Ist nicht meins. Ich fand es langweilig und wenig spektakulär
Als preisreduziertes Mängelexemplar gekauft hat mich dieses Buch überrascht und sensationell überzeugt! Tolle authentische Charaktere mit Eigenarten, ein hautnaher Spannungsbogen, markante Handlungsorte und ein atemloses Finale. Ich hoffe auf eine ebenso spannende Fortsetzung, denn die Reihe Isa Winter ist überaus vielversprechend!
Eigentlich hatte ich mich auf diesen Krimi sehr gefreut. Die Lesewelt braucht einfach mehr weibliche Privatdetektive. Schon allein, damit Miss Marple mehr Kolleginnen bekommt und aus weiblicher Sicht nicht mehr das Maß aller Dinge ist, wenn es um die Bekanntheit geht. Nun, was soll ich sagen? Isa Winter wird Miss Marple nicht von ihrem Thron vertreiben. Isa ist Mitte 30, hat einen 15-jährigen Sohn und arbeitet als Privatdetektivin in Berlin. So stellt sie sich selbst vor - und so ist auch die Wichtung in der Story. Es herrscht vor allem erstmal eins in diesem Krimi: Alltag. Nebenbei wird ein wenig ermittelt, ein wenig gestorben, ein wenig in Gefahr gebracht. Mir persönlich war das zuviel Alltag und zu wenig Handlung. Außerdem ist es mir beim Lesen tatsächlich das erste Mal passiert, dass mir die Ich-Perspektive nach kurzer Zeit gehörig auf den Zeiger ging. Normalerweise ist diese Perspektive bei mir ein Garant dafür, dass ich quasi in die Hauptfigur hineinkrabbeln und sie voll und ganz verstehen kann. Bei Isa Winter ging das nicht. Einfach, weil zu viel an der Oberfläche kleben blieb. Auch der Kriminalfall selbst war … arg konstruiert. Und eben mit so viel Alltag durchdrungen, dass die Story einfach kein Tempo aufnehmen wollte. Hinzu kommt dann hier noch ein erzählerischer Kniff, der seit einigen Jahren vor allem bei deutschen Thrillerautoren grassiert. Zunächst wird eine Handlung aktiv im Hier und Jetzt erzählt. Sobald aber der spannenste Moment erreicht ist, wird die Perspektive gewechselt und es gibt quasi einen Rückblick auf die Situation: was dann geschah. So ist Spannung natürlich viel einfacher zu erzählen. Eben weil man die Spannung komplett rausnimmt. Das hat mich als Leserin an so manchen Stellen ziemlich frustriert. Immer, wenn mal ansatzweise Spannung aufkam, wurde sie so zunichte gemacht. Es regierte dann wieder … der Alltag. Schade. Und dann der Schluss! Ja, die Geschichte an sich war schon ziemlich konstruiert. Aber Inken Witt gibt hier quasi den Beethoven - und findet kein wirkliches Ende. Immer wenn ich dachte, dass die Geschichte nun aber auserzählt ist, kam noch ein Kapitel. Und noch eins. Und noch eins. Alle hatten nichts mehr mit dem Fall zu tun, förderten aber auch keine neuen Facetten der Figur Isa Winter zutage. Hier wurde lediglich der Alltag in mehreren Strängen abgeschlossen. Der hat mich nur leider von Anfang an nicht interessiert, weil er mir nicht intensiv genug war, sondern für mein Empfinden ziemlich banal. Dementsprechend erleichtert war ich, als dann irgendwann unter einem Kapitel “Ende” stand. Ich tue mich immer schwer damit, gerade einen Erstling derart negativ zu bewerten. Für die Autorin ist das alles andere als schön. Es kann ja durchaus sein, dass sich Isa Winter noch entwickelt. Es soll ja schließlich eine Reihe werden. Und Fans wird Inken Witt mit ihrer Figur bestimmt um sich sammeln können. Ich gehöre indes leider nicht dazu. *Das eBook #wartenlebensterben wurde mir von #NetGalleyDE zur Verfügung gestellt.


