Kaum hatte ich „Wenn ich tanzen will“ von Gaby Hauptmann aufgeschlagen, war ich mitten in einer anderen Zeit. Eva, die Protagonistin ist einfach wunderbar. Ich habe sie schnell ins Herz geschlossen – diese junge Frau mit großen Träumen, mit Witz, Neugier und einer gehörigen Portion Mut. Als sie nach dem Tod ihres Vaters dessen Pfandleihladen übernehmen muss, scheint ihr Traum von einem selbstbestimmten Leben in weiter Ferne zu rücken. Der Tod ihres Vaters reißt sie dann quasi aus allem heraus, was sie kannte, und zwingt sie dann dazu, erwachsen zu werden, bevor sie dazu bereit ist. Ihr jüngerer Bruder dagegen bleibt unbeschwert, fast heiter. Er lebt, als hätte sich nichts verändert. Ich fand diese Gegenüberstellung berührend: hier die Verantwortung, dort die Leichtigkeit. Beides ist wahr, beides menschlich – und die Autorin zeigt das ohne Übertreibung einfach so, wie das Leben eben ist. Besonders toll fand ich, wie Gaby Hauptmann die Atmosphäre der 60er-Jahre einfängt: Man hört die englischen Schlager aus dem Radio, sieht all die farbenfrohen Kleider. Und immer wieder die Musik – sie zieht sich hier wie ein roter Faden durch den Roman. Der Schreibstil ist einfach klar, lebendig und dabei unglaublich einfühlsam. Ich konnte beim Lesen oft innehalten und dachte: Genau so fühlt sich das an. Frau Hauptmann hat die Gabe, Dialoge recht lebendig zu gestalten. Ihre Figuren reden, wie Menschen damals wohl gesprochen haben – mit Witz, Widerstand und auch ganz leisen Zweifeln. Manche Nebenfiguren , wie die Mutter blieben hier für mich leider etwas blass. Sie tauchen auf, bringen eine kleine und interessante Wendung mit aber verschwinden dann wieder, bevor ich sie richtig greifen konnte. Außerdem mag ich es auch sehr, dass so viele Themen ineinander übergreifen. Es ist ein Wohlfühlbuch und macht einfach Mut. Fazit: „Wenn ich tanzen will“ ist für mich mehr als ein Roman. Es ist eine Geschichte über Mut, Verlust und das große Verlangen, das eigene Leben zu gestalten – mit Musik, mit Fehlern, mit Leidenschaft. Und genau das liebe ich an Geschichten wie dieser: Sie lassen mich träumen – und erinnern mich daran, dass man immer wieder neu anfangen kann.
18. Okt.Oct 18, 2025
Wenn ich tanzen willby Gaby HauptmannPiper
