„Stille lag über unserem Wagen, ich hätte nicht sagen können, was gespenstische war: der grausame Anblick, der sich uns bot, oder doch wir selbst - sprachlos auf offenen Ladeflächen mit unseren wenigen Habseligkeiten, Flüchtlinge mit Koffern und ohne Bleibe und doch in unvergleichlich besserer Verfassung als alle, die hier lebten.“ „Ich hielt den Atem an. Kindertransport. Ein Wort, dass ich leichthin sagen konnte, doch in diesem Augenblick wurde mir klar, dass ich gar nicht verstand, was es bedeutete - dass es wohl nur die wissen konnten, die dabei gewesen waren, und manche Pflegeeltern.“
Voorhoeve schafft es wie keine andere, einen in die Geschehnisse des 2. Weltkriegs einzuführen und schildert Grausamkeit und Menschlichkeit aus der Perspektive der anfangs zehnjährigen Ziska. Ich habe viel gelernt über die Schicksale der nach Shanghai emigrierten Juden und die Zustände für die dortige Bevölkerung während des japanisch-chinesischen Krieges. Diese Was-wäre-wenn-Erzählung ist mindestens so gut wie die Ausgangsgeschichte „Liverpool Street“. Sie zeigt auch, dass sich die unterschiedlichen Schicksale und Lebenswege nicht vergleichen lassen, spielt sich das Leben für Ziska nach der Verschickung mit dem Kindertransport nach London ganz anders, jedoch nicht weniger erschütternd ab, sodass meine Augen - angesichts des Leids durch faschistische Regime - bei beiden Romanen nicht trocken bleiben konnten.
