Fünfzig Jahre sind Mirandas Eltern schon verheiratet, und besonders innig waren sie noch nie miteinander. Aber von Jahr zu Jahr werden die Eltern gebrechlicher, egozentrischer und garstiger zueinander. Für Miranda und ihre im Ausland lebende Schwester wird die Last der Besuche eine immer größere Herausforderung und nun steht auch noch die Hüft-OP der Mutter an. Doch Was steckt eigentlich hinter der Widerspenstigkeit der Mutter und wieso beharrt sie immer darauf, dass ihr imaginärer Sohn James das dankbarere Kind ist im Vergleich zu den tatsächlich existierenden Töchtern? Das Buch hat einen eigenen Charme und Humor aber auch eine berührende Wendung. Hat mir insgesamt Spaß gemacht zu lesen, aber irgendwie war mir die Geschichte doch auch ein bisschen zu wenig. Ich hätte gerne noch mehr über diese Familie erfahren. Ein zweites Buch der Autorin werde ich aber auf jeden Fall gerne lesen.
Drama mit Lamas
Krass, wie viele Parallelen ich zu meinen eigenen Eltern entdecke, genau deswegen habe ich das Buch gekauft. Es ist schön zu wissen, dass man mit seinen familiären Herausforderungen nicht alleine ist. Die Geschichte dreht sich um Miranda, die ihre exzentrischen Eltern in Frankreich besucht: einen diskussionsfreudigen, pensionierten Oxford-Professor und eine Mutter, die am liebsten über einen Krieg spricht, den sie nie erlebt hat. Zwischen schrulligen Marotten, liebevoller Ironie und zwei Lamas entsteht ein herrlich chaotisches Familienporträt. Humorvoll, ehrlich und mit viel britischem Charme erzählt
Britischer Humor um eine Familiengeschichte
Das Cover des Buches holt mich sehr ab und der Klappentext versprach Vielversprechendes, da sich sicherlich Jede*r mit den Pflichtbesuchen bei den Verwandten identifizieren kann. Während aus Mirandas Perspektive die Beziehung und das gemeinsame Leben der Eltern beschrieben wird, erfahren wir in Tagebucheinträgen der Mutter, in jungen Jahren, das eigentliche Geheimnis und die Kennenlernzeit der Eltern. Die Beziehungen der Familie sind von Geheimnissen, Diskussionen und Eigenarten geprägt, was mich nicht abholte. Aus meiner Perspektive gab es kaum eine spürbare Entwicklung der Charaktere und das Geheimnis begründete für mich nicht diesen doch eher forschen Umgang miteinander. Fazit: Ein Buch mit britischen Humor, der mich leider nicht abholte.
"Die Leute sagen immer, dass man die Sachen nicht länger als ein paar Monate einfrieren darf, aber denkt bloß an Mallory. " Wir sahen sie an und warteten auf eine Erklärung. "George Mallory. Everest, 1924. Als sie ihn achtzig Jahre später im Eis gefunden haben, hatte er immer noch seine Stiefel an und alles andere. Wenn etwas gefroren ist, kann es nicht verderben." "Ich glaube nicht, dass jemand versucht hat, Mallory zu essen," sagte ich. "Tja, und keiner von uns ist tot." "Noch nicht, meine Liebe, noch nicht," sagte Dad und hustete. "Ich trinke meinen Kaffee im Wohnzimmer, vielen Dank," sagte Mum, setzte energisch die Brille auf, ging hinaus und machte die Tür hinter sich zu. - Zitat, Seite 16 Die englische Originalausgabe ist unter dem Titel "The Usual Desire to Kill" erschienen und genau darüber schreibt die Autorin Camilla Barnes, die wie die Ich-Erzählerin in ihrem Roman in den 1960er Jahren geboren, in England aufgewachsen ist und englische Stücke ins Französische überträgt und sie für die Bühne adaptiert. Ihr beeindruckendes Debüt berichtet davon, wie uns die nächsten Angehörigen zur Weißglut bringen können und zeichnet ein sehr nahbares und erschreckend realistisches Familien Portrait. Und natürlich darf ein wenig britischer Humor und eine Brise Shakespeare,hier in Gestalt von König Lear, nicht fehlen. Camilla Barnes zeigt bei der Struktur ihres Romans sehr großes Geschick für eine ansprechende Dramaturgie. Die Geschichte wird zudem abwechslungsreich erzählt, z.B. werden kleine Szenen aus dem Alltag der Eltern der Ich-Erzählerin wie kleine Theaterszenen gestaltet, dann gibt es aber auch einen spontanen Mailaustausch zwischen den Schwestern, über eben diese Personen, die gerade so klassisch in Szene gesetzt wurden. Und dann gibt es da diese Briefe aus den 1960er Jahren an eine "Liebe Kitty", die ein Geheimnis bergen ... Dieses Romandebüt, welches bereits so ausgereift wirkt, macht wirklich Lust auf mehr. Es bleibt als zu hoffen, dass die Autorin, die ihre Wahlheimat in Paris hat, uns mit weiteren Geschichten beglücken wird. Auch wenn sie weiterhin über das übliche Verlangen zu Töten schreibt ... Nicht unerwähnt sollte die überzeugende Übersetzung von Dirk van Gunsteren. FAZIT Der deutsche Titel bemäntelt die Wucht dieser Geschichte, die ganz tief in den Kern dieser Familie eindringt und nach und nach die Ängste und Schwächen der Figuren zum Vorschein bringt. Der Roman zeigt auch gut, warum wir uns manchmal nur umkreisen und unseren nächsten Angehörigen nicht nahe kommen, obwohl die physische Nähe gegeben ist. Je weiter die Lektüre voranschritt, desto mehr überkam mich das Gefühl der Traurigkeit über die verborgene Einsamkeit. Trotzdem verliert die Erzählung niemals ihren Humor, was etwas Tröstendes hatte. Auch wie die Autorin die Lektüren ihrer Figuren einbaut, um deren Gedanken und Gefühle anzudeuten, hat mir sehr gefallen. Es kann z.B. nicht schaden die persönliche Geschichte von Mr. Kipling zu kennen (der das Dschungelbuch schrieb) und natürlich sollte man mit den Konflikten von König Lear mitfühlen können. Aber wer sehr sensibel mit Familienthemen ist, oder hier gerade ein Trauma bearbeitet, sollte sich gut überlegen, ob er oder sie zu diesem Buch greift. Bedingte Leseempfehlung.
"Sie waren Eltern. Zufällig eben unsere." Wann beginnt man eigentlich sich für das Leben der Eltern zu interessieren und sich nicht immer nur über ihre Eigenarten zu ärgern? Wann fängt man an zu hinterfragen, warum sie so sind, wie sie nun einmal sind? Miranda und d ihre Schwester Charlotte fragen sich das erst, als sie beide um die fünfzig Jahre alt sind. Miranda besucht die Eltern regelmäßig auf ihrem alten, heruntergekommenen Hof im ländlichen Frankreich. Der Schwester in England erstattet sie via Mail Bericht. "Ich konnte nicht behaupten, dass ich hinfahren wollte - vielleicht war es eher so, dass ich wollen wollte. Oder dort gewesen sein wollte." Denn um die Eltern kümmert man sich eben, wenn sie älter werden. Es ist eine unglaublich humoristisch erzählte Geschichte. Es wimmelt nur so vor schwarzem Humor, kleinen Gemeinheiten und lustigen Begebenheiten. Wie in einem Kammerspiel sind Dialoge herrlich ironisch und mit spitzer Zunge. Aber ganz leise, im Hintergrund, hört man die kleinen Verletzungen die man sich in einer Ehe zufügt und die auch die Kinder hin und wieder mitbekommen. Ich wäre so gerne Zuschauerin dieses, vordergründig wie eine Komödie aussehendem Schauspiel, gewesen. Ganz, ganz große Leseempfehlung für dieses fein gesponnene, zum Schmunzeln anregende Buch!
Bissig, amüsant und zugleich ernst und mitfühlend!
Miranda‘s Eltern sind vor über 20 Jahren nach Frankreich gezogen. Ihr Vater ist pensionierter Oxford-Professor und ihre Mutter spricht liebend gerne über den Krieg, den sie nicht selber miterlebt hat. Die Besuche bei ihren Eltern werden immer öfter zur nervlichen Zerreißprobe für Miranda, denn sie haben so manche Eigenart entwickelt. Und während sie sich per Email gemeinsam mit ihrer Schwester über ihre Eltern auslässt, beginnt sie sich zu fragen, warum ihre Eltern sind wie sie sind. Sie beginnt ihre Eltern auf eine andere Weise kennenzulernen… Mir ist „Keine Kleinigkeit“ von Camilla Barnes (Übersetzung: Dirk van Gunsteren) mal wieder beim Stöbern in die Hände gefallen und der Klappentext hat meine Neugier geweckt, also habe ich es gekauft. Dieser Roman ist mal was ganz anderes. Ich wusste nicht, was mich hier erwartet und war überrascht, dass britischer Humor und Spitzzüngigkeit die Basis für einen Rückblick sind, der erklärt, wie zwei Menschen sich für ein gemeinsames Leben entschieden haben und sich darin immer wieder auf ihre eigene Weise behaupten mussten. Die aktuellen Geschehnisse werden mit Rückblicken vertieft und zeigen die Seiten einer Familie, die Kindern oftmals verborgen bleiben. Ist Liebe immer die Basis für eine Familie? Die Frage bekommt hier einen neuen Stellenwert. Die Story ist bissig, sie amüsiert unglaublich und ist trotzdem auch ernst, macht nachdenklich und mitfühlend. Vermutet habe ich das weder vom Klappentext noch vom Cover her, aber diese Geschichte hat durchaus Tiefgang und unterhält zugleich. Ein paar Längen gab es allerdings, durch die musste ich aber durch, denn ich wollte unbedingt erfahren, wobei es sich „um den Vorfall“ gehandelt hat. Und wenn Ihr das auch wissen wollt, dann müsst Ihr den Roman selber lesen! Es gibt 4 von 5 Sternen von mir. ⭐️⭐️⭐️⭐️

Dieses Buch ist wie ein Gespräch mit Loriot und einem Philosophen.
"Keine Kleinigkeiten" von Camilla Barnes ist ein emotionaler Roman über die Bedeutung kleiner Gesten, zwischenmenschlicher Beziehungen und der Selbstfindung. Die Geschichte dreht sich um die Protagonistin, die sich in einer Phase persönlicher Unsicherheit und familiärer Herausforderungen wiederfindet. Durch scheinbar unbedeutende Begegnungen und alltägliche Erlebnisse erkennt sie nach und nach, wie sehr kleine Dinge das Leben verändern können. Der Roman thematisiert Empathie, Achtsamkeit und die Kraft, die in vermeintlichen Nebensächlichkeiten liegt. Dieses Buch ist wie ein Gespräch mit Loriot und einem Philosophen. Humor? Auf jeden Fall! Ich hab so oft gelacht – die Sprache ist charmant, teils herrlich überzogen und die bissigen Gespräche der Eltern kommen einen sooooo bekannt vor. Aber: An manchen Stellen wird’s philosophisch – fast zu sehr. Das zieht den Lesefluss ein bisschen in die Länge und hat mich manchmal aus dem Rhythmus geworfen. Trotzdem: Ein Buch mit Witz, Stil und kleinen Alltagsmomenten, die zeigen, dass eben nichts nur eine Kleinigkeit ist.






