
Dieses schmale Buch (208 Seiten) hat mich ganz schnell gefangen genommen und obwohl so viele sensible Themen aufgegriffen werden, war es niemals überfrachtet. In kurzer Zeit entwickeln sich Konflikte und Bedrohungen aus Beendigung einer Ehe, vor dörflichen Strukturen mit verkrusteten weiblichen Rollenbildern, aus Überforderungsgefühlen, Ängsten vor Gewalt, unverarbeiteten Traumata und einem Aufbegehren gegen vorgeschriebenen Verhaltensmustern. Dieses Buch reicht keine Lösungen oder kittet alles mit einer neuen Liebe, es konfrontiert mit Ausweglosigkeit, zwingt zu Kompromissen und gibt Fehlverhalten und Verzweiflung Raum. Im Mittelpunkt steht Martina, die nicht mitansehen kann, wie einer anderen Frau Gewalt angetan wird. Ihre helfende Hand ist aber auch gleichzeitig eine Suche nach Orientierung und Neuausrichtung. Martina reibt sich an den alten Rollenvorgaben, nach denen die Dorfgemeinschaft funktioniert. Gleichzeitig findet sie aber auch in sich selbst keine Sicherheit und erzählt Geschichten über eine Welt voller Möglichkeiten. Sie belässt es nicht bei verbalen Provokationen, sondern überschreitet die engen moralischen Grenzen. Gekonnt spitzt die Autorin die Situation der beiden Frauen immer weiter zu bis ein Ausweg nur noch in Träumerei möglich zu sein scheint. Empfehlung für Fans von realistischen Alltagskonfrontationen von Frauen und Mütter. (Unzuverlässige Erzählerin)











