Recht und Menschlichkeit in der Weihnachtszeit: Überhaupt miteinander vereinbar?
Schon auf den ersten Seiten von Schirarchs „Carl Thorbergs Weihnachten“ wird klar: Dieses Buch ist kein warmes Weihnachtsmärchen. Und doch ist Weihnachten als Kontrast, als Kulisse und als moralischer Prüfstein allgegenwärtig. Im Zentrum stehen drei Verbrechen, die nüchtern, beinahe sachlich beschrieben werden. Doch Schirach interessiert sich nie für die Tat allein, sondern für das, was sie umgibt und stellt Liebe, Verlust, Schuld und die Frage, wie viel Raum das Recht für das Menschliche lässt, in den Mittelpunkt. Carl Thorberg, der Protagonist der dritten und besonders weihnachtlichen Kurzgeschichte, ist kein klassischer Täter, kein Monster. Er ist ein Mensch, der geliebt hat. Weihnachten verstärkt diese Unbequemlichkeit. Während draußen Lichter brennen und von Frieden gesprochen wird, spielt sich im Inneren der Geschichte das Gegenteil ab. Gerade diese Gegenüberstellung beleuchtet, wie vertrackt das echte Leben ist. So zeigt das kleine, aber doch sehr wirkungsvolle Buch in den drei grundlegend verschiedenen Kurzgeschichten Gegensätze auf, die so nah beisammen sind, aber gleichzeitig absolute Gegensätze bilden: Liebe und Gewalt, Hoffnung und Endgültigkeit, Nähe und Einsamkeit. Schlussendlich sind daher wir als Lesende gefordert, uns ein abschließendes Urteil über jeden einzelnen Fall zu bilden.






