25. Dez.
Rating:4.5

Recht und Menschlichkeit in der Weihnachtszeit: Überhaupt miteinander vereinbar?

Schon auf den ersten Seiten von Schirarchs „Carl Thorbergs Weihnachten“ wird klar: Dieses Buch ist kein warmes Weihnachtsmärchen. Und doch ist Weihnachten als Kontrast, als Kulisse und als moralischer Prüfstein allgegenwärtig. Im Zentrum stehen drei Verbrechen, die nüchtern, beinahe sachlich beschrieben werden. Doch Schirach interessiert sich nie für die Tat allein, sondern für das, was sie umgibt und stellt Liebe, Verlust, Schuld und die Frage, wie viel Raum das Recht für das Menschliche lässt, in den Mittelpunkt. Carl Thorberg, der Protagonist der dritten und besonders weihnachtlichen Kurzgeschichte, ist kein klassischer Täter, kein Monster. Er ist ein Mensch, der geliebt hat. Weihnachten verstärkt diese Unbequemlichkeit. Während draußen Lichter brennen und von Frieden gesprochen wird, spielt sich im Inneren der Geschichte das Gegenteil ab. Gerade diese Gegenüberstellung beleuchtet, wie vertrackt das echte Leben ist. So zeigt das kleine, aber doch sehr wirkungsvolle Buch in den drei grundlegend verschiedenen Kurzgeschichten Gegensätze auf, die so nah beisammen sind, aber gleichzeitig absolute Gegensätze bilden: Liebe und Gewalt, Hoffnung und Endgültigkeit, Nähe und Einsamkeit. Schlussendlich sind daher wir als Lesende gefordert, uns ein abschließendes Urteil über jeden einzelnen Fall zu bilden.

Carl Tohrbergs Weihnachten
Carl Tohrbergs Weihnachtenby Ferdinand von SchirachPiper
23. Dez.
Rating:4.5

Leise daher kommende Spannung und man taucht wirklich völlig ein.

Ich suche ja immer wieder nach diesen kleinen Büchern, nach kurzen Weihnachtsgeschichten, die man vielleicht an einem Abend liest – leise, nachdenklich, ein bisschen warm fürs Herz. Und genau so ist mir dann dieses schmale Büchlein von Ferdinand von Schirach über den Weg gelaufen. Drei Geschichten. Weihnachten. Punkt. Und ich muss ehrlich sagen: Ich kannte Schirach bisher fast ausschließlich aus der Welt der Verbrechen, der Gerichte, der Schuld. Und ja – auch hier ist all das präsent. Aber nicht laut. Nicht vordergründig. Sondern am Rand, fast beiläufig. Da ist der Bäcker, der für die Liebe seines Lebens eine Torte backt – und man spürt zwischen den Zeilen so viel Sehnsucht, so viel Menschlichkeit, dass es fast wehtut. 🍰❤️ Da ist der Richter, pensioniert, der plötzlich selbst mit dem Gesetz in Konflikt gerät – und auf einmal steht nicht mehr das Recht im Mittelpunkt, sondern die Frage nach Gnade und Verantwortung. ⚖️🕯️ Und da ist der Sohn, der sich aus seinen Fesseln befreit – leise, unspektakulär, aber mit einer inneren Wucht, die lange nachhallt. 🔓✨ Es sind kleine Geschichten, ja. Aber sie haben einen enormen Tiefgang. Was mich besonders berührt hat, ist Schirachs Art zu erzählen: Man taucht förmlich in diese Welten ein, alles wirkt ruhig, beinahe sanft – und dann kommt der Paukenschlag. Nicht mit Ansage. Sondern einfach so, nebenher. Und genau das macht es so wirkungsvoll. Die Aussage dieses Buches zieht sich für mich klar durch alle drei Geschichten: 👉 Weihnachten ist kein Fest der perfekten Menschen, sondern der unvollkommenen. Es geht um Schuld und Vergebung, um Liebe und Einsamkeit, um Entscheidungen, die ein Leben verändern – oft in genau den Momenten, in denen man es am wenigsten erwartet. Ich war ehrlich gesagt überrascht, wie sehr mich dieses Büchlein gepackt hat. Und ja – ich bin jetzt richtig gespannt auf Schirachs andere Werke. Ob er dort auch diese besondere Mischung schafft: erst leise ankommen lassen, einen fast einlullen … und dann faktisch mit dem Hammer draufhauen. Ein kleines Buch. Große Wirkung. Und definitiv eines, das man nicht nur zu Weihnachten liest – sondern mitnimmt, lange über die Feiertage hinaus. 🎄📖✨

Carl Tohrbergs Weihnachten
Carl Tohrbergs Weihnachtenby Ferdinand von SchirachPiper
12. Okt.
Rating:5

Drei voneinander unabhängige Kurzgeschichten, gekonnt schnörkellos erzählt von Ferdinand von Schirach. In allen drei Geschichten tun sich Abgründe im Leben der bis dahin völlig unscheinbaren, fast schon spießigen Zeitgenossen auf. Schirach macht uns klar, welch verheerenden Folgen Kränkungen haben können. Gruselig.

Carl Tohrbergs Weihnachten
Carl Tohrbergs Weihnachtenby Ferdinand von SchirachPiper