sören, einem fast hundertjährigen Mann, der von einer Liebe erzählt, die 1944 begann und nie wirklich vergangen ist. Besonders schön fand ich, wie sich die einzelnen Lebensgeschichten langsam miteinander verbinden. Nichts wirkt laut oder aufgesetzt, eher wie ein Mosaik, bei dem jedes kleine Teil erst unscheinbar erscheint und am Ende doch genau an seinen Platz gehört. Verlust, Einsamkeit, Sehnsucht und Hoffnung liegen hier ganz nah beieinander. Der Roman ist ruhig, poetisch und sehr gefühlvoll erzählt. Für mich war es ein Buch, das man nicht einfach weglegt, sondern noch ein wenig mit sich trägt. Eine Geschichte über Liebe, Erinnerung und darüber, dass Vergangenes manchmal genau das ist, was uns wieder näher zu uns selbst bringt.
