Männer & eine wütende Frau 💯
Puh. Ich habe nach zähen 200 Seiten beschlossen, das Buch weiterzulesen, weil ich es von einer Freundin ausgeliehen bekommen habe und sie nicht enttäuschen wollte. 411 Seiten lang begleiten wir Joans Leben. Zwischen missglückten Beziehungen, Kindheitstraumata und seltsamen Bekanntschaften passiert eine ganze Weile nichts zwischen ihrem unklimatisierten Haus und ihrer Arbeit. Die Geschichte kam mir wie eine Aneinanderreihung von Essays vor, für die man vom Literaturprofessor gelobt wird. Beispiel: Joan war mit ihrer Mutter als Kind Piroggen essen. Es waren vier Stück. Eines Tages waren sie noch gefroren. Danach haben sie dort nicht mehr gegessen. Hier und da ergeben solche Szenen Sinn, aber das Buch war vollgestopft bis oben hin damit, und wenn man die Protagonistin nicht persönlich kennt, fragt man sich schon irgendwann mal, warum man sich das hier gerade so langatmig durchlesen muss. Zwischendrin ging es immer wieder um 🌶️🌶️, vielleicht um Leser wie mich wieder aufzuwecken 😅... aber irgendwann hilft auch das nicht mehr. Die letzten 100 Seiten haben dann noch einmal alles gegeben, genau diesen Vibe hatte ich vom Buch erwartet. Die angestaute Wut von Joan auf ihr Leben, vor allem auf MÄNNER, konnte sich entladen. So grausam es war, ich habe ihr förmlich zugejubelt und frage mich jetzt, was das über mich selbst aussagt. Joan ist nicht sympathisch, nicht die Prota, mit der sich viele identifizieren werden können. Aber einige ihrer Gedanken hätte ich mir markiert, wenn es mein eigenes Buch gewesen wäre. Female Rage? Ein bisschen, aber auch ein Rage über das Leben, so manche Ungerechtigkeiten und der Machtlosigkeit darüber, dass man am Ende eben immer aus seinem Elternhaus geformt wurde. Mein Lieblings-Blurb: "Lisa Taddeo zeigt auf, wie Brutalität von Männern die Wut von Frauen befeuert. Das Ergebnis ist so intim wie explosiv." 🧨 (People)



















